Sonntag, 3. Juni 2012

Zum heutigen Evangelium

    In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28, 16-20)
Wir alle kennen die Vorwürfe, die sich Christen hin und wieder anhören müssen: "Jesus war nicht Gott, sondern nur ein Prophet oder ein besonders töfter Kerl!" Oder: "Lulz! Ihr seid Polytheisten, weil ihr an drei Götter glaubt: Den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist!"

Das heutige Evangelium bietet da den einen oder anderen guten Ansatz, um diese Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen.

Jesus sagt: "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde".

"Alle Macht"...

Nicht "ein wenig Macht" oder "fast alle Macht" oder "ganz schön viel Macht aber leider nicht so viel wie dem oder dem" sondern "alle Macht".

Und nicht nur "alle Macht", sondern "alle Macht im Himmel und auf der Erde"!

Was für ein Wesen ist das, dem alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben ist? Es ist Gott! Wenn Jesus sagt "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde", dann sagt er damit "Ich bin Gott".

Nun heißt es aber, daß Jesus alle Macht gegeben wurde! Wie hat man sich dies vorzustellen? Sicherlich nicht auf eine Art, die eine zeitliche Folge und eine Auf- und Abnahme der Macht auf zwei verschiedenen Seiten einschließt.

Wenn mir drei Äpfel gegeben werden, dann muß vorher jemand diese drei Äpfel besessen haben, sonst hätten sie mir nicht gegeben werden können. Wenn diese drei Äpfel mir dann gegeben wurden, dann hat derjenige, der sie mir gab, sie nicht mehr.

Bei Gott verhält sich dies etwas anders. Zuerst einmal ist Gott niemand, der irgendwann einmal nicht war und irgendwann einmal nicht mehr sein wird. Gott spielt sich nicht in der Vergangenheit und der Zukunft ab, so wie unsere Erfahrung der Zeit. Gott ist einfach. Er ist vor aller Zeit und ist in aller Zukunft. Außerdem ist Gott kein Wesen, in dem sich etwas ändert, so daß die göttliche Person, von der Jesus alle Macht erhielt (also der Vater) plötzlich mit keiner Macht mehr dasteht, weil er sie nun an den Sohn abgetreten hat. Nein. Gott ist vor aller Zeit und ist in aller Zukunft, und in der Heiligen Dreifaltigkeit gibt der Vater vor aller Zeit und in aller Zukunft dem Sohn alle Macht und somit exakt die Machtfülle, die er, der Vater, selbst besitzt.

Somit sind der Vater und der Sohn zwei Personen eines göttlichen Wesens, da sie beide alles besitzen, was man braucht, um Gott zu sein. Sie können nicht zwei verschiedene göttliche Wesen sein, weil dies bedeutete, daß diese beiden Wesen sich auf irgendeine Art ergänzen, um gemeinsam das zu sein, was Gott ist. Wenn sich diese beiden Wesen aber ergänzten, um Gott zu sein, so bedeutete dies auch, daß sie ohne den anderen nicht Gott sind, daß ihnen also etwas fehlt. Da aber Gott nichts fehlt, müssen die beiden Personen des Vaters und des Sohnes eine Einheit im Wesen bilden.

Und nun sagt Jesus: "Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes". Wenn der Vater und der Sohn zwei Personen des einen göttlichen Wesens sind, wie eben gezeigt, was hätte der Heilige Geist in einem Atemzug mit dem Vater und dem Sohn zu suchen, wenn er nicht auf die Art dem Vater und dem Sohn gleicht, auf die der Vater dem Sohn gleicht?

Warum sollte in die von Jesus den Jüngern vorgeschriebene Taufformel eine dritte Person hineingenommen werden, wenn der Status dieser dritten Person dies nicht unbedingt notwendig macht? Was aber ist der Status dieser dritten Person, der die Hereinnahme in die Taufformel notwendig macht? Es muß der gleiche Status sein, den bereits der Vater und der Sohn besitzen: Der Status einer Person in einem göttlichen Wesen, welches nun folglich nicht aus zwei sondern aus drei Personen besteht.

Natürlich stoßen wir mit unserem Verstand sofort gegen einen Laternenpfahl, wenn wir versuchen, uns die Dreifaltigkeit vorzustellen. Aber wir machen ja sonst auch nicht so einen Riesen-Bohei um solche Sachen. Wer kann sich schon vorstellen, wie Gott aus nichts ein ganzes Universum schafft? Wir glauben es aber dennoch!

Glauben bedeutet, eine Sache für wahr zu erachten, weil jemand anders einen über diese Sache informiert hat. Unser Glaube kommt daher, daß Gott uns in seiner Offenbarung über sich und sein Werk informiert hat. Wir können nun natürlich hingehen und sagen "Okay, dann picke ich mir aus diesen götlichen Informationen mal eben die Sachen heraus, um die ich so eben noch meinen menschlichen Verstand wickeln kann...", aber dann schwingen wir uns zum Richter über die Gesamtheit der göttlichen Offenbarung auf und schneidern sie zurecht, so daß sie menschliches Format hat.

Wenn jemand mir sagt "Ich habe gestern 'The Avengers' gesehen und bin vor Vergnügen fast aus dem Kinosessel gerutscht", dann halte ich diese Information für wahr, weil ich nicht sehe, aus welchem Grund derjenige mich belügen sollte.

Wenn Gott mir sagt, daß er die Welt erschaffen hat und daß er ein Wesen in drei Personen ist, dann halte ich diese Information auch für wahr und zwar nicht nur, weil ich nicht sehe, aus welchem Grund Gott mich belügen sollte, sondern weil "Gott" für mich eine etwas andere Autorität ist als "jemand".

Keine Kommentare: