Dienstag, 31. Juli 2012

Interessante Entwicklung

In den USA nimmt der Chick-fil-a-Fall Fahrt auf.

Worum geht's genau?

Chick-fil-a ist eine US-amerikanische Restaurantkette, welche sich auf Hühnerfleischprodukte (Sandwiches, Salate, Wraps, Snacks) spezialisiert hat und - nach allem was ich gelesen habe - rasend gut ankommt, weil die Produkte prima schmecken und der Service exzellent ist. Chick fil a hat eine christliche Firmenphilosophie, was erstens dazu führt, daß sie von ihren Mitarbeitern viel erwarten, was die Einstellung gegenüber den Kunden betrifft und zweitens zur Folge hat, daß die Restaurants der Kette an Sonntagen geschlossen haben.

Im Januar 2011 wurde bekannt, daß Chick fil a Sandwiches und Brownies für ein Eheseminar zu Verfügung stellt, welches vom Pennsylvania Family Institute organisiert wurde, einer christlichen Gruppe, die sich offen und klar gegen gleichgeschlechtliche Ehen ausspricht.

Startschuß für eine Entrüstungs-Explosion in den Medien und im Internet. Anschuldigungen, Boykottaufrufe, Schimpfworte etc...

Chick-fil-a-Präsident Dan Cathy erklärte in einer Stellungnahme, daß in seinen Restaurants alle Leute mit Respekt behandelt werden, unabhängig von ihern Ansichten oder ihrem Glauben. Er erklärte auch, daß Chick-fil-a mit Hilf des karitativen Arms der Firma, der WinShape-Foundation, weiterhin finanzielle Mittel zur Unterstützung der traditionallen Ehe zur Verfügung stellen werde. Die Foundation organisiert Sommercamps für Kinder, unterhält 14 Waisenhäuser, bezahlt College-Stipendien und unterhält ein Zentrum für Ehe-Exerzitien.

Cathy hat kürzlich seine Einstellung zur Ehe in den Medien bestätigt. Und wieder gingen auf beiden Seiten die Emotionen hoch. Unterstützer organisierten für den 1. August einen Chick-fil-a-Appreciation-Day aus. Gegner rufen zum Boykott aud und drohen mit Protestaktionen. Der Bürgermeister von Boston sagte, daß er kein Chick-fil-a-Restaurant in seiner Stadt haben möchte und kündigte an, sich einer Eröffnung aktiv in den Weg zu stellen. Er machte jetzt einen Rückzieher, nachdem Medien ihm vorwarfen, Dan Cathy's Recht auf freie Meinungsäußerung zu mißachten.

Chicagos Bürgermsiter Rahm Emanuel steht weiterhin zu seinem Boykott und sagt, daß Chick-fil-a's Werte nicht die seiner Stadt sind. Die nicht unbedingt zu erwartenden aber dennoch interesasnten Reaktionen auf twitter gehen ungefähr in diese Richtung: "Hmm... Chick-fil-a wird aber auch echt Schwierigkeiten haben, wenn in ihren Restaurants pro Jahr Hunderte von Menschen Mord oder Totschlag zum Opfer fallen sollen oder wenn Hunderten von Mitarbeitern Bestechung nachgewiesen werden soll... Die Arbeitslosenzahlen in Boston und Chicago müssen großartig aussehen, wenn man Geschäfte aus der Stadt haben will... Hey! Wurden all die Toten auf Chicagos Straßen mit Chick-fil-a-Sandwiches erschlagen?"

Interessant auch, daß Dan Cathy nun sein Eintreten für die traditionelle Ehe vorgeworfen wird, während Obama 2008 mit genau diesem Versprechen sein Amt antrat.

Ebenfalls auf twitter muß Mia Farrow sich die ein oder andere Lektion in gesundem Menschenverstand geben lassen. Natürlich nicht von anderen Hollywood-Fingerpuppen, sondern von "einfachen" Leuten...

Ich bin gespannt, wie weit der Kampf um die Ehe das Land weiter spalten wird und welche Taktiken man sich auf dem Weg zum Ziel überlegt. Einen unangenehmen Nachgeschmack hinterläßt bei mir regelmäßig jeder Versuch, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu unterdrücken, egal von welcher Seite diese Versuche kommen.

