Samstag, 8. September 2012

Fiel mir heute morgen beim Invitatorium auf...

Die Leute, die den Katholiken vorwerfen, sie beteten Maria an, sollten sich vielleicht einfach mal ein Brevier zulegen:
    Wir feiern die Geburt der seligen Jungfrau Maria und beten ihren Sohn an, Christus, unseren Herrn."

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das Problem ist (und als Konvertitin nehme ich das besonders wahr), dass es in manchen Predigten, Gebeten und Liedern genau so genannt wird: Wir beten zu dir, Maria ... Hilf du uns, Maria ...

Evangelische werden da gleich hellhörig und protestieren. Und man kann dann nur schwer richtigstellen und erklären, was wirklich gemeint ist.

Einer evangelischen Freundin z. B. will sich absolut nicht erklären lassen, was die Dankschilder "Maria hat geholfen" wirklich bedeuten ...

Anonym hat gesagt…

In aller Kürze zum Kommentar oben:
Der Unterschied zwischen "Wir beten zu dir.." und "Wir beten dich an.." ist schon klar - oder??
Und "Hilf du uns, Maria" - wo ist da Anbetung?
Gottes Segen!
Helene21

Anonym hat gesagt…

Anbetung oder Hilfe - wer einmal soweit ist, der hat sich wenigstens schon auf den Weg gemacht, die Wahrheit zu suchen. Viele wollen sich lieber gleich garnicht mit Fakten beschäftigen müssen, da könnten die lieben Vorurteile womöglich gefährdet werden ...

Zwetschgenkrampus

Helene hat gesagt…

Habe den ersten Kommentar nun zum
Anlaß genommen, nachzuschauen, was das Lehramt der kath. Kirche
zum "Gebet" zu sagen hat (KKK =
Katechismus der kath.Kirche).
Das ist einiges. Wunderschön mMn
die Definition "Anbetung": Nr.2628
(zu lang zu zitieren). Ausführlich
"Gebet in Gemeinschaft mit der
Gottesmutter", Kurzfassung Nr.2682, sehr schön auch "eine Wolke von
Zeugen" Kurzfassung Nr. 2692
(Gebet mit den Heiligen).

Admiral hat gesagt…

Schön ist auch die Antiphon der Non heute:

"Aus ganzem Herzen singen wir Christi Lob an diesem heiligen Fest seiner jungfräulichen Mutter."

U. P. hat gesagt…

Oder auch das Magnifikat:

"Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut,
siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!"

Alles Lukas, echt jetzt! Mehr sola scriptura gib's nich!

Friedrich Kuhlau hat gesagt…

All die schönen (und dogmatisch serlbstmurmelnd völlig korrekten) Vorkommentare ändern nichts daran, dass die Verehrung Mariens (die ja bekanntlich dogmatisch sogar als "Hochverehrung", und zwar als einzige, eingestuft ist) für den Außenstehenden (und viele "Innenstehenden") durchaus den Eindruck einer Anbetung macht.

Das mag nach dem Buchstaben Denzingers falsch sein, aber es ist ungefähr so irritierendd, wie wenn die Kommunisten über "Volksdemokratie" sprachen (okay, der Vergleich hinkt natürlich ein wenig, aber welcher täte das nicht ...).

Und manche marianische Überschwänglichkeit (die übrigens lehramtlich nachsichtig schmunzelnd oder auch mit pastoraler Berechnung approbiert wurde und wird) ist nun in einer Weise zeitintensiv, dass es zwar einen theoretischen Unterschied machen mag, ob das nun eine cultus latriæ oder ein cultus hyperduliæ ist, der da grad abläuft, aber nach außen hin ist es praktisch dasselbe.

Ich verstehe durchaus die Protestanten, wenn sie sich von dogmatischen Festlegungen wie der "leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel" zum Zweck der liturgischen Behübschung eines Heiligen Jahres (wenn ich das einmal bewusst salopp formulieren darf) einigermaßen abgestoßen fühlen. Umso mehr, wenn sie dann in der bezughabenden Bulle Pius' XII. Dinge lesen können wie die folgenden:

Die Ähnlichkeit, die zwischen der Gottesmutter und ihrem göttlichen Sohn bezüglich des Adels und der Würde des Leibes und der vom himmlischen König getrennt lebt, fordert nach ihm unter allen Umständen, daß Maria nirgendwo anders sein darf, als da, wo Christus ist. Außerdem ist es nach ihm auch der Vernunft ganz und gar entsprechend, daß wie Leib und Seele des Mannes, so auch die der Frau bereits die ewige Glorie im Himmel erlangt haben.

Hier werden fundamentale Unterschiede sprachlich hinterrücks eingeebnet. Ich weiß: dogmatisch wird da natürlich subtil differenziert. Nur was in der Realität ankommt, sieht eben anders aus.

Mir behagt die Zurückhaltung der Ostkirchen, die nach wie vor nur die Bezeichnung "Entschlafung Mariens" verwenden, wesentlich besser. Dass Gläubige der Mutter Jesu mit einer besonderen Achtung gedenken, ist verständlich. Auch Goethes Mutter (um einen Vergleich zu wagen, der in kulturbeflissenen Ohren nicht allzu blasphemisch klingt), die ohne ihren Sohn längst völliger Vergessenheit anheimgefallen wäre, ist bis heute dem Geblideten wegen ihres Sohnes als die "Frau Rat" (und vielleicht mit dem einen oder anderen burschikosen Briefzitat, wenigstens aber wegen Goethes eingestandener "Lust zu fabulieren") ein Begriff.

Was darüber hinausgeht, wird problematisch und streift nur zu leicht an die Grenzen des Aberglaubens (bzw. überschreitet sie m.E. beträchtlich). Für meinen — und wohl nicht nur meinen, würde ich meinen ;-) — Teil jedenfalls kann ich ohne diese Festlegungen, die wie Stolpersteine jede ökumenische Debatte zum Slalom mit hoher Scheiterungswahrscheinlichkeit machen, gut auskommen. Und ich denke nicht, dass sich Maria, von der wir doch hoffen wollen, dass sie sich himmlischer Seligkeit erfreut, dadurch irgendwie gekränkt fühlen würde ...