Donnerstag, 13. September 2012

Wo geht's lang?

Vom 14. bis 16. September findet in Aschaffenburg der Kongress "Freude am Glauben" statt (leider ohne mich), organisiert vom "Forum Deutscher Katholiken".

ZdK-Präsident Alois Glück fiel zum "Forum Deutscher Katholiken" dies ein:
    An die Konservativen richtete der Präsident die Erwartung, sich stärker inhaltlich zu positionieren. "Romtreue bekunden reicht nicht", sagte er mit Blick auf das "Forum Deutscher Katholiken". Auch sei es zu wenig, "Glaube auf eine alte Form von Gehorsam zu reduzieren". Nur eine Minderheit der Gläubigen warte "auf Ansagen, wo es langgeht".

    [HT: katholon]
Genau da bin ich mir nicht so sicher.

Die Geschichte mit dem Mohammed-Film und dem ermordeten US-Botschafter in Libyen und die Nachrichten über die steigende Anzahl von Salafisten in NRW zeigt doch mal wieder, daß unsere zerrissene Welt momentan kaum etwas dringender benötigt, als Menschen, die anderen Menschen sagen, wo es langgeht.

Ich als Katholik habe es da ja gut: Ich habe Jesus Christus, der als wahrer Gott und wahrer Mensch mir genügend Gebote und Denkanstöße gegeben hat, so daß ich mich gar nicht damit rausreden kann, ich wüßte nicht, wo es langgeht.

Aber darf ich darauf vertrauen, daß in der heutigen Zeit die Botschaft Christi den Menschen noch so vermittelt wird, wie sie damals mir vermittelt wurde? Hat der notorische Selbsthaß des Westens zusammen mit den Plänen und Aktionen bestimmter Interessengruppen nicht dazu geführt, daß in den letzten 40 bis 50 Jahren jede christliche Errungenschaft totgeschwiegen und dafür jede christliche Missetat an die ganz große Glocke gehängt wurde? Kann ein junger Mann, der noch keine echte Identität aufbauen konnte und in seinem Leben nach einem Sinn sucht, heute überhaupt noch unvoreingenommen einen Schritt auf Christus zugehen, ohne sich davor fürchten zu müssen, von argwöhnischen Augen beobachtet und von spöttischen Zungen verurteilt zu werden, und dabei aber noch nicht einmal etwas zu tun, was seine Eltern und Großeltern NICHT taten?

Wenn mir schon Spott und Argwohn zuteil werden, dann doch bitte wegen der unerhörten und außergewöhnlichen Wahl des Weges. Wenn ich mir schon sagen lasse, wo es lang geht, dann möchte ich doch wenigstens auf einer Straße gehen, auf der sich nicht die Mehrheit des "BILD Dir Deine Meinung"-, des "Geiz ist geil"- und des "I'm lovin' it"-Nutzviehs herumtreibt. Wenn ich mir schon eine Identität aufkleben lasse, dann doch bitte eine, die bei Eltern und Gesellschaft für Kopfschütteln sorgt.

Die jungen Kerle, die sich heute von den Salafisten einfangen lassen, fallen genau auf diese Gedanken herein. Und merken dabei nicht, daß sie das Gegenteil von dem tun, was sie sich einreden und erhoffen. Nichts ist bekannter und gewöhnlicher als die "Meine Fresse - Deine Fresse"-Dynamik, als die "Du Täter - Ich Opfer"-Litanei, als die "Wir gegen die"-Pausenhof-Logik. Kein Pfad ist abgetrampelter als jener, auf dem die blökende Masse des Individualisten-Kollektivs sich seit Jahrzehnten vom gesunden Menschenverstand, vom Naturgesetz und von der eigenen Kultur und Geschichte zu distanzieren sucht. Keine Identität ist verlogener als jene, die wegen des Schockeffektes übergestülpt wird.