Der Nachteil für die Unterstützer gleichgeschlechtlicher Partnerschaften: Je häufiger sie den Eindruck erwecken, daß ihre Causa eine Religion mit starken Tendenzen zur Verfolgung Andersdenkender ist, desto mehr werden sie zu dem, was sie eigentlich ablehnen, nämlich Religionen, die sie (angeblich) verfolgen.

Kommentare:

Geistbraus hat gesagt…

Abgesehen von der ganzen Homo-Geschichte, zu der sich natürlich jeder weitere Kommentar erübrigt: es ist aber doch schon arg puritanisch, sein Restaurant am Sonntag zu schließen?

In meiner bayerischen Heimat wäre ein Sonntag, an dem man nach der Sonntagsmesse nicht zum Frühschoppen gehen kann (und damit auch seiner Freude über die Auferstehung Ausdruck verleihen kann), kein richtiger Sonntag...

Alipius hat gesagt…

@ Geistbraus: Die Cathy-Familie kommt aus der Evangelical Southern Baptist-Ecke. Da kann ich mir das shcon vorstellen... (wobei ich auch die Frühschoppen-Variante eindeutig vorziehe)

just wondering hat gesagt…

Naja, für die USA, in der man als Arbeiter oder Angestellter so gut wie keine Rechte hat, ist das schon eine Revolution. Zumal Chick-fil-a das ausdrücklich macht, um ihren Mitarbeitern den Kirchgang zu ermöglichen.

Und mir stellt sich die Frage: Was meinen die Schwulenlobby-Verbände eigentlich, wenn sie das Wort "Toleranz" verwenden?

Chris Mirabilis hat gesagt…

Hab gerade auf der fb-Seite von Abby Johnson (die Pro-Liferin, die früher mal bei PP gearbeitet hat) ein Foto gesehen- sie war mit kleiner Tochter und Baby bei Chick-Fil-A und es war eine lange, lange, laaaaaaange Schlange da. Kommentare darunter sagten, daß das in den Filialen anderer Orte genauso aussieht. Die Boykottaufrufe führen also in vielen Gegenden dazu, daß die Leute jetzt erst Recht dort einkehren. Übrigens sollen die Arbeitsbedingungen auch unabhängig von der Sonntagsschließung gut und familienfreundlich sein- hab von mehreren Amerikanerinnen gehört, die dort so Teilzeit arbeiten konnten, wie es für sie passt, also mit teilweise recht wenig Wochenstunden, oder immer zu komischen Zeiten, so daß immer ein Elternteil bei den Kindern sein kann usw. Scheint wirklich ein gutes Unternehmen zu sein. Schade, daß es die hier nicht gibt.

Cassandra hat gesagt…

"In meiner bayerischen Heimat wäre ein Sonntag, an dem man nach der Sonntagsmesse nicht zum Frühschoppen gehen kann (und damit auch seiner Freude über die Auferstehung Ausdruck verleihen kann), kein richtiger Sonntag"

Am Sonntag zu schliessen ist arg unüblich in den USA. Einer meiner Wohnheims-Mitgewohner war Gaststudent aus den USA und der stand am Sonntag voller Verwunderung vor dem Edeka- wieso machen die denn zu am Sonntag? Wann soll man da denn einkaufen? Was soll denn das? Wie, das soll man in der Woche machen? Da arbeitet man doch!
Er wurde von der Flurgemeinschaft durchgefüttert bis er wieder einkaufen konnte. Aber so was hatte er noch nie erlebt und fand das auch ziemlich schlimm.


Frühschoppen wird es da eh nicht geben weil die Hänchensandwiches verkaufen.
Alkohol-Verkauf in den USA je nach Bundesstaat geregelt ist, aber Alkohol nicht unbedingt überall zu erhalten ist.


Ich jedenfalls finde das einfach nur noch seltsam- irgendjemand sagt, das er was nicht gut findet und als Ergebnis hat man pro- und contra-Demos. Haben die eigentlich nichts besseres zu tun?