Montag, 2. Juli 2012

Gegenkulturelle Bischöfe...

Nun, da Obamacare vom Obersten US-Gericht als "nicht verfassungswidrig" eingestuft wurde, geht der Kampf für die katholischen Bischöfe, Priester und Laien, die sich gegen das HHS-Mandat aussprechen, in die nächste Runde.

Da mag vielleicht ein Blick in die Vergangenheit helfen. Dies ist Joseph Francis Rummel:


Er war von 1935 bis 1964 Erzbischof von New Orleans. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung der Afro-Amerikaner Fahrt aufnahm, stellte Rummel sich ganz auf die Seite der Desegregation. Er nahm schwarzen Priesteramtskandidaten ins Seminar auf, ließ in den Kirchen seiner Diözese die Schilder "Für Weiße" und "Für Schwarze" entfernen und veröffentlichte 1953 einen Hirtenbrief, in welchem er für die gesamte Erzdiözese das Ende der Rassentrennung forderte. Einige Gemeinden organisierten daraufhin Proteste gegen die Entscheidung des Erzbischofs. Eine Kirche wurde vom Erzbischof sogar dichtgemacht, als man sich dort weigerte, einen schwarzen Priester anzunehmen. 1956 folgte ein weiterer Hirtenbrief und langsam fanden die Leute sich mit der neuen Situation ab, wenn auch manchmal widerwillig.

Als der Supreme Court im Jahre 1954 entschied, daß die Rassentrennung unkonstitutionell sei, machte der Erzbischof sich an die nicht eben einfache Aufgabe, auch in den Schulen seiner Diözese aufzuräumen. Da es in Louisianna einflußreiche Katholiken gab, die sich für die Rassentrennung aussprachen, wurde der Prozeß unappetitlich und zog sich hin (es gab unter anderem drei Exkommunikationen einerseits und andererseits Drohungen, der Kirche die finanziellen Mittel zu entziehen), bis Rummel 1962 endlich die Aufhebung der Rassentrennung in allen katholischen Schulen bekanntgeben durfte.

Wenn es nun auch nicht um Rassentrennung sondern um die Religionsfreiheit geht, warum sollten sich in den USA nicht auch heute Bischöfe finden, die ihrer Zeit ein wenig voraus sind?

1 Kommentar:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Das der US Supreme Court nicht immer auf das Wohlwollen des Heiligen Geistes bauen kann, haben diese ja schon in den Urteilen Dred Scott v. Sandford und Roe v. Wade dokumentiert.