Aber genau das krampfhafte Festhalten am "Meine Fresse - Deine Fresse", am "Du Täter - Ich Opfer", am "Wir gegen die" ist das, was dafür sorgt, daß sich der Charakter niemals entwickelt und daß sich die Wogen niemals glätten.

Was die Welt braucht, ist Frieden zwischen den Menschen. Der Friede zwischen den Menschen aber stellt sich nur ein, wo Frieden im Menschen herrscht.

Wie aber soll ein junger Mann Frieden finden können, wenn man ihm - und ich wiederhole mich hier gerne - einen Gott präsentiert, der nur so mächtig ist, wie die Waffen seiner Anhänger, nur so beredt wie die Plakate, die auf Demonstrationen hochgehalten werden und nur so liebevoll, daß es grade eben für eine bestimmte Gruppe von Leuten reicht?

Wie soll ein junger Mann Frieden finden können, wenn man ihn nicht dazu anregt, über sich und seine Beziehung zum lebendigen Gott nachzudenken und ihn zur Pflege dieser Beziehng zur Beichte und zur Heiligen Messe schickt, sondern wenn man ihm ein Feindbild zeigt und ihn dann zur Terroristen-Ausbildung in ein fremdes, weites Land verfrachtet?

Wie soll ein junger Mann Frieden finden können, wenn ihm selbst Tomaten verdächtig zu sein haben?

Das kann es doch nicht sein.

Stellt Euch mal den Deal vor: Keinen Zoff mit der Polizei, keine Beobachtung durch den Verfassungsschutz, keine aufwendigen Trips in unwirtliche Gegenden zwecks Ausbildung zum Gotteskrieger, keine "Vermißt"-Plakate, kein mühsames und krampfhaftes Aufrechterhalten einer Opfer- und Verfolgtenrolle, kein Tomatenverbot, keine Unterwerfung unter ein totalitäres und jeden Aspekt des Alltags kontrollierendes System.

Stattdessen die Freiheit der Brüder und Schwester in Christus, die lebendige und persönliche Beziehung zu dem Gott, der uns geschaffen hat und uns bei sich haben will, die gemeinschaftliche Pflege dieser persönlichen Beziehung in der Liturgie und ein ganz breites Grinsen, weil die Erlösung näher liegt als jeder Gewehrkolben, jeder Fernzünder, jeder Krummdolch.

Einziger Preis ist das Ablegen der Marionetten-Stränge und das Aufnehmen einer persönlichen Initiative, am Leben erhalten durch ein informiertes Gewissen. Denn aus diesem werden die Ansagen, wo es langgeht, kommen, wenn man sich Christus geöffnet hat. Es mag anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein, nicht die beleidigte Leberwurst zu mimen und im Alltag öfter mal nach links und rechts zu schauen, ob man vielleicht mal zur Abwechslung etwas FÜR einen ANDEREN Menschen tun kann. Aber es lohnt sich immer und immer wieder, dies zu tun.

Reifer, selbstbestimter Mitarbeiter am Werk des Friedens oder entwicklungsgehemmter, ferngesteuerter Rabatznik im Dienste des Konfliktes: Ihr habt die Wahl!

(Und, ja: Mit "Ihr" meine ich auch Koranverbrenner und Leute, die Schweinespeck auf einer Wiese ausstreuen, auf der Moslems sich zu einer Nach-Ramadan-Party treffen)

Kommentare:

Valentina hat gesagt…

Also, da wir ja in Aschaffenburg wohnen, wollen wir schon hin zum Kongress.
wäre schön, ein paar bekannte "Bloggesichter" zu sehen..

pfiati

Valentina

Cicero hat gesagt…

*meld* http://blog.peter-winnemoeller.de/?p=3553

Alipius hat gesagt…

@ Cicero: Ach, Mist! Ich hatte sogar ursprünglich ein HT an Dich nach dem Glück-Zitat. Das ist wohl beim Rumformatieren verlorengegangen. Ich hab's jetzt wieder eingebaut.