Sonntag, 19. August 2012

Ich! Ich!! ICH!!!

Nach dem Pussy-Riot-Urteil probiert man's nun auch anderswo. Die Stürmung des Stephansdomes in Wien am Freitagnachmittag durch Sympathisanten der Punk-Mädchen dauerte nicht einmal ein halbe Minute und fand außerhalb der Meßzeiten statt. Heute morgen geschah dann im Kölner Dom dies:
    Im Anschluss an die Predigt sorgte eine Gruppe von Demonstranten für Unruhe im Kölner Dom: Drei Sympathisanten stürmten kurz vor Beginn des Hochgebetes mit bunten Kostümen in Richtung Altar. Mit gebetsartigen Gesten und lauten Rufen versuchten sie, die Eucharistiefeier mit einigen hundert Gläubigen zu unterbrechen. Doch die Domschweizer konnten die drei Protestler - eine Frau und zwei Männer - rasch nach draußen abdrängen.
Besonders schön der einleitende Satz im Domradio-Bericht:
    Eine Gruppe von Demonstranten hat am Sonntag auf das Schicksal der drei verurteilten Mitglieder der russischen Gruppe „Pussy Riot“ aufmerksam gemacht.
Ja, ne, is klah jezz: Was ein Glück, daß wir diese drei aufmerksam machenden HeldInnen haben! Wie hätte man sonst JEMALS etwas über das Schicksal der Band Pussy Riot erfahren? So, wie die Medien sich da seit Wochen totschweigen...

Hört mir doch auf mit Eurem pubertären Revoluzzer-Gesülze!

Ihr wolltet auf Euch aufmerksam machen und sonst nichts. Und Ihr habt dazu mal wieder zum billigsten Ticket gegriffen, das zu haben war: "KIRCHE! Am besten katholisch! Wen interessiert es schon, daß die am Sonntag in ihren Kirchen das Heiligste feiern, was sie haben?"

Langsam geht die Saat der religiösen Farbenblindheit, der einseitig gepredigten Toleranz, des tumben Säkularisten-/Atheisten-/Humanisten-Dauerfeuers, der medial gepushten Empörten- und Opfer-Industrie und der vollkommen mangelhaften Erziehung an Geist und Seele auf. Und führt zu ziemlich grotesken Ergebnissen: "Wenn schon gewünscht wird, daß man sich bei olympischen Spielen künftig nicht mehr bekreuzigen darf, dann wollen wir wenigstens das Recht haben, am Sonntag die Messen zu stören!" So ungefähr...?

Jetzt haben die Drei kölner Radau-Bratzen auch brav Ihr Futter für den nächsten Indymedia-Bericht:
    Wie die Kölner Polizei auf Anfrage mitteilte, wurde gegen die drei Störer Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, Hausfriedensbruch und wegen Störung der Religionsausübung gestellt. Außerdem wurden drei Platzverweise erteilt.
"Natürlich war es korrekt, daß wir im Dom protestiert haben! So haben wir den heuchlerischen Katholiken die Masken runtergerissen! "Nächstenliebe"? Von wegen! Kein Interesse am Leid der drei Musikerinnen und dazu noch Strafanzeige gegen uns! Schon die Hexenprozesse vergessen?"

Bitte, geht einfach weg, und nehmt Eure Dumpfbackigkeit und Eure Selbstgefälligkeit gleich mit.

Kommentare:

antifo hat gesagt…

Ende Juli sagte ein russisch-orthodoxer Priester, daß die Straftat von P.R. der Vorbote einer globalen Katastrophe ist. Er rief alle religiösen Gemeinschaften und auch Atheisten zu gemeinsamen Anstrengungen auf, um diese Katastrophe abzuwenden.

