Mittwoch, 8. August 2012

"Hallo Face! Darf ich vorstellen: Palm!"

Nachdem Präses Schneider gestern bereits von Nadja Drygalla Reue forderte, will heute das Innenministerium ein Demokratiebekenntnis im Sport...


Denn dann sind alle doppelt glücklich (also, zumindest all jene, die in den letzten Tagen über Drygalla die Nase gerümpft haben, sich mit gesprochen oder geschriebenen Äußerungen ein wenig Antifa-Wohlfühlduft ins Haus und den Beglaubigungsstempel in den Citoyen-Paß geholt haben): Zuerst eilt man geschwind auf die Seite der Erschüttertern, Betroffenen und Empörten, und dann macht man den verbalen Kniefall vor dem Götzen "Demokratie" *.

Das muß doch einfach reichen, oder?


"Klar reicht das! Dafür stehe ich mit meinem guten Namen!"


Ähh...


Sorry...


"Klar reicht das! Dafür stehe ich mit meinem guten Namen!"
__________

* DISCLAIMER: Nein, ich bin kein Gegner der Demokratie, aber als Katholik bin ich ein Gegner der Demokratie als Heilsbringer und Götze.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Wenn die Behandlung von Frau Drygalla denn demokratisch wäre! Ist sie aber nicht. Denn ihr ist keine Straftat, auch nicht die Begünstigung von Straftaten, nachgewiesen worden. Man muß Frau Drygalla nicht sympathisch finden, man darf kopfschüttelnd vor ihrer Partnerwahl stehen, man darf sie sogar für eine Schnepfe halten - aber man darf sie nicht bestrafen für etwas, was sie nicht getan hat. So geht Demokratie.

kalliopevorleserin hat gesagt…

Und vor diesem Hintergrund wäre ein Bekenntnis zur Demokratie auch vom IOC wirklich nicht verkehrt.
Übrigens - gibt es irgendeinen Menschen, den man nicht zu Reue und Umkehr aufrufen soll?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Fischer! Gibts den auch noch, den armen Prügelknaben?

Warum soll man sich eigentlich dauernd zur Demokratie bekennen? Wo finde ich die denn?

Alipius hat gesagt…

@ Claudia: "gibt es irgendeinen Menschen, den man nicht zu Reue und Umkehr aufrufen soll?" Natürlich nicht. Aber es ist doch ein Unterschied ob man allgemeingültig alle Menschen an Umkehr und Reue erinnert oder ob man sich zu genau diesem Zeitpunkt genau diese Person rauspickt.

kalliopevorleserin hat gesagt…

@Alipius: Genau das mein ich ja. Abgesehen davon ist gar nicht klar, ob Frau Drygalla nicht viel eher das Verdienst hat, ihren Freund langsam aber sicher von den Nazis wegzuholen. Und das müßte sie wahrlich NICHT bereuen.

Ester hat gesagt…

Whow, Alpius Respekt toller Post!

Alipius hat gesagt…

@ Claudia: Ach so! Ich hatte Deinen Ironie-Modus nicht erkannt, sorry ;-)

Wäre wirklich ein Ding, wenn Drygallas Freund durch die Freundschaft zu ihr aus dem Sumpf rauskäme!

@ Ester: Danke!

Alex hat gesagt…

Es ist eine listige Strategie der Verteidiger von Menschenwürde und demokratischem Rechtsstaat, beides abzuschaffen bevor deren Feinde es tun. Ich habe es gewagt, im Kommentarbereich einer großen Zeitung darauf hinzuweisen, dass es durchaus denkbar wäre, dass sich eine 19 Jährige in einen Vereinskollegen verknallt, und zwar trotz seiner ziemlich unangenehmen politischen Ansichten. Das wurde aber als Romantizismus, Relativierung von Rassismus, oder gleich als krude, braune Brühe abgetan. Auch dass der Typ als Mensch vieleicht sogar sympathische Eigenschaften haben könnte, wurde als absurd bezeichnet. Ein Nazi ist ein Nazi, sonst nichts. Gott sei uns gnädig, in dieser Gesellschaft wird Barmherzigkeit langsam zum Mangel an Charakter und aufrechter Gesinnung.

U. P. hat gesagt…

Würd mich mal interessieren, wie der Präses (!) einer großen deutschen Glaubensgemeinschaft zu seinen "Sünden" - Diagnosen und "Katechesen" gegenüber einer Frau kommt, über die er nicht mehr weiß, als was in manchen Zeitungen gemutmaßt wird.
Muß man, um seine Mißbilligung rassistischen Denkens wirksam in die Presse zu bringen, sich der medialen Hetzjagd auf eine Sportlerin bedienen und solches aufspringen noch mit einem Bibelspruch "heiligen"? Um erst als Richter und dann als barmherziger Verzeiher des eigenen Urteils aufzutreten?