Dienstag, 4. September 2012

Alles gleich, oder?

Bastian von Echo Romeo hat einen interessanten Beitrag zum britischen Kreuz-Anhänger-Streit geschrieben. Dieser Streit ist mittlerweile nach Straßburg weitergewandert.

Worum es geht:
    In zwei der vor dem Straßburger Gericht anhängigen Fälle geht es um das Tragen von Schmuckkreuzen während der Arbeitszeit. Die Arbeitgeber einer British-Airways-Mitarbeiterin sowie einer Krankenschwester hatten dies verboten. Eingereichte Klagen wurden von der britischen Justiz abgelehnt: Das Tragen eines Schmuckkreuzes sei kein verpflichtender Teil der christlichen Religionsausübung und ein Verbot entsprechend kein Eingriff in die Religionsfreiheit der Mitarbeiterinnen, so die Begründung.
Natürlich ist es ein Eingriff in die Religionsfreiheit. Bestünde Religionsfreiheit nur darin, die Dinge zu tun und auch tun zu dürfen, die verpflichtender Teil einer Religion sind, dann wäre die Ausübung dieser Dinge erstens mehr Zwang (nur verpflichtende Teile einer Religion) als Freiheit (sowohl verpflichtende Teile einer Religion als auch das persönliche Glaubensleben bereichernde Teile einer Religion), und dann müßte zweitens Missionierung am Arbeitsplatz erlaubt sein, denn Jesus trug schon seinen Jüngern auf:
    Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." (Mt 28,19)
Oft wird argumentiert, daß Atheisten (oder Andersgläubige) ein Recht darauf hätten, an bestimmten Orten von religiösen (oder christlichen) Symbolen unbelästigt zu bleiben. Jetzt ist es allerdings so: Eine gläubige Katholikin trägt in der Regel ihr Schmuckkreuz, um ihren Glauben zum Ausdruck zu bringen und ansonsten den Mitmenschen Mitmenschen sein zu lassen. Die britischen Arbeitgeber gingen nun hin und ließen - im Namen von Anders- oder Nicht-Gläubigen - die christlichen Mitmenschen nicht Mitmenschen sein, sondern versuchten, durch Verbote Einfluß auf ihr Leben zu nehmen, um eine schwammige "Gleichheit" zu schaffen, indem sie dort etwas wegnehmen, wo bei anderen Menschen nichts (Atheisten) oder etwas anderes (Andersgläubige) ist.

Wie in diese enge Weltsicht das permanente Gesülze von Pluralismus, Vielfalt, Verschiedenheit, Offenheit und Toleranz hineinpassen soll, das würde mich schon interessieren.

Oder gilt hier wieder einmal die gute alte Weisheit, daß in England (und an anderen Orten auch) alle Religionen gleich(ermaßen der Katholischen überlegen) sind?

Kommentare:

cordulchen hat gesagt…

Genau zu dem gleichen Thema habe ich eben heute einen guten Artikel in der aktuellen Ausgabe des Vatican Magazin mit dem Titel "Im 'Westen von Wien'..." gelesen. (Jg.6/Heft8-9 - Sept. 2012, S. 35-40) Sehr lesenswert!

Chrysostomos hat gesagt…

Absolut gleicher Meinung!