Mittwoch, 6. Juni 2012

Nee, sorry,...

... aber ich muß doch noch 'was dazu schreiben.

Nachdem ich zu diesem Beitrag in der HEVI-Kolumne der Salzburger Nachrichten bereits einen Kommentar abgegeben habe, muß ich jetzt auch hier noch zwei Sätze dazu sagen.

Ein kleines vietnamesisches Mädchen fragte in Mailand Papst Benedikt XVI, wie es denn in seiner Familie so war, als er so klein war wie sie. Der Heilige Vater schwelgte daraufhin in schönen Erinnerungen an den familiären Zusammenhalt und unzählige gemeinschaftliche Aktivitäten, wie den Meßbesuch, das Mittagessen, das Musizieren etc. Als dies konnte er genießen, obwohl die Zeiten damals nicht einfach waren. Und so hofft der Papst dann, daß, wenn er ins Paradies kommt, es so sein wird, als kehre er zurück in das elterliche Heim (Video auf Italienisch hier).

In den Salzburger Nachrichten liest sich das so:
    Kürzlich fragte ein vietnamesisches Mädchen vor 350.000 Teilnehmern des Weltfamilientreffens in Mailand den Papst, wie er sich denn das Paradies vorstelle.


Und nun geht es im Artikel aufgrund der verkorksten Prämisse so facepalmig weiter, daß man kaum weiß, wo man anfangen soll.

Aber sagen wir mal, das Mädchen hätte tatsächlich nach dem Paradies und nicht nach der Familie gefragt, so zerfällt der Kolumnen-Beitrag der SN dennoch zu Staub. Denn erstens hat der Heilige Vater ja in seiner Antwort selbst auf die schweren Zeiten, den Krieg, die Diktatur und die Armut hingewiesen. Und zweitens ist es vollkommener Blödsinn, anzunehmen, der Papst würde sich im Paradies neben all den schönen Dingen, an die er sich erinnert, auch all das Schreckliche wünschen:
    Frage: "Heiliger Vater, fahren Sie gerne Auto?"

    Antwort: "Ja! Vor allem auf der Landstraße. Die vorbeiziehenden Gegenden, die kleinen Ortschaften, der ländliche Duft... Paradiesisch!"

    Schlagzeile: "Papst freut sich schon auf die Autounfälle im Paradies!
So verkommt der letzte Satz des SN-Beitrags zur Total-Satire:
    Schlimm, was ein unbedachtes Wort anrichten kann.
[Der HT geht an bellfrell]

Kommentare:

gerd hat gesagt…

Der Schwachsinn treibt Blüten. Besonders die schreibende Zunft scheint besonders anfällig dafür zu sein. Wie kann jemand nur so grottenschlecht kommentieren?

kalliopevorleserin hat gesagt…

Das Video ist einfach nur schön! Ich finde, so wie der Papst sollten mehr Leute mit Kindern umgehen: erst mal in den Arm nehmen, und dann ihnen ohne Heititei und verkindlichte Sprache auf ihre Fragen antworten.

just wondering hat gesagt…

für die benötigte Anzahl von Facepalms hab ich gar nicht genügend Hände. Was für ein bescheuertes Gutmenschengesülze.

Bastian (Sierra Victor) hat gesagt…

Ich habe das auch kommentiert.
(Nein, ich meine nicht diesen Kommentar hier, sondern den in der Zeitung.)

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ich bin ja manchmal opportunistisch. Gerade habe ich dem Journalisten in einem Leserbrief künftige Hilfe bei der Recherche angeboten (mit dem Hinweis, daß das kostet).
Also, sollten in Zukunft fehlerfrei recherchierte Artikel über den Papst in den Salzburger Nachrichten erscheinen und ich gleichzeitig über meinen wirtschaftlichen Aufschwung posten, hat das miteinander zu tun. ;-)

Bellfrell hat gesagt…

Ja, diesen Artikel des Herrn Journalisten zu lesen, war schon mehr als eine Zumutung. Erfreulich, daß sich sofort Mitglieder der Blogoezese gefunden haben, die den Schreiber sozusagen demaskierten. Jetzt warte ich nur noch auf die spontanen, objektiven, alles durchschauenden, kirchenkritischen  Kommentare. Einer hat sich ja schon eingefunden, um des Herrn Redakteurs Speichel zu lecken...  Mit feiertäglichen Grüßen Bellfrell

Nachtbriefträger hat gesagt…

Wenn es darum geht, die Kirche und ihre Vertreter in Misskredit zu bringen, kommen die Journalisten zu Scharen: Auch die jüngste Affäre um die bewusste Demontage des Papstes von innen heraus ist ein gefundenes Fressen für Skandalreporter. Da wird nicht lange und sauber recherchiert. Die Druckerpresse wartetet nicht. Es ist wie mit einem guten Pils. 7 Minuten, wenn möglich noch kürzer und raus mit dem Text. Viele erkennen dabei eben nicht, dass sie besser den Papierkorb als Adressaten nehmen sollten statt der Druckfreigabe.