Freitag, 10. August 2012

Ganz simpel, lieber Herr Bielefeldt:

Gerecht ist, wenn das, was nicht gleich ist, nicht gleich behandelt wird.

Ein Mann, der 8 Stunden am Tag arbeitet, verdient gerechterweise mehr Geld, als ein Mann, der 3 Stunden am Tag arbeitet. Eine Frau, die den Speer 70 Meter weit wirft, steht gerechterweise auf dem Siegertreppchen höher, als eine Frau, die den Speer 62 Meter weit wirft. Ein Schüler, der 48 von 50 Testfragen richtig beantwortet, bekommt gerechterweise eine bessere Note, als ein Schüler, der 31 von 50 Testfragen richtig beantwortet.

Geschlechtergrechtigkeit kann somit nur dort herrschen, wo man nicht so tut, als seien Frauen Männer (und umgekehrt).

Daß Chancengleichheit gerecht ist, sei hier nicht bestritten. Aber niemand wird fordern, daß ein Mann die gleichen Chancen haben sollte, ein Kind zu gebären, wie eine Frau. Und wer die kirchlichen Dokumente gelesen und verstanden hat, wird nicht fordern, daß eine Frau die gleichen Chancen haben sollte, Priester zu werden, wie ein Mann.

Kommentare:

ultramontanus hat gesagt…

Eine Frau, die den Speer 70 Meter weit wirft, steht gerechterweise auf dem Siegertreppchen höher, als eine Frau, die den Diskus 62 Meter weit wirft? ^^

Alipius hat gesagt…

@ ultramontanus: Wollte nur testen, ob alle das Posting auch aufmerksam lesen ;-)

Fehler wird korrigiert, danke für den Hinweis!

Anonym hat gesagt…

... wird nicht fordern, daß eine Frau die gleichen Chancen haben sollte, Priester zu werden, wie ein Mann.

Warum? Weil sie es genau so wenig KANN, wie ein Mann Kinder gebären kann? Oder eher doch, weil sie es nicht DARF?
Fragt sich wie lange noch.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Nochmals: Kirchliche Dokumente... -> Lesen... -> Verstehen...

Cassandra hat gesagt…

ich weiss nicht, ob man das tun sollte oder nicht, aber:
es scheint Leute zu geben, die der Ansicht sind, dass manche Männer halt Kinder bekommen können.
http://missy-magazine.de/2012/08/02/alle-jahre-wieder-billy-beim-gynakologen/

"dass manche Männer ihre Periode bekommen"... dabei fehlen mir die Worte. Männer bekommen ihre Regel genausowenig wie sie schwanger werden.

(sollte das hier total unpassend sein, bitte löschen! Aber das las ich letztens und kam mir in den Sinn als ich las, dass Männer keine Kinder gebären können)

Anonym hat gesagt…

Das Gerede über "Priesterinnen" geht mir langsam auf Nerven. Wenn Jesus welche gewollt hätte, hätte er ganz sicher vor zweitausend Jahren einen Weg gewußt, wo ihm doch immer das Etikett Sozialrevolutionär angeheftet wird und Priesterinnen in der Antike nun gar nichts ungewöhnliches waren.

Chrysostomos hat gesagt…

Zwar bin ich in liturgischen Dingen ziemlich konservativ. Jeder liturgische Tanz und anderes Ringelpietz mit Anfassen ist mir zuwider - ebenso selbstgestrickte Hochgebete. Und versus crucem finde ich nicht zu toppen.
Bei der Frauenordination erlaube ich mir allerdings eine andere Meinung. Ich würde für die Frauenordination zwar nicht kämpfen, das Thema brennt mir gar nicht auf den Nägeln, aber ich kann die Argumente dagegen nicht so recht nachvollziehen. Meines Dafürhaltens nach liegt die ganz grundsätzliche Begründung des Weihepriestertums in der MENSCHwerdung Gottes. Jesus Christus ist als Gott UND Mensch der eigentliche und einzige Hohepriester. Und in dieser MENSCHwerdung liegt unsere Erlösung begründet, wie ebenso das Weihepriestertum. Kein Mensch führt die Menschwerdung Gottes auf seine Mannwerdung hin eng. Denn das würde bedeuten, daß nur Männer erlöst sind. "Was nicht angenommen ist, ist auch nicht erlöst", lehrt schon die Alte Kirche. Die Mannwerdung scheint also hinsichtlich unser aller Erlösung nicht relavant zu sein. Warum ist sie das aber für die Frage der Weihe?
Die Verweigerung der Frauenordination impliziert nach meinem Dafürhalten die Frage nach der Erlöstheit der Frau, wenn man das mit aller Schärfe zu Ende denkt.
Die orthodoxe Kirche begründet meines Wissens ihre derzeitige Ablehnung der Frauenordination daher gerade nicht mit dem Mann-Argument Jesu, sondern lieber soziologisch, nämlich, daß eine solche Änderung bei den Gläubigen ganz erhebliche Irritationen - bis hin zum Schisma- auslösen würde. Das halte ich für schlüssiger. Im Übrigen hat der hl. Nektarios von Ägina 1911 zwei Nonnen zu Diakoninnen geweiht, damit man in diesem abgelegenen Kloster weniger auf männliche Kleriker angewiesen war, welche sich die Reise dorthin nur ungern antaten. Seiner Heiligsprechung hat das nicht geschadet. 2004 sprach sich die Synode der orthodoxen Kirche in Griechenland für die Wiederbelebung des Diakonats für Frauen aus und stellte es jedem Bischof frei, dies in seiner Diözese in die Praxis umzusetzen. Damit hat man für die Priesterinnenweihe allerdings schon einen Fuß in der Tür.

Alipius hat gesagt…

@ Chrysostomos: Ich verstehe die Einwände, bin mir aber nicht sicher, ob man die Denkrichtung nicht ebenso umdrehen und daher fragen kann: Läßt sich aus der Tatsache, daß die Erlösung sowohl Männern als auch Frauen offensteht (was, denke ich, niemand ernsthaft bestreiten will) ableiten, daß sowohl Männer als auch Frauen in persona Christi am Altar agieren können?

Anonym hat gesagt…

Der Unterschied - Männer können keine Kinder kriegen = biologisches Faktum.
Frauen dürfen keine Priester werden = Entscheidung eines Männernetzwerks, unter Berufung auf den guten alten Slogan "Gott will es!". Die sind ja in der Regel nicht so arg scharf darauf, Konkurrenz zuzulassen.