Dienstag, 24. Juli 2012

Lebensschutz...

Für mich als Katholiken bedeutet "Lebensschutz" zuerst einmal einfach nur das: Lebensschutz. Ich möchte das Leben schützen. Ich möchte selbst niemals ein Leben beenden, nicht aus Versehen und schon gar nicht absichtlich. Ich möchte auch kein Leben gefährden.

Ich gehe aber noch einen Schritt weiter: Ich möchte auch nicht, daß andere Leute ein Leben beenden. Ich möchte nicht mal, daß andere Leute ein Leben andötschen durch Folter oder Qualen oder unnötige und überzogene Gewalt (wer jetzt fragt, ob es denn überhaupt nötige bzw notwendige Gewalt gibt, dem antworte ich mit: "Yup!"; nämlich Selbstverteidigung, wie in diesem Artikel geschildert).

Und wenn ich "Leben" sage, dann spreche ich natürlich vom menschlichen Leben vom Zeitpunkt der Empfängnis bis zum Tod.

Daß das menschliche Leben grundsätzlich schützenswert ist, da dürften sich die meisten Leute wohl einig sein. Selbst irgendwelche linksautonomen Pausenbrote mit ihrem "Hätte Maria abgetrieben..."-Gesülze sind sicherlich der Meinung, daß man das Leben eines anderem Menschen mindestens nicht gefährden, wenn nicht gar schützen sollte. Sie sind eben nur der Meinung, daß das Leben erst irgendwann nach der Befruchtung beginnt. Oder vielleicht sind sie eigentlich der Meinung, daß man ihnen nicht das Vergnügen an gelegentlichem Sex versauen sollte, indem man sie dazu zwingt, die Konsequenzen zu tragen. Vielleicht sind sie auch der Meinung, daß Nazis total Scheiße sind, und irgendwo auf "Indymedia" oder an einer Hauswand in Berlin stand doch mal, daß Lebensschützer und Nazis voll unter einer Decke stecken. Vielleicht sind sie auch der Meinung, daß Hexenverbrennungen und Kreuzzüge echt nicht gehen und man sich daher demonstrativ von allem zu distanzieren hat, was mit der katholischen Kirche zusammenhängt, damit man in seiner Clique relevant und glaubwürdig bleibt. Keine Ahnung. Egal...

Warum möchte ich das Leben schützen? Weil es meiner "Ideologie" entspricht? Weil der Papst gesagt hat, daß ich es tun soll? Weil ich sonst in der Blogoezese unangenehm auffalle? Antwort: Dreimal "Nein!"

Ich möchte das Leben schützen, weil ich erkenne, daß Gott an jedem einzelnen Menschen das getan hat, was er an mir getan hat: ER hat ihnen zu Beginn ihres Lebens ein leeres Buch in die Hand gedrückt, dessen Titel "Mein Leben" lautet. Dann hat ER noch einen Kuli springen lassen und gesagt: "Schreib dauflos!"

Erstens: Ich bin doch nicht bekloppt und klaue einen Kuli, den Gott geschenkt hat!

Zweitens: Weil hier von Gott und vom Wunder des Lebens die Rede ist (zumindest ist das Leben für mich ein Wunder), stört es mich auch nicht, daß in allen Büchern der erste Eintrag so ziemlich der Gleiche ist: "Tag 1: Ich bin eine Zygote! Langweilig..."

Drittens: Wenn ich in meinem Leben auch nur eine begrenzte Anzahl anderer Leben kennenlernen kann, so weiß ich doch aufgrund der gesammelten Erfahrungen, daß überall auf der Welt der abgegriffene Satz gilt: Jedes Leben ist einzigartig! Wenn man es läßt...

Kommentare:

Cassandra hat gesagt…

Darf ich dazu eine Anmerkung machen bzw eine Frage stellen?

Was oder wann ist Empfängnis?

Ich bin mit einem Biologen verheiratet. Und wir haben das Thema ein paar mal durchgesprochen.
Biologisch gesehen gibt es zwei Momente, in denen man sagen kann "da ist JETZT was anders als vorher". Das eine ist die Befruchtung, das andere die Einnistung. Alles andere, Organentwicklung usw, sind langsame Prozessse.

Was will ich damit sagen?
Empfängnis ist, wenn der Körper der Frau das Kind "empfängt", also aufnimmt. Die Einnistung also.
Leben war da aber schon vorher, denn sonst würde auch nichts aufgenommen werden.

Ich finde den Begriff Empfängnis zwar wundervoll altmodisch, aber auch verwirrend.

Was ist damit denn theologisch gemeint?

Die Pimpfe hat gesagt…

@ Cassandra: Theologisch ist damit die Befruchtung gemeint.

Alipius hat gesagt…

@ Cassandra: Was die Pimpfe sagen!

@ Pimpfe: Wow! Da hat aber jemand seine Hausaufgaben gemacht!

Cassandra hat gesagt…

Alles andere macht ja auch keinen Sinn, aber missverständlich ist es trotzdem.

