Samstag, 14. Juli 2012

Glück und Wahrheit...

Ist das Leben mehr, als ein Streben nach Glück und eine Suche nach Wahrheit? Wenn nicht, was tut man dann, wenn man glücklich ist und die Wahrheit gefunden hat? Reicht es, sich am Glück festzuklammern und darauf zu achten, keiner Lüge auf den Leim zu gehen? Oder sollte man versuchen, das Glück zu teilen und die Wahrheit zu verkünden? Wenn ja, sollte man dies tun, weil man sich eine Belohnung oder einen Erfolg erhofft? Oder sollte man es tun, weil man sich selbst auf einen "Kopf in den Wolken"-Art ansteckend fühlt und es einfach tun will, Belohnung hin, Erfolg her? Oder - dritte und meiner Meinng nach schönste Möglichkeit: Tut man es, ohne es wirklich zu merken (oder zumindest, ohne es wirklich geplant zu haben) und hat dabei dann auch noch Erfolg?

Die Menschen, die mich in meinem Leben bisher am deutlichsten und wirksamsten im positiven Sinne beeinflußt haben, das waren und sind alles kleine Glücksbomben, die mir ungefragt und ungebeten mitten ins Gesicht hinein explodiert sind. Sie sagten nicht "Ich bin so glücklich, daß Du unmöglich noch glücklicher sein kannst, als ich. Also hier: Nimm ein wenig von meinem Glück!". Sie schnitten nicht ein Stück von ihrem Glück ab, welches sie mir dann überreichten, während an der Stelle, an der geschnitten wurde, bereits das neue Glück nachwuchs. Nein. Sie machten und taten und sprachen so, wie sie immer und überall mit jedem Menschen machen und tun und sprechen und sie kleisterten dabei - ohne es überhaupt zu merken - meinen ganzen Alltag mit nach Rosen duftenden Blaumeisen, pausbackigen Streicherklängen und goldfarbenem Kleinkinderlachen zu. Sie waren und sind allesamt wie Quellen, die gar nicht anders können, als zu sprudeln.

Und die Wahrheit? Es ist für mich nicht verwunderlich aber für die Statistik vielleicht interessant: Die Wahrheit, welche alle diese Leute erkannt hatten, war und ist in allen Fällen Jesus Christus. Das war manchmal ziemlich offensichtlich (bei den katholischen Priestern, Ordensmännern und Nonnen), in anderen Fällen wurde es erst später klar. Jedenfalls stellte sich keiner dieser Männer und keine dieser Frauen vor mich hin und sagte: "Hier! Meine Wahrheit! Check it!" Das Wort "Wahrheit" ist zwar Bestandteil ihres Wortschatzes, aber sie benutzen es nicht, zumindest nicht im "Guck mal, hier!"-Sinn. Stattdessen verhält es sich auch hier, wie im Falle des Glücks: All diese Leute machten und taten und sprachen so, wie sie immer und überall mit jedem Menschen machen und tun und sprechen. Und alles, was sie mit ihrem So-Sein-Wie-Sie-Sind bei mir auslösten, war, daß ich unbedingt wissen wollte, was ihr Treibstoff ist. Ihr Treibstoff war und ist die Seelenruhe, mit der sie durchs Leben gehen, weil sie erkannt haben, daß Jesus Christus die Wahrheit ist.

Ist das Leben mehr, als ein Streben nach Glück und eine Suche nach Wahrheit? Ich weiß es nicht, denn jedes wirkliche Glück, welches ich bisher erfuhr, wurde mir nie zuteil, weil ich danach strebte, sondern es wurde mir geschenkt, ohne daß ich es erwartete. Und die Wahrheit, um die ich nicht nur weiß, sondern an die ich sogar glaube (ja, ich meine das so, wie es da steht), habe ich nicht gefunden, weil ich danach suchte, sondern ich habe sie gefunden, weil sie ist und sich nicht versteckt.

Kommentare:

just wondering hat gesagt…

Wahrheit und Glück sind ja Begriffe, die individuell sehr unterschiedlich defniert werden. Bei der Fragen dieser Art hat mir immer die Aussage von Christus geholfen: "Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben" (Matth. 6) Was man selbst als Glück empfindet, hängt ja auch nicht unwesentlich von der eigenen persönlichen Disposition ab. Je mehr Christus in meinem Leben präsent ist, desto mehr Zufriedenheit, Geborgenheit und Freude ist zu erleben. Und dann erledigt sich das mit dem Weitergeben auch oft von selbst: Wer von einer Sache erfüllt und begeistert ist, der kann gar nicht anders, als das, was ihn begeistert, weiterzugeben. Da habe ich auch viele tolle Beispiele erlebt - unter anderem auch eine Nonne ...

Josef Bordat hat gesagt…

Ja – das Gute, Wahre und Schöne (und damit das Glück) als absolute, objektivierbare Größen zu sehen, das ist uns heute sehr fremd – heute, d.h. nach Kant. Seit Kant spielt Glück keine Rolle mehr in der Ethik, es ist als Begriff aus Politik und Moral ausgeklammert. Ein gefährliches Unterfangen, denn wir können ohne das Streben nach Glück nicht leben (auch wenn die Chance, glücklich zu werden, mit jeder Anstrengung paradoxerweise sinkt – Deine Glückserfahrung, Alipius, ist ja durchaus typisch, zumindest kenne ich das von mir auch so!). Andererseits können wir auch ohne Moral nicht leben. Auflösen lässt sich das aristotelisch-thomistisch durch die enge Verbindung von Güte und Glück (vgl. http://jobo72.wordpress.com/2012/05/02/gute-und-gluck/), die uns Christen nicht fremd sein sollte.

Durchgesetzt hat sich aber die Privatisierung des Glücks, in dem Maße, in dem das Recht die öffentlichen Angelegenheiten zu regeln begann; alles andere wird als einengend empfunden und ist es ja auch (vgl. http://recenseo.de/index.php?id=150&kategorie=artikel&nav=Inhalt). Die Individualisierung des Glücks lässt sich empirisch gut zeigen (vgl. http://jobo72.wordpress.com/2011/01/14/sechser-im-lotto-oder-gesunde-familie-empirische-glucksforschung/). Der Subjektivismus ist der Megatrend der Moderne – mit allen Problemen. Dahinter kann man kaum noch zurück. Das ist ja auch die Schwierigkeit aller normativen Systeme, die auf absolute, objektivierbare Größen setzen – ihnen schlägt schon von daher Skepsis entgegen.

Im übrigen denke ich auch, dass man das, was man als das Gute, Wahre und Schöne erkannt hat (und damit als das Glück, zumindest als Bedingung gelungenen Lebens), mit anderen teilen sollte. Hier kommt es auf das Wie an – das beschreibst Du ja auch sehr deutlich, Alipius. Die Regeln für die Mission gibt Jesus uns ja mit auf den Weg. Und da steht ja nichts von protzendem Gehabe oder dem Hausieren mit der Wahrheit. Sie muss durchscheinen durch das Sein, durch das Tun. Mich haben auch vor allem die Menschen beeindruckt und beeinflusst, die das gar nicht wollten, sondern die nur ihr Glück mit mir teilten, mit einer überzeugenden Kraft, deren Wirkung ich nur dann überhaupt verstehen kann, wenn ich mich für den Gedanken öffne, dass sie von Gott kommt.

JoBo