Mittwoch, 8. August 2012

Was genau...

... wollte der Weihbischof uns hiermit eigentlich sagen?

Die kirchliche Lehre zur Homosexualität ist doch eigentlich ziemlich klar.

Daher halte ich es für leicht seltsam, wenn ein Weihbischof sagt, man darf nicht von jedem Homosexuellen fordern, dass er das Ziel der Enthaltsamkeit erreichen müsse.

Dazu muß man erst einmal in Betracht ziehen, daß die GLBT-Szene zum großen Teil wenn schon nicht christusfern so doch auf jeden Fall kirchenfern ist. Dann verstehe ich das "darf nicht fordern" irgendwie als "will nicht fordern (damit ich nicht noch mehr Leute entfremde oder damit ich nicht als Buhmann durch den regenbogenfarbenen Fleischwolf gedreht werde)". Will sagen: Der Weihbischof spricht ja nicht zu einer Gruppe, in der alle die katholische Lehre total nachvollziehen können.

Der Löwenanteil der Kommentare, die Mitglieder der GLBT-Szene in der US-amerimanischen Blogoezese zurücklassen, enthüllt, daß sie die Lehre der katholischen Kirche überhaupt nicht kennen, sondern nur Soundbites nachsprechen, die ihnen vorher von ihren Sprachrohren in mundgerechten Häppchen serviert wurden. Wenn man da hineinruft "...nicht von jedem Homosexuellen fordern, dass er das Ziel der Enthaltsamkeit erreichen müsse", dann kommt doch nur noch "Okay! Der Papst hat uns grünes Licht gegeben! Ab in die Kiste!" an. Und da mache ich dann auch keinem Schwulen und keiner Lesbe einen Vorwurf, WENN das so ankommt.

Denn - wenn's auch hart klingt - Enthaltsamkeit ist tatsächlich das Ziel in diesen Beziehungen.

Jedoch: Es geht um eine Umkehr. Und eine Umkehr ist eine Bewegung, an deren Ende man mit dem Gesicht das anguckt, wo vorher der Hintern hingezeigt hat. Eine Umkehr hat also einen Anfang und ein Ende, dauert also eine gewisse Zeit. Das bedeutet erstens, daß man zumindest nicht erwarten darf, daß alle diese Beziehungen von einer Sekunde auf die andere plötzlich in Enthaltsamkeit münden. Man kann es im Wort verlangen, aber man darf nicht mit Häme oder Ablehnung oder stolzem Heiliger-als-Du-Getue reagieren, wenn es häufig nicht beim ersten Anlauf gelingt. Denn die Wenigen, die es versuchen werden, brauchen genau bei diesem Versuch unsere Gebete und unsere Unterstützung. Und hier kommen wir zum zweiten Aspekt der Umkehr: Je intensiver diejenigen, die es ernsthaft und ehrlich versuchen wollen, in diesen Versuchen untersützt werden, desto länger können sie den Prozeß der Umkehr aufrecht erhalten und desto klarer können sie das Licht erkennen, dem sie zu Beginn der Umkehr noch den Rücken zugekehrt haben.

Und wenn dieses Licht einen dann einmal in seinen Bann gezogen und überzeugt hat, dann ist das mit der Enthaltsamkeit auch nicht mehr schwer. Weiß ich aus eigener Erfahrung.

Also wäre ich schon dafür, daß wir den Leuten nichts weichspülen und überzuckern, sondern ihnen klar sagen, was Sache ist, aber im gleichen Atemzug auch glaubhaft vorleben, daß Christi Botschaft nicht nur gehört werden kann, sondern auch die Kraft hat, Herzen umzuformen.

Kommentare:

Cassandra hat gesagt…

Wollte der Weihbischof auf so was wie "das kleinere Übel" hinaus?

ultramontanus hat gesagt…

Aus dem Artikel:

»Wenn sich aber Homosexuelle in Liebe und Treue zusammenfänden und bereit seien, Verantwortung füreinander zu übernehmen, müsse das auch entsprechend rechtlich gewürdigt werden.«

Wovon redet er? Von Liebe und Treue in der Sünde? Vom gegenseitigen Bestärken in der Sünde? Will er sie aneifern, dort zu bleiben? Was soll denn das? Was ist denn das für eine Liebe? Was ist das für eine schizophrene Treue? Wieso bleiben diese Äußerungen folgenlos für ihn?

