Montag, 16. Juli 2012

Vater? Vater!

Bei Elsa taucht im Kommentarbereich dieses Postings ein altes Problem auf: Wie schlimm auf einer Skala von "superschlimm" bis "megaschlimm" sind eigentlich die schlimmen Katholiken, die es wagen, ihre Priester "Vater (Padre, Father, Pere...)" etc zu nennen, obwohl Jesus doch folgendes sagte:
    Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.
    (Mt 23,9)
Das, was eine Sache ist, ist wahrer und wirklicher als das, was eine Sache genannt wird. Ein Apfel IST wirklich ein Apfel, auch, wenn ich ihn "Birne" nenne. Wenn ich andererseits einen Apfel einen Apfel nenne, so macht das den Apfel nicht noch ein klein wenig mehr zum Apfel. Ein Apfel ist und bleibt Apfel, ob ich ihn nun so nenne, oder nicht.

Jeder Mensch, der geboren wird, hat einen leiblichen Vater. Das war schon zu Jesu Zeiten so, und das hat Jesus auch gewußt. Und jedes Kind nennt seinen leiblichen Vater "Vater". Auch das war zu Jesu Zeiten so, und auch das hat Jesus gewußt.

Somit IST der Mann, dem ich mein Leben zu verdanken habe, ein Vater, ob ich ihn nun Vater nenne, oder nicht. Jesus weiß, daß Menschen Väter haben (daß es also Männer gibt, die Väter SIND), und er will mit seinen Worten sicherlich nicht diese biologische Tatsache leugnen.

Wenn Jesus nun aber sagt, daß nur einer unser Vater IST, dann muß die Wahrheit und Wirklichkeit dieses einen Vaters eine ganz andere sein, als die Wahrheit und die Wirklichkeit des leiblichen Vaters.

Und natürlich ist sie das: Wie in so vielen Dingen, partizipieren wir auch in der Beziehung Vater - Kind nur an der schon immer bestehenden Beziehung Vater - Kind (in diesem Falle Sohn), die in der Heiligen Dreifaltigkeit herrscht. Ebenso, wie wir nur sind, weil Gott ist, so haben wir auch nur darum einen Vater, weil Gott Vater ist.

Was Jesus mit seinen Worten ausdrücken möchte ist nicht: "Es ist nur einer euer Vater, und euch hat alle der Storch gebracht!"

Stattdessen möchte er sagen: "Nur der Vater im Himmel ist wahrhaft und wirklich Euer Vater. Ich weiß zwar, daß ihr auf Erden alle einen Vater habt, aber ihr sollt ihn nicht auf die Art 'Vater' nennen, wie es eigentlich nur eurem Vater im Himmel gebührt, denn dieser Vater im Himmel ist es, von dem alle anderen Väter ihren Namen haben!" Wir sollen die Existenz unserer leiblichen Väter nie die Tatsache verdunkeln lassen, daß wir alle nur einen wahren und wirklichen Vater haben und somit alle Brüder und Schwestern sind.

Und wie verhält es sich nun mit den Männern, die nicht unsere leiblichen Väter sind, die wir aber trotzden Vater nennen? Genauso. Wir sollen weder einen Priester noch den Papst auf die Art "(Heiliger) Vater" nennen, wie es eigentlich nur Gott gebührt. Wir sollen nie menschgemachte Ehren und Titel die Tatsache verdunkeln lassen, daß nur einem wahrhaft und wirklich Ehre gebührt.

So verstehe ich zumindest diese Worte Jesu, und ich bin mir ziemlich sicher, daß jeder andere Katholik, der - wie ich - seinen leiblichen Vater "Vater" und den Papst "Heiliger Vater" nennt, sich durchaus bewußt ist, daß der eigentliche und wahre und wirkliche Vater jener ist, der im Himmel thront.

Ihr könnt also die Grimassen des Entsetzens entspannen und Entwarnung blasen: Wir Katholiken sind nur superschlimm und nicht megaschlimm.

1 Kommentar:

chiqitac hat gesagt…

Interessant. Ich persönlich beichte zum Beispiel lieber auf englisch (bzw. bei einem englischsprachigen Priester)- wegen des Beginns: "Bless me, Father, for I have sinned". Dieses "Father" ist zwar zunächst an den Priester gerichtet (und bereits in dieser Bedeutung wunderschön), dann aber (in meiner Empfindung) auch ganz klar der Verweis auf den Himmlischen Vater und mein Schuldbekenntnis meinem Gott gegenüber.
Diese "Doppelbelegung" im Englischen macht mir persönlich viel klarer, dass der Priester iin der Beichte in persona Christi handelt.