“Niemand soll sich Illusionen darüber machen. Weder in Russland noch in Europa noch in Übersee. Wir rufen jeden auf — Orthodoxe, Katholiken, Protestanten, und auch die Muslime und Buddhisten und alle Gläubigen und Ungläubigen weltweit — sich gegen diese Gefahr zu vereinen. Es ist die Gefahr, die der Verehrte Ambrosius von Optina kurz vor der Russischen Revolution 1917 so beschrieb: ‘In einem Teil des Dorfes wird man sie aufhängen und im anderen werden sie sagen, daß ihnen das nicht so schnell passieren kann’”, sagte Erzpriester Alexander Shargunow in einer Sendung von Radio Radonesch.

Cinderella01 hat gesagt…

Wie? Ist tatsächlich Anzeige erstattet worden?
Dann ab 3 Jahre ab mit ihnen in den Bau! Das Gesetz gibt's her. Thermometer hat es ja hier schon ausgeführt: http://kathermometer.blogspot.de/2012/08/das-urteil-gegen-pussy-riot-europaische.html

Und dann ist ganz schnell Ruhe.

Frater Sejunctus hat gesagt…

Ich finde es schwierig, hier angemessen als Kirche zu reagieren. Dass wir Christen nicht immer die volle Härte des Gesetzes aufmarschiert haben wollen, ist wohl klar. Andererseits gab es Zeiten, in denen sich ein gesetzgeber etwas dabei gedacht hat, öffentliche Religionsausübung jeder Art unter einen besonderen rechtlichen Schutz zu stellen - und wir können uns nicht wünschen, dass unsere Milde zum Anlass genommen wird, diesen Schutz weiter auszuhöhlen.

Cassandra hat gesagt…

Heute morgen beim Frühstück war ich mir noch sicher, dass wir mit dem Spass Zeit hätten bis Pussy Riot nach ihrer Entlassung auf Europa-Tour gehen, also so grobe 1 1/2 Jahre.

Aua.

mein Tipp: die Strafanzeige wird eingestellt wegen nicht Vereinbarkeit mit demokratischen Grundsätzen.

Anonym hat gesagt…

Jawohl! Gut gebrüllt, Löwe!
Wir brauchen ganz dringend ganz
viele Abraham a Sancta Clara- Nachfolger, die ein sehr deutliches Wort sehr deutlich den
Menschen zu sagen wagen - zu deren
eigenen Nutz und Fromm!
Es langt!

Helene

antifo hat gesagt…

@Frater Sejunctus

Das weltliche Recht hat ebenso seine Berechtigung wie das kirchliche. Es kann gar keine Probleme geben, solange man beides achtet.

Das Urteil in Moskau wurde von einem weltlichen Gericht und nicht von der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK) gesprochen. Trotz gegenteiliger Darstellung in unseren Medien hat die ROK keinen Einfluß auf die dortige Rechtsprechung. Nach der Urteilsverkündigung hat die ROK für einen strafmildernden Gnadenakt plädiert. Vorher hätte sie das gar nicht tun können, weil Angeklagte vor der Verkündigung des Urteils noch als unschuldig zu gelten haben. Der Schuldspruch mußte also abgewartet werden. Wäre es zu keiner Anklage gekommen, dann hätte es auch kein Urteil zur Feststellung der Schuld gegeben.

Nun sagen viele, daß die Kirche doch Sünden vergeben kann und daß Christus zur Vergebung der Sünden gestorben ist. Das ist natürlich richtig. Die Vergebung der Sünden geschieht aber doch in der kirchlichen Sphäre. In der weltlichen Sphäre kann sie höchstens um einen Gnadenakt bitten. Das kann sie aber erst dann, wenn eine Schuld festgestellt, d.h. ein Urteil gesprochen wurde.

torquemada hat gesagt…

Ich unterschreibe jedes Wort, jede Silbe, jeden Buchstaben. Und ja sie sollen bitte verschwinden -für immer.
Aber da haben wir Hoffnung , sie die Atheisten, Humanistischen Unionisten, Neuheiden und einfach Idioten habe ihren Intelligenzmangel ja mit den Texten zum P.R.Urteil zur Genüge bewiesen, wobei die Kölner Aktionisten jede bisher bekannte untere IQ-Grenze unterschritten haben- aber sie sind ja auch strikte und stolze Vertreter von Verhütung und Abtreibung. Deshalb können wir hoffen, daß sie sich ganz freiwillig und ohne fremdes Zutun aus dem Gen-pool verabschieden und uns keine Nachkommen hinterlassen.