U. P. hat gesagt…

Vor allem scheint sich dieser Bischof erstmal um die Feststellung rumgedrückt zu haben,daß von allen nichtverheirateten Katholiken Enthaltsamkeit gefordert ist. Umso befremdlicher dann seine Aussage, diese von HS nicht erwarten zu können. Will der Bischof,der im übrigen auch so vielsagend den Begriff "katholische Homosexuelle" vermeidet, und stattdessen allgemein von "Homosexuellen" redet, diesen eine Dispens vom 6. Gebot zugestehen?
Und dann wirklich völlig abstrus, daß die Formen einer Sünde gegeneinander ausgespielt werden: dauerhaft verstockt ist besser als "vagabundierend"??? (kann nicht gerade die Bindungslosigkeit den Absprung aus dem falschen leicher machen?)
Auf eine andere Sünde mal übertragen: der Einbrecher, der bei lebenslang treu einer Mafia dient, ist höher zu schätzen, als der spontan agierende Einzeltäter???

Ansonsten: sehr schön ausgedrückt, @Alipius: ein selbstgerechtes "heiliger als du" - Getue, ziemt sich nicht. Und der Schlußsatz bringt es auf den Punkt.

Anonym hat gesagt…

Ich kenne mich in röm.kath. Theologie nicht so aus.Auf welche Bibelstellen beruft sich denn die röm.kath. Kirche, um das Ausleben von Homosexualität zu begründen?

Anonym hat gesagt…

Ach nö, hab vergessen zu unterschreiben. Die obige Frage kommt von Bonifatz

ultramontanus hat gesagt…

Auf welche Bibelstellen beruft…? – Ah, du verwechselst Kattos und Prottis.

Anonym hat gesagt…

@ultramontanus: Eine einfache Angabe von Bibelstellen hätte mir mehr geholfen. Ich bin nicht so vorurteilsbeladen, dass ich glauben würde,die Rö-kat.Kirche würde NIE Bibelstellen zur Begründung ihrer Lehre anführen. Aber ich frage mich angesichts der Antwort gerade, ob ich mich in diesem Fall täusche.Deshalb modifiziere ich meine Frage nochmal: Liefert die Rö-kat.Kirche irgendeine Bibelstelle als Beleg für diese Lehre, wenn ja, welche?

Bonifatz
P.s. Falls Sie das beeinflussen können, Herr Alpius: Könnten die Fotos mit Zahlen zum Beweis, kein Robot zu sein, ein klein wenig schärfer sein?Wäre klasse :)

Gertie hat gesagt…

sehr erhellend auch dazu der Artikel eines jungen Franzosen, der selbst homosexuell empfindet, katholisch ist und sich bemüht, nach der katholischen Lehre zu leben, weil er dies als sinnvoll empfindet. http://www.padreblog.fr/quand-un-jeune-homosexuel-defend-leglise

Bin gerade dabei, das zu übersetzen. Vielleicht bringe ich ein paar Auszüge davon auch mal im Blog.

ultramontanus hat gesagt…

@Anonymus: Es gibt mehrere Stellen in der Hl. Schrift, aus denen die Nichtakzeptanz homosexueller Akte hervorgeht. Die mir grade einfällt, ist Leviticus 20, 13:

Qui dormierit cum masculo coitu femineo, uterque operatus est nefas : morte moriantur : sit sanguis eorum super eos.

(Drum rum sind noch mehr Vorschriften in dem Zusammenhang. Auch wenn die Strafen heute nicht mehr in Geltung sind, bleibt doch die moralische Wertung als nefas.)

ultramontanus hat gesagt…

@Bonifaz: Ich kopiere hier mal den Abschnitt aus’m Katechismus der Katholischen Kirche rein, der sich damit beschäftigt; denn da sind auch ein paar Schriftverweise gegeben:

2357 Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlich oder vorwiegend zu enschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlen. Homosexualität tritt in verschiedenen Zeiten und Kulturen in sehr wechselhaften Formen auf. Ihre psychische Entstehung ist noch weitgehend ungeklärt. Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet [Vgl. Gen 19, 1–29; Röm 1,24–27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10], hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, „daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind“ (CDF, Erkl. „Persona humana“ 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen (Vgl. dazu auch 2333).

