Sonntag, 8. Juli 2012

Interessant...

Diesen Spruch fand ich heute bei Google - Quotes of the Day:
    With or without religion, you would have good people doing good things and evil people doing evil things. But for good people to do evil things, that takes religion. - Steven Weinberg

    [Mit oder ohne Religion hätte man gute Menschen, die Gutes tun, und böse Menschen, die Böses tun. Aber daß gute Menschen Böses tun, dafür braucht man Religion]
Unabhängig von der Frage, was genau Weinberg sich unter "gut" und "böse" vorstellt, finde ich folgendes Interessant: Wenn ein "guter" Mensch "Böses" tut, dann war da also Religion im Spiel.

Wie lautet dann aber die korrekte Antwort eines Atheisten (rein spekulativ, keine Aufforderung an Atheisten, zu kommentieren) auf diese Frage: Was ist, wenn ein guter Atheist Böses tut?
  1. Dann war das eben in wirklichkeit kein guter sondern ein böser Mensch (eine Erklärung, die wir religiösen Leuten nicht zugestehen wollen)!
  2. Kann nicht sein: Atheisten tun nie etwas Böses (aber religiöse Menschen schon...)!
  3. Hmm... Dann ist Atheismus wohl auch eine Religion...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Naja, Atheisten sprengten bislang eher selten irgendwelche Wolkenkratzer weg oder beschlossen, durch Blut zu waten um irgendwelche heiligen Stätten zu(rückzu)erobern.
Dafür braucht man schon eine starke Motivation, und die haben fanatische Gläubige jeder Religion eher als Atheisten oder Agnostiker. Die sind sich eben NICHT sicher, dass Gott von ihnen möchte, dass sie ein Flugzeug entführen und in den nächstbesten Wolkenkratzer lenken.

NB: Und Atheismus ist IMMER noch keine Religion, die ja einen Gottglauben voraussetzt. Sorry. Maximal eine Ideologie.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Das mit der "Motivation" kaufe ich spätestens seit "The God Delusion" und dem Dawkins/Hitchens-Kult nicht mehr. Atheisten haben da genauso viele Eisen im Feuer und gehen stellenweise auch nicht unfanatisch damit um.

Aber okay: Wenn Atheismus keine Religion ist, dann bleibt als Antwort nur 1) oder 2) oder die Möglichkeit, daß der Spruch von Weinberg zwar witzig und hübsch antireligiös aber leider auch bescheuert ist.

Und warum reden wir hier von "Religion" und nicht von "Islam", wenn es darum geht, daß Gott Gläubigen erzählt, sie sollen Flugzeuge in Hochhäuser fliegen (oder Ehebrecherinnen erschießen oder "Ungläubige" töten)?

Herminator hat gesagt…

Und warum reden wir hier von "Religion" und nicht von "Islam", wenn es darum geht, daß Gott Gläubigen erzählt, sie sollen Flugzeuge in Hochhäuser fliegen (oder Ehebrecherinnen erschießen oder "Ungläubige" töten)?

Weil das gegen den christlichen Glauben nichts hilft! Und gegen den geht es doch! ;-)

Schalom
Hermann

Martin J Grannenfeld hat gesagt…

...und man hat zweifellos intelligente Amerikaner, und man hat zweifellos intelligente Physiker. Aber wenn beides zusammenkommt und derjenige sich nochdazu über fachfremde Themen äußert, muss wohl zwangsläufig solch simplifizierender Schwachsinn bei rauskommen...

Anonym hat gesagt…

@ Alipius

Wir können auch davon reden, dass religiös motivierte Christen ein paar Kreuzzüge gestattet und diverse islamische und jüdische Gläubige im Namen Gottes niedergemetzelt haben. Ist aber schon länger her - darum das aktuelle Beispiel.

Über Leichen gehenden Fanatismus gibt's in Splittergruppen in allen Religionen (und darüber hinaus), wobei christlicher Fanatismus dank diverser Impulse (Aufklärung, Trennung von Staat und Kirche) in den letzten Jahrhunderten zurückgegangen ist. Kann man auch dem Islam, Hinduismus oder jüdischen Extremisten wünschen.

NB: Wenn Atheisten etwas Böses tun, tun sie etwas Böses, schreien aber nicht dabei "Gott will es". Das macht die Tat nicht besser, aber wenigstens berufen sie sich nicht auf Gott dabei.