Cassandra hat gesagt…

"Selbst irgendwelche linksautonomen Pausenbrote"

Ich hab letztens mit einem "linksautonomen Pausenbrot" länger über die Frage geredet und am Ende verstand er, was ich meinte. Ob er deswegen übermorgen gegen Abtreibung demosntriert weiss ich nicht, aber:
zuhören, auf Argumente eingehen und die eigene Sicht freundlich und sachlich darlegen hilft.
Menschen muss man manchmal nehmen wie sie sind.
Ein paar Tage später meinte er "ich könnt' ja durchdrehen wenn Schwangere rauchen. Echt ey"
das war für ihn eine ernste Gefährdung des Kindes und ging total nicht. Abersowasvonaberauch. Er war sich nicht so sicher wie er mit ihr drüber reden sollte.

Fazit: alle bleiben cool und sehen im anderen nicht den politischen Gegner, der die Weltherrschaft erringen will, sondern erst mal einen Menschen. Dann klappt das. Zumindest manchmal.

Gerd hat gesagt…

>>Fazit: alle bleiben cool und sehen im anderen nicht den politischen Gegner, der die Weltherrschaft erringen will, sondern erst mal einen Menschen. Dann klappt das. Zumindest manchmal.<<

@Cassandra

Meine Erfahrung ist, dass es "immer" klappt, wenn man die "Pausenbrote" unter vier Augen spricht. Jeder ist offen für Argumente, wenn der Gegenüber erfährt, dass seine Mutter ihn während der Schwangerschaft schon als "mein" Kind bezeichnet hat und nicht als "mein" Zellklumpen reicht das in den meisten Fällen als Argument schon aus.

Cassandra hat gesagt…

Sein grösstes Problem war, dass es in der Selbstbestimmungsrecht der Frau eingreift.

Das erkannte ich als Argument an und sagte, dass die Abtreibung in das Selbstbestimmungsrecht des Kindes eingreife, hier also 2 Übel gegeneinanderstehen, das eine permanent (Tod), das andere vorübergehend, und dass es deswegen die für mich schlüssige Entscheidung wäre, das kleinere, also vorübergehende Übel, zu wählen.

Kurzes Überlegen: "stimmt!"
das hatte ihm anscheinend noch niemand zu Denken gegeben.

Anonym hat gesagt…

Wenn Ihr das Leben schon so ungemein respektiert, wäre es nett (und glaubwürdiger), von Lebenden nicht als "Pausenbrote" zu reden, ob links-, rechtsautonom, christlichkonservativ oder aktiv im Fußballverein.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Ach herrje! Da hat sich aber jemand bemüht, das Haar in der Suppe und die Leiter zum moralischen Hochsitz zu finden! Okay, dann laß ich "Pausenbrot" halt und wechsele ich wieder zu "Troll"...

Gerd hat gesagt…

@Anonym

>>Wenn Ihr das Leben schon so ungemein respektiert, wäre es nett (und glaubwürdiger), von Lebenden nicht als "Pausenbrote" zu reden<<

Das ist im Grunde genommen richtig. Diese Sicht der Dinge kann sich aber ändern, wenn man mal an einem Schweigemarsch gegen Abtreibungen teilnimmt. Was einem als Abtreibungsgegner da so an den Kopf geworfen wird, ist jenseits aller Vorstellungskraft und hier so nicht zu zitieren. Aber ich gebe dir recht: Die Bezeichnung Pausenbrot ist respektlos und sollte, wenn überhaupt nur in Anführungszeichen genutzt werden.

Anonym hat gesagt…

@ Alipius,

nein, das hier ist nicht irgendein unwichtiges Haar in der Suppe. Wenn man - wie Ihr - den Anspruch erhebt, sich moralisch "besser" zu verhalten als die anderen, dann sollte man auch in kleinen, alltäglichen Haltung beweisen. Ich kann nicht Respekt vor dem Leben predigen und dauernd mein kleines Kind anschreien. Ich kann nicht Respekt vor dem Leben predigen und halbangebissene Wurstbrote einfach so wegwerfen. Ich kann nicht Respekt vor dem Leben predigen und Leute, die zufällig nicht meiner Meinung sind, abwerten. Ob man Respekt vor dem Leben hat, zeigt sich nicht beileibe nicht daran, ob man auf einen "Marsch für das Leben" geht, sondern wie man im Alltag handelt. Wenn man sich die Haltung nur für die Demo aufhebt, wird man ganz schnell unglaubwürdig.