2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen haben tiefsitzende homosexuelle Tendenzen. Diese Neigung, die objektiv ungeordnet ist, stellt für die meisten von ihnen einePrüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Verfaßtheit erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft –‚ durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern (Vgl. dazu auch 2347).

Anonym hat gesagt…

Danke für die Bibelstellen. Nun stellen sich mir da aber doch einige Fragen.
Lev 20,13 beispielsweise steht in einem Bereich, deren einer Schwerpunkt Ehebruch ist (V. 10-12). Dabei wird zunächst ausschließlich der Ehebruch von Männern mit Frauen thematisiert. Es ist meiner Meinung nach eine wesentlich textgemäßere Auslegung, davon auszugehen, dass hier lediglich der homosexuelle Kontakt, mit dem Ehebruch einhergeht, geahndet werden soll. Als eine generelle Verurteilung homosexueller Praxis kann diese Stelle daher nur genutzt werden, wenn man den gesamten Kontext außen vor lässt.
Bonifatz

Anonym hat gesagt…

Die Schriftbelege in Genesis 19, 1-29 sowie Rö 1, 24-27 anzuführen ist dermaßen schwach, dass es mich wundert, dass sie noch immer als biblische Begründung herangezogen werden. Im Genesistext geht es um Machtausübung durch Vergewaltigung und im Römertext ebenfalls um Ehebruch,wie schon bei Levitikus. Das nur mal auf die Schnelle, bei den anderen Stellen muss ich weiter ausholen, wozu mir jetzt die Zeit fehlt.
Bonifatz

ultramontanus hat gesagt…

@Bonifaz scripsit:

»Es ist meiner Meinung nach eine wesentlich textgemäßere Auslegung, davon auszugehen, dass hier lediglich der homosexuelle Kontakt, mit dem Ehebruch einhergeht, geahndet werden soll.«

Klar. Ebenso natürlich bei Unzucht mit Tieren. Das ist nur verboten, wenn der Mann oder die Frau verheiratet ist, sonst isset natürlich alles kein Problem und völlig in Ordnung. :D

Komm, lass stecken, Bonifaz. Ich bin einmal über dein Stöckchen gehupft, jetzt geh woanders spielen. Is so schönet Wetter draußen. ^^

Anonym hat gesagt…

So,draußen war ich jetzt.Auch wenn ich nicht gespielt habe, sondern mich sehr gut mit jemandem unterhalten habe. Und noch bevor ich deinen Versuch, übers Stöckchen zu springen, gelesen habe.
Du bist nämlich über das Stöckchen nicht rübergehüpft, sondern voll dagegen gelaufen.
Die ganze Textstruktur zeigt, dass wir es in diesem Text mit einer kasuistischen Rechtssammlung zu tun haben, erkennbar an der "wenn-dann-Struktur" der Sätze. Oberthema: Heilig sein. Unterthema: Was passiert, wenn diese Heiligkeit durch Ehebruch, d.h. sexuelle Aktivität außerhalb der Ehe, Inzest unter Geschwistern oder Unreinheit der Frau (V. 18)verletzt wird.
Was Menschen mit Menschen tun, die nicht verheiratet sind, ist in den unmittelbaren Nachbarversen von V.13 völlig belanglos. Das spricht aus meiner Sicht dafür, dass eben auch in V. 13 von einem verheirateten Mann ausgegangen wird, wie auch in den restlichen Versen dieses Rechttextes.

Das bedeutet nicht, dass sexueller Kontakt mit Tieren für Ledige damit genehmigt ist. Diese Frage spielt nur in diesem Text schlicht keine Rolle, da es eben um verheiratete geht.

Schade übrigens, dass du auf meine anderen Ausführungen nicht eingegangen bist.
Wenn du magst,kannst du ja nochmal Anlauf nehmen, vielleicht springst du ja diesmal übers Stöckchen, statt dagegen zu laufen ;)
Bonifatz