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Das Kreuzzugs-Beispiel ist deswegen etwas wackelig, weil insgesamt in der Ära, als Kreuzzüge stattfanden, die "Gott will es"-Begründung bedeutend gewöhnlicher und normaler war, als heute. Das macht die Sache nicht besser, aber es zeigt immerhin, daß man diese Phänomene erstens vor dem richtigen Hintergrund lesen muß und sie zweitens bei diversen Religionen nicht einfach aufrechnen kann, wenn man - wie richtig beschrieben - die Entwicklungen in den Weltreligionen der lezten Jahrhunderte betrachtet.

Über Leichen gehenden Fanatismus gibt es nicht nur in Splittergruppen aller Religionen, sondern schlicht und einfach überall dort, wo es Menschen gibt. Enver Hoxha z.B. würde ich nicht grade als unfanatisch bezeichnen, und daß der albanische Diktator, der 1967 den "ersten atheistischen Staat der Welt ausrief, über Leichen ging, dürfte bekannt sein.

Da hätten wir dann einen Atheisten, der beim Schlachten nicht ruft "Gott will es!" sondern "Das allgemeine Gut des atheistischen Staates will es!". Das Prinzip ist hier das Gleiche: Appell an die oberste Autorität bzw das höchste Gut. Wo Gott die höchste Autorität ist, dort hat man immerhin den Vorteil, daß es genügend Menschen gibt, die sich z.B. im Christentum die eigentliche Lehre Christi zu eigen machen und ebenfalls sagen "Gott will es" während sie in Altenheimen Windeln wechseln, ehrenamtlich in katholischen Gemeinden Obdachlose und Arme mit Essen und Kleidern versorgen oder in Katastrophengebieten Hilfe leisten (oft unter Lebensgefahr, wenn sie z.B. als christliche Missionare verschrieen werden).

Nun mag es auch Atheisten geben, die solche Dinge tun, aber sie werden sich nicht auf Gott als höchste Autorität berufen, sondern auf den Menschen. Der Mensch aber ist wankelmütig und dort, wo es gestern noch hieß, daß wir alle lieb zueinander sein sollen, dort kann morgen der Befehl ergehen, daß alle Leute, die zwei verschiedene Augenfarben haben, ins Gefängnis gehören. Und wenn in einer solchen Situation der Mensch die höchste Autorität ist, wer sollte den Menschen von der Falschheit seiner Wege überzeugen können, als wiederum der Mensch, der aber wiederum und immer noch wankelmütig ist?

Berufung auf Gott als höchste Autorität, während man Schandtaten verübt, ist ein Unding, da gebe ich Ihnen völlig Recht. Aber Berufung auf Gott als höchste Autorität, um das menschliche Leben tatsächlich in seiner Gänze zu schützen und zu wahren und zu respektieren, ist streng genommen die einzige Möglichkeit, die wir haben, wenn wir uns nicht immer und immer wieder unseren eigenen Launen aussetzen wollen.

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

@Anonym:
Wenn Atheisten was Böses tun, schreien sie: "Die Partei will es so!"

Holocaust, Holodomor, Großer Sprung nach vorne...

Atheismus ist eine Religion, die die Vergötzung des Menschen als Glaubensinhalt hat und als Gottesdienst die Verunglimpfung und Be(Ver-)hinderung anderer Religionen.

derBright hat gesagt…

Kennen Sie evtl. Kirchenheilige, die Anhänger der konfessionellen Konkurrenz bös beseitigt haben? Gestehen wir denen zu, böse Heilige zu sein?

Alipius hat gesagt…

@ derBright: Interessante Frage. Wichtig ist hier, zu erörtern, ob der betreffende Heilige einen Anhänger der konfessionellen Konkurrenz als Teil seines "Auftrages" oder seiner "Mission" umbrachte und ob die Tat ein kaltblütig geplanter Mord oder aber z.B. Notwehr war. Spontan fällt mir da im Moment kein Heiliger ein, auf den dies zutrifft.

Ignatius von Loyola mag zu seiner Zeit als Soldat durchaus auch den ein oder anderen Protestanten getötet haben, aber ich bin mir nicht sicher, ob sich das zeitlich ausging, da Luthers Ideen sich erst ab 1520 in Frankreich ausbreiteten und Ignatius' letzte Schlacht gegen die Franzosen im Jahre 1521 kurz vor seinem radikalen Lebenswandel stattfand.

Grundsätzlich denke ich aber, daß wir in der Kirche keinen "bösen Heiligen" finden werden, da Heilige ja letztlich als Vorbilder (wenn auch "nur" im christlichen Sinne und nicht im humanistisch-säkularen Sinne) dienen sollten und ein Mörder sich da nur bedingt gut macht.

Ich werde mich aber mal umhorchen bzw durchlesen und hier wieder posten, wenn ich etwas finden sollte.