Genauso übrigens wie Leute, die im Namen von Freiheit und Toleranz unsägliches Zeug wie "Hätt Maria abgetrieben..." skandieren. Die sind für mich innerhalb von Sekunden keine Gruppe, deren Haltung ich mich anschließen kann, selbst wenn wir bei den "großen Fragen" übereinstimmen würden. Ich kann es nicht leiden, wenn sich jemand im Bewußtsein, auf der "richtigen Seite" zu stehen, danebenbenimmt.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Ich habe noch nie ein kleines Kind angeschrieen. Ich habe noch nie ein halb angebissenes Wurstbrot weggeworfen. Und ich werte Leute nicht ab, in dem ich sie "Pausenbrote" nenne. Nich, weil Pausenbrote an sich wertvoll sind (Das sind sie), sondern weil eigentlich jedermann soviel Phantasie haben sollte zu wissen, daß jemand, der sich für das Leben einsetzt, dies auch dann ernst meint und im Alltag praktiziert, wenn er mal durch Idiotie zur Rage getrieben wird und sich einen alternativen Begriff zur Bezeichnung der Gruppe ausdenkt, die ihn in Rage getrieben hat.

Die im ersten "Wenn..."-Kommentar implizierte Gleichung "Du setzt dich nicht wirklich für das Leben ein, weil Du Leute Pausenbrote nennst" ist jedenfalls für mich nach wie vor mit ihrem dramatischen Appell an die korrekte Anrede "Lebender" schlicht übertrieben und komödiantisch.

Das mögen andere anders werten, was erstens selbstverständlich ihr gutes Recht ist und weswegen wir hier zweitens nicht mehr allzuviel Zeit und Nerven verschwenden sollten.

Anonym hat gesagt…

@ Alipius

Finde ich toll, ich oute mich hiermit, schon mal ein kleines Kind angeschrien zu haben. Naja, mittelgroßes Kind.

Anscheinend kann ich mich hier nicht richtig verständlich machen, aber sei's drum ,nochmal, die Sache liegt mir nämlich am Herzen.

Es hinterläßt einen sehr üblen Nachgeschmack bei mir, wenn jemand, der offiziell in den Ganz Großen Fragen der Menschheit auf der Seite Gottes Himself steht und damit das WahreGuteSchöne per se vertritt nicht schafft, in kleinen Dingen ähnlich erhaben zu handeln. Okay, wir sind alle Sünder. Ja, ab und zu rutscht einem reflexartig vielleicht mal ein saudummer Wortbeitrag raus. Aber ob man in seinem Blog andere Leute "Pausenbrote" nennt, weil deren Meinung einem nicht so liegt, hat man sehr wohl selbst in der Hand.
Und JA, "Pausenbrote" ist abwertend (und war ja nicht als Kompliment gemeint) - und damit nimmt sich Alipius die Chance, zu erkennen, was "Pausenbrot" und "Alipius" auf den unterschiedlichen Seiten verbindet. Und ohne dieses Verbindende kann's keine Diskussion und keine Annährung geben. Und wenig Möglichkeiten zu Überzeugen, wie Cassandra oben ja klar machte. Die ging ja auch respektvoll auf ihr Gegenüber zu, beide Seiten entdeckten Verbindendes und sie hatte ja auch einen gewissen Erfolg.

Im Übrigen hoffe ich, Alipius, dass Sie und Ihre Mitstreiter es nicht bei Lippenbekenntnissen und Demobesuchen bewenden lassen. Ich hatte vor vielen Jahren keine Abtreibung, als es wirklich die pragmatische, plausibelste Lösung gewesen wäre und weiß sehr genau, was das für einen endlosen Rattenschwanz von langjährigen Problemen nach sich ziehen kann. Da ist es lieb, wenn einer auf eine Respekt-vor-dem-Leben-Demo geht, aber wenn er mir dann nicht erzählen kann, WAS er konkret tut, um dem dann doch geborenen Leben zu helfen, kann ich das nicht wirklich ernst nehmen.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Gut. Immerhin sind wir jetzt schon mal von den "Lebenden" weg und bei denen gelandet, die eine Meinnung haben, die "einem nicht so liegt". Das ist deswegen wichtig, weil ich noch nie einen Menschen "Pausenbrot" genannt habe, nur weil mir seine Meinung nicht liegt. Im Gegenteil: Im Alltag gehe ich mit solchen Situationen durchaus vernünftig um (siehe hier zum Thema "Meinung eines anderen Menschen und wie sehr diese Meinung mir nicht lag und wie ich damit umging"). Aber ich nehme mir auf meinem Blog die Freiheit heraus - grade, wenn ich damit niemanden direkt anspreche, sondern nur auf eine Idiotie reagiere - diejenigen "Pausenbrote" zu nennen, die eben nicht mit einer anderen Meinung kommen, sondern mit dumpfen Beleidigungen. Großer Unterschied!

Somit nehme ich mir auch nirgendwo eine Chance, denn die Gespräche (oder zumindest Gesprächsversuche) meinerseits mit Leuten der anderen Seite sind Legion und liefen - ebenfalls von meiner Seite - immer sachlich, respektvoll und vernünftig ab.

Somit könnte ich jetzt (da ich mich ja sehr gut kenne und weiß, wie ich in gewissen Situationen im Alltag reagiere) streng genommen sagen, daß ich die Kritik am "Pausenbrot" ebenfalls "nicht wirklich ernst nehmen" kann, weil hier einfach erstmal ein Vorwurf in den Raum gestellt wurde, ohne daß vorher das "beide Seiten Verbindende" gesucht wurde.