Mittwoch, 1. August 2012

"Ekelerregend"...

Michelle Martin, die Ex-Frau und Komplizin des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux, wird nach 16 Jahren Haft unter Auflagen wegen guter Führung vorzeitig entlassen und wird zur Resoziaisierung in ein Kloster im Süden von Belgien aufgenomen, wie die WELT berichtet.

Kath.net informiert weiter, daß es sich um ein Klarissenklostern hadelt und schreibt:
    Eine der Auflagen des Gerichts für Martin ist, dass sie bei den Klarissen in Malonne Unterschlupf findet. Für die Ordenfrauen sei Martins Bitte um Aufnahme in das Kloster eine «Herausforderung gewesen, aufgewühlt wie wir waren durch den furchtbaren Schmerz der Opfer und ihrer Familien», schreibt die Äbtissin. Sie hätten das Anliegen mit einer großen Offenheit untereinander diskutiert. Letztlich sei es darum gegangen, wie man den Glauben, das Anliegen Martins und die Qualen der Opfer vereinbaren könne. Man habe beschlossen, beide Leiden anzunehmen.
Ich habe natürlich keine Ahnung, was Martin getan hat, um die frühzeitige Entlassung zu rechtfertigen. Ich weiß auch nicht, was im Moment in ihrem Kopf vorgeht und wie sie gedenkt, mit ihrer Schuld umzugehen.

Aber ich weiß, wo ich nachschauen muß, wenn ich eine Antwort auf die Frage suche: "Was bleibt eigentlich von unserer Gesellschaft übrig, wenn sie sich von Gott verabschiedet und das Feld den aufgeklärten, säkularen Menschenfreunden überläßt?"

Die Antwort lautet: "Wissen über Konzepte wie 'Reue' und 'Vergebung' wohl nicht, aber dafür ziemliche Klarheit, wenn's um die Frage geht, was genau 'Menschlichkeit' ist!" und man findet sie z.B. im Kommentarbereich des WELT-Artikels:
    ekelerregend! wie kann das, zum einen, rechtlich möglich sein? und zum anderen: was ist das für eine organisation, die einen solchen menschen in ihre gemeinschaft aufnimmt? aber es wurde ja schon so oft gezeigt, dass religiösität nichts mit menschlichkeit und einem entsprechenden verstand zu tun hat.
Ja, danke, "Enterl"! Du hast es echt kapiert!

Total unmenschlich, eine Schwerstverbrecherin nicht auf dem elektrischen Stuhl brutzeln sehen zu wollen (Kommentator Morcar: "Haben die nicht 2 Kinder absichtlich beiom Prozess im Kerker verhungern lasen? Freilassung.......? E-Stuhl würde ich sagen."), sondern sich mit solchem Abfall abzugeben, das Leiden anzunehmen und gewisse Dinge Gottes Händen zu überlassen anstatt Martin den Hinterbliebenen der Opfer auszuliefern (Kommentaor Andy_law: "Wird diese Best.. ähm Frau dann in dem Kloster extra bewacht? Also wenn ich der Vater der ermordeten Kinder wäre würde ich schon sehr bald dem Kloster einen besuch abstatten.").

Keine blutige Selbstjustiz? Keine Todesstrafe? Möglichkeit zur Umkehr und zur Buße? Risiko einer Konfrontation mit dem Leid und Aufarbeitung desselben anstelle von Totschlagen und Totschweigen? Mann! Auf so kranken Kram können echt nur religiöse Menschen kommen!

Gott schütze uns vor einer gottlosen Gesellschaft!

Kommentare:

Cicero hat gesagt…

Das ist eigentlich unglaublich.

Mein erster Gedanke war:
Ist ja logisch, die Frau hat schwere Schuld auf sich geladen. Im Gefängnis ist sie zu Erkenntnis und Einsicht gelangt, so beabsichtigt sie jetzt ein Leben als Büßerin zu führen.

Chapeau!

"Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren." (Lk 15,7)

Also eigentlich eine gute Nachricht.

Die zitierten Kommentare sind aus dem tiefsten und schwärzesten Gruselkabinett der angeblich so modernen, humanen Gesellschaft. *schauder*

Papsttreuer hat gesagt…

Wenn ich darf, würde ich gerne meinen Beitrag zu dem Thema hier posten - Umkehr fordert nicht nur den Betreffenden sondern uns alle als Gesellschaft. Und für alle Beteiligten, Opfer, Täter, die Schwestern und auch für unsere eigenen Umkehr müssen wir beten!

http://papsttreuer.blog.de/2012/08/01/umkehr-14335404/

Anonym hat gesagt…

Es stellt sich die aber schon die Frage, warum sie der belg. Staat nicht in eine eigene institution aufnimmt. Würden die Nonnen auch eine einfache Obdachlose aufnehmen?

Meckiheidi hat gesagt…

An dieser Stelle möchte ich auf eine Meditation der Klarissen Paderborn hinweisen, die ich auf unserem Blog http://wegkreuze.blogspot.de/ verlinkt habe:

http://www.youtube.com/watch?v=0hhUkT0Oi8w

Man kann in aller Stille die Bilder betrachten und sich Gedanken machen zu allem, was oben geschrieben wurde. Ich finde, Gott hat uns durch Jesus klar gesagt, was er von uns will. Die Klarissen versuchen, Gottes Willen zu erfüllen. Und ich bin sicher, sie würden auch eine Obdachlose aufnehmen.

ultramontanus hat gesagt…

Dazu hat der olle Chesterton mal was geschrieben: *klick*

KingBear hat gesagt…

In Berlin hatten wir im letzten Herbst einen vergleichbaren Fall, auch wenn er - was die Schwere des in Frage stehenden Verbrechens betrifft - "ein paar Nummern kleiner" war. Damals ging es um die Frage, ob ein 18jähriger Gymnasiast, der wegen versuchten Mordes angeklagt war und die Tat gestanden hatte, weiter zur Schule gehen dürfe, zw. wenn ja, dann an welcher Schule. Aufgenommen wurde er dann an einem katholischen Gymnasium; die Reaktionen in der Öffentlichkeit, und zum Teil auch in meinem persönlichen Bekanntenkreis, waren den jetzigen nicht unähnlich. Ich habe seinerzeit über den Fall gebloggt - nachzulesen hier:

http://mightymightykingbear.blogspot.de/2011/09/dass-ich-das-noch-erleben-darf-berliner.html

Grüße

KingBear (alias Monsignore Corpasini)

Katholisch Bloggen hat gesagt…

Auf den ersten Blick hin habe ich auch alttestamentlich reagiert, Aug' um Auge… Doch gerade in diesem Punkt hat uns Christus ja eine neue Botschaft gebracht (ich aber sage euch!). Gerade dieses Jesuanische ist es, das das Christentum im Alltag zu leben manchmal schwer macht.