Frater sejunctus hat gesagt…

@ antifo

Aber es liegt doch in Moskau wie auch anderswo an den Christen, die dabei waren, vor Gericht als Zeugen zu bekunden, wie sie eine solche Störung erlebt haben und inwieweit sie sich in ihrem Glauben beleidigt oder attackiert gefühlt haben.

antifo hat gesagt…

@Frater sejunctus
Das müssen sie freilich tun. In Moskau waren es neun Kirchendiener, die als Nebenkläger auftraten:

http://www.interfax-religion.com/?act=news&div=9625

Vor allem die Kerzenverkäuferinnen in den orthodoxen Kirchen sind im Allgemeinen nicht zum Spaßen aufgelegt ...

Daß man bereit ist auch mal grimmig zu sein liegt wohl daran, daß es Regeln zum Verhalten in orthodoxen Kirchen gibt, deren Einhaltung von den Kirchendienern mehr oder weniger überwacht werden. Eine Frau mit kurzem Rock und leichtem Oberteil würden die gar nicht hineinlassen. In einem Kloster in Rostow (Oblast Jaroslawl) das ich 2010 besucht habe, mußten sich Frauen in Hosen eine Schürze umbinden, damit sie angemessen gekleidet sind. Die Schürze natürlich zusätzlich zum obligaten Kopftuch.

Hier übrigens der Blog der "mutmaßlichen" Straftäter von Köln:

http://parkgott-blog.de/

Jens hat gesagt…

"Aber da haben wir Hoffnung , sie die Atheisten, Humanistischen Unionisten, Neuheiden und einfach Idioten habe ihren Intelligenzmangel ja mit den Texten zum P.R.Urteil zur Genüge bewiesen, wobei die Kölner Aktionisten jede bisher bekannte untere IQ-Grenze unterschritten haben- aber sie sind ja auch strikte und stolze Vertreter von Verhütung und Abtreibung."

@torquemada.

Ich meine, wer so einen pauschalen Rundumschlag macht, der sollte sich erstmal um seine eigene Intelligenz sorgen machen.

LG
Jens

antifo hat gesagt…

Ich muß widerrufen: Für die Strafverfolgung wegen des Verstoßes gegen § StGB 167 sollte es keine Zeugen benötigen, die aussagen "inwieweit sie sich in ihrem Glauben beleidigt oder attackiert gefühlt haben".

In Moskau hat das wohl deshalb eine Rolle gespielt, weil neben Rowdytum (Artikel 213 2b) auch Anstachelung zu nationalem, rassistischem oder religiöser Feindschaft (Artikel 282) zur Debatte stand. So habe ich mir das jedenfalls zusammengereimt:

http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php?p=623283#p623283

Artikel 282 ist härter, das ist quasi die Entsprechung zu unserem § StGB 130. Diese "sieben Jahre Haft" waren die gesetzliche Höchststrafe für 213 und 282. Von Artikel 282 war in den Berichten über das Urteil aber nirgendwo die Rede.

Zeugen für die in § StGB 167 genannten Tatbestände braucht es freilich immer noch. Das sollte aber eigentlich kein Problem sein.

IC XC + NIKA

torquemada hat gesagt…

@jens
darf ich daraus schließen, daß Sie die "Handlungen" im Kölner Dom für intelligent halten und die nachher abgegebenen Erklärungen für ein Zeichen differenzierten Denkens?
Wer andere belehren will- wie Sie -sollte vielleicht auf "du bist ja selber x...y...- Argumentationen verzichten?

Sursum corda hat gesagt…

@Alipius: Ganz herzlichen Dank für diese klaren Worte!