Montag, 17. September 2012

Lachen oder Weinen?

Im Kommentarbereich dieses Postings läuft grade eine Diskussion über gewaltbereite religiöse Extremisten, deren Lächerlichkeit und die Legitimität von Aktionen, die auf diese Lächerlichkeit hinweisen.

Ich will das tatsächlich so verstanden wissen: Es gibt ein Phänomen, das einerseits unendlich traurig und grausam ist, andererseits aber auch dazu führt, daß man sich im Grunde nur noch mit Gelächter zu helfen weiß, eben weil das Dargebotene in seiner Verhältnismäßigkeit so abartig und grotesk ist, aber dennoch so - im wahrsten Sinne des Wortes - todernst durchgeführt wird.

Und in diese Kategorie fallen bei mir auch islamische Terroristen und Extremisten. Es geht mir nicht darum, Religion als solche lächerlich zu machen. Es geht mir auch nicht darum, nur eine Religion lächerlich zu machen. Es geht mir darum, diejenigen, die sich im Namen einer Religion in ihrem Blutrausch bis zur totalen Lächerlichkeit selbst erniedrigen, ganau darauf hinzuweisen.

Ich betrachte gewaltbereite religiöse Extremisten als Menschen mit einem Defizit. Irgendwo ist bei ihnen ein Kanal verstopft, der bei anderen Menschen die Erkenntnis ermöglicht, daß der Mensch als Geschöpf Gottes eine bestimmte Natur, eine unantastbare Würde und gewisse unveräußerliche Rechte besitzt.

Teil dieser Rechte ist das Recht auf Meinungsäußerung. Meinung wird oft als Kritik* geäußert. Kritik kommt nicht selten unappetitlich und dumm daher (Ho-ho-ho... Daß das sogar mir als Katholiken auffällt!). Jemand, der unappetitliche und dumme Kritik äußert, kann einfach nur aufklären wollen. Oder er will einfach nur provozieren. Oder er will beides. Oder er will keines von beiden, sondern gehört zu einem gewissen Kontingent tumber Mitläufer, die erkannt haben, daß man mit solchen Aktionen aus der Höhle identitätsloser Durchschnitts-Mustermänner ins Rampenlicht treten kann.

Jetzt schützt zwar gemäß einem alten Sprichwort Unwissenheit/Dummheit nicht vor Strafe, aber ich meine, dies bezieht sich nur auf das Gebiet real existierender Gesetze und der entsprechenden Strafverfolgung bei Nichtbeachtung oder Zuwiderhandlung.

Ich jedenfalls grummele lieber still für mich (oder manchmal auch weniger still auf meinem Blog), wenn wieder irgendwo ein besonders cleverer Religions- oder Christen- oder Katholiken-Hasser ein grottenschlechtes Machwerk absondert, als daß ich mich danach sehne, in einer Gesellschaft zu wohnen, in der solche Machwerke kategorisch verboten werden. Das Argument mit dem öffentlichen Frieden kann ich durchaus nachvollziehen, aber das sollte in einem Land, in dem das Christentum die Mehrheitsreligion bildet, kein Problem darstellen. Zumindest nach meinem Empfinden tendieren solche Länder eher nicht dazu, in die Luft zu gehen, wenn man ihren Gott oder ihre Religion oder ihre Kirche durch den Dreck zieht.

Eben weil ich aber dem Anderen nicht nur das Recht zugestehe, meine Religion und meinen Gott zu beleidigen (wenn ich es persönlich auch kacke finde, daß so etwas geschieht) sondern im Zweifelsfall auch eher dazu bereit bin, für dieses Recht des Anderen mich einzusetzen, als in einem Staat zu leben, wo der Andere mit Gefängnisstrafen oder Lynch-Mob-Aktivitäten zu rechnen hat, eben deswegen nehme ich mir auch das Recht heraus, "Lächerlich!" zu rufen, wo Lächerliches geschieht.

Da ich selbst eine Verunglimpfung meiner Religion und meines Gottes nicht wirklich toll finde, bin ich persönlich auch kein großer Freund von Werken, die die Religion oder den Gott (oder den Propheten) anderer Religionen verunglimpfen. Da ich aber auch bei christlichen Fundamentalisten oft genug zu einem Facepalm-Marathon ansetzen muß, bin ich ein riesengroßer Fan von Werken, die gewaltbereiten religiösen Extremisten nachweisen, daß sie lächerlich sind und sich und ihre Religion und ihren Gott zutiefst erniedrigen.

Drei Dinge verstehen sich für mich von selbst: Daß ich die Religion anderer Menschen nicht lächerlich mache. Daß ich lächerliche Menschen nicht ständig auf ihre Lächerlichkeit hinweise. Daß ich lächerliche Plünderer, Schläger und Mörder, die sich auf einen Gott berufen, gerne und häufig auf ihre Lächerlichkeit hinweise.

Dieses Hinweisen auf Lächerlichkeit ist (neben dem Gebet, welches sich aber ebenfalls von selbst versteht) für mich im Grunde der legitime Mittelweg zwischen Schweigen und Gegengewalt. Wenn wir nicht in einer Welt leben wollen, die sich entweder in bewaffneten Konflikten zerreißt oder die von laut brüllenden, wild um sich schießenden, haßerfüllten Extremisten in Geiselhaft gehalten wird, müssen wir entweder versuchen, mit den Werkzeugen der Vernunft auf Menschen zuzugehen, die jammernd die Röcke raffen und das Weite suchen, wenn eine Karikatur ihnen nicht gefällt, die aber im nächsten Moment eiskalt ein Menschenleben auslöschen (angesichts dieser Prioritäten: Viel Glück bei dem Versuch). Oder wir trauern um die Toten, beten für die Verwirrten und pieksen sie dazu immer wieder mal mit kleinen, feinen Nadelstichen der Ironie und der Satire, um ihnen zu verdeutlichen, daß die Welt über ihre Taten weint, über sie selbst aber lacht.

Kommentare:

Ester hat gesagt…

Also ich finde einfach diese Rumrandaliererei steht in keinem Verhältnis zum Anlass.
Das ist noch nicht mal Auge um Auge, zahn um Zahn, das ist Lamech (Genesis 4,22 "einen Knaben erschlage ich wegen einer Strieme") in Potenz.


gerd hat gesagt…

>>Wenn wir nicht in einer Welt leben wollen, die sich entweder in bewaffneten Konflikten zerreißt oder die von laut brüllenden, wild um sich schießenden, haßerfüllten Extremisten in Geiselhaft gehalten wird, müssen wir entweder versuchen, mit den Werkzeugen der Vernunft auf Menschen zuzugehen, die jammernd die Röcke raffen und das Weite suchen, wenn eine Karikatur ihnen nicht gefällt, die aber im nächsten Moment eiskalt ein Menschenleben auslöschen (angesichts dieser Prioritäten: Viel Glück bei dem Versuch).<<

Mutter Teresa würde jetzt sinngemäß sagen: Wenn alle Versuche den Feind mit Vernunft zu überzeugen fehl schlagen, versuche es weiter.
Gehen wir doch mit den Werkzeugen des Glaubens diesen Krieg an. Ich bin der Meinung, dass man diesen Versuch (mit der Vernunft und dem Glauben) immer wieder starten muss, selbst wenn man vom Glück verlassen wird. Ein Maximilian Kolbe war weit davon entfernt, die Nazis lächerlich zu machen, sondern allein durch seinen Glauben war er in der Lage, dem Terror heldenhaft die Stirn zu bieten. Das kostete ihm das Leben und hat viele andere gerettet.
Was die Christen angeht: Flehen wir Gott an, dass er uns den Mut schenkt im Augenblick der Wahrheit standhaft zu bleiben und auch nur ein klitzekleines bischen den Märtyrern der Vergangenheit zu folgen.

Lauda Sion hat gesagt…

Meiner Erfahrung nach hilft, wo die Vernunft nicht greift bzw. Reden nichts bringt, nur Gebet und Fasten. Gott verändert die Herzen und bewirkt Bekehrung, nicht wir oder unsere Talente.
Wenn jemand sich über mich lustig macht, ob berechtigt? oder nicht, bewirkt es nur das Gegenteil, heißt, ich würde mich nur mehr herausgefordert fühlen, statt darüber nachzudenken, etwas an meinem Verhalten zu ändern.

Chrysostomos hat gesagt…

Irgendwie war das seinerzeit fast prophetisch: http://www.youtube.com/watch?v=5Z7kj_CY50g