Donnerstag, 28. Juni 2012

Kleine Untersuchung...

Das Thema Marsch des Lebens und Deutsche-Bahn-Tickets und zappelige Feministinnen brachte mich einmal mehr zurück zu den alten Fragen: "Was genau spielt sich da eigentlich ab? Und wie sehen die Glaubenszeugnisse aus, die wir liefern können/müssen, um bei der 'Gegenseite' nicht ständig für unbegründete Panik-Atacken zu sorgen?"

Hmm...

Verbessert mich, wenn Ihr andere Erfahrungen gemacht habt, aber für mich sieht es so aus, als kämen all jene, die sich polternd und pöbelnd über Veranstaltungen wie den Marsch für das Leben hermachen, aus einer Ecke, in welcher der Tenor eigentlich lautet "Wir möchten die Welt gerne toleranter, offener, vielfältiger, aufgeklärter und gewaltfreier machen!"

Mit den anfangs gestellten Fragen im Hinterkopf will ich mir die einzelnen Punkte (tolerant, offen, vielfältig, aufgeklärt, gewaltfrei) mal anschauen:
  1. Tolerant:
    • Was spielt sich eigentlich ab?

      Toleranz kommt vom Lateinischen tolerare (= erdulden) und kann somit übersetzt werden als Duldsamkeit im Sinne des Gewährenlassens oder des Geltenlassens oder auch des Nicht-Verhinderns. Wer sagt "Ich bin tolerant!", der sagt, daß er dem Anderen Gedanken, Worte und Taten zugesteht, so lange diese nicht einen definierten Rahmen sprengen. Diesen Rahmen bilden in der Regel Gesetze und/oder Gebote. Hierbei kann man davon ausgehen, daß, wenn ein Gesetz oder ein Gebot etwas gestattet, diese gestattete Handlung deutlich im Rahmen dessen liegt, was ein Mensch, der von sich sagt, er sei tolerant und der grundsätzlich für die Welt mehr Toleranz verlangt, für vertretbar hält.

      Eine Aktion wie der Marsch für das Leben ist eine gesetzlich genehmigte Demonstration für den Schutz des menschlichen Lebens und gegen die heute übliche Abtreibungspraxis. Gegen den Schutz des menschlichen Lebens ganz allgemein wird kaum jemand sich ernsthaft aussprechen wollen. Wenn es um die Einschränkung oder das Verbot von Abtreibungen geht, sind die Fronten aber schon stark verhärtet. Genau hier greift dann die Toleranz, da diejenigen, die sich gegen die Abtreibung aussprechen, nichts tun, was das Gesetz nicht gestattet. Es mag Individuen geben, die einen Marsch für das Leben in ihrer Stadt so gar nicht wünschen, aber diese Individuen werden - wenn sie wirklich tolerant sind - der Gegenseite zugestehen, daß sie nicht nur eine Meinung hat, sondern daß sie diese auch äußern darf.

      Erwecken die Aufrufe zum Kartenwegkauf und zur Störung des Marsches für das Leben den Eindruck, sei die Gegenseite bereit, die geforderte Toleranz auch zu gewähren? Ich denke, dies ist nicht der Fall.

    • Wie sehen die Glaubenszeugnisse aus, die wir liefern können/müssen, um bei der 'Gegenseite' nicht ständig für unbegründete Panik-Atacken zu sorgen?

      Wir sollten mit gutem Beispiel vorangehen und den Leuten, die sich an Märschen für das Leben reiben, ihre Meinung zugestehen und auch akzeptieren, daß sie diese Meinung häufig auf eine Art und Weise kundtun, die eher an sozial inkompatible Höhlenbewohner erinnert als an mündige Mitglieder einer zivilisierten Gesellschaft. Wir sollten demonstrieren, daß und das "Auge um Auge" nicht interessiert, das "Liebe Deinen Nächsten" aber schon. Wir sollten also nicht über diese Leute lachen, wir sollten sie nicht beschimpfen, wir sollten nicht versuchen, ihnen jeden blöden Spruch und jede vermeintliche Demütignug mit gleicher Münze heimzuzahlen, sondern wir sollten zeigen, daß unser Glaube uns tatsächlich genug inneren Frieden schenkt, um über so etwas hinwegzusehen, ja vielleicht sogar, um so etwas zu nehmen und in etwas Gutes umzukehren. Wer weiß: Vielleicht findet sich unter 1.000 plumpen Schreihälsen ja einer, der für ein paar freundliche und sachliche Worte offen ist.

  2. Offen:
    • Was spielt sich eigentlich ab?

      Und so sind wir schon bei der Offenheit. Diese baut meiner Meinung nach auf der Toleranz auf, ermöglicht sie doch nicht nur ein stilles Dulden, sondern sogar eine gewisse Annäherung, eben dann, wenn man für "das Andere" offen genug ist, um es nicht einfach kurzfristig und zähneknirschend zuzulassen und dann schnell zu verdammen, sondern um es kennenzulernen und sich ein informiertes Urteil zu bilden. Wer sagt "Ich bin offen!", der sagt dem Anderen nicht nur, daß er ihn erst einmal gewähren läßt (auch, wenn er mit ihm nicht übereinstimmt), sondern daß er auch dazu bereit ist, den Anderen ein wenig "hereinzulassen", um ihn und seinen Standpunkt besser kennenzulernen.

      Während eines Marsches für das Leben böten sich dem tatsächlich toleranten und auch offenen Gegner der dort präsentierten Botschaft unzählige Möglichkeiten, ein respektvolles und sachliches Gespräch zu suchen.

      Erweckt die Fülle der Verbalinjurien, die mit unschöner Regelmäßigkeit diese Märsche begleiten, den Eindruck, als habe die Gegenseite ein ensthaftes Interesse, die geforderte Offenheit selbst zu gewähren? Ich denke, dies ist nicht der Fall.

    • Wie sehen die Glaubenszeugnisse aus, die wir liefern können/müssen, um bei der 'Gegenseite' nicht ständig für unbegründete Panik-Atacken zu sorgen?

      Auch hier gilt das gute Beispiel: Laßt uns keine Scheu haben vor Leuten, die auf uns zukommen und ein Gespräch suchen, selbst, wenn sie sich aus einer tobenden und schimpfenden Meute gelöst haben. Wenn wir ihnen erstens freundlich und zweitens mit einer gewissen, die Offenheit voraussetzenden Geduld begegnen, dann können wir sicherlich mehr Gutes anrichten, als wenn wir uns taub stellen. Laßt uns aufzeigen, daß der Glaube an Jesus Christus uns Ruhe und Lockerheit schenkt, die es uns gestatten, auch Zeitgenossen, die auf den ersten Blick ungemütlich daherkommen mögen, ein Gehör zu schenken.

  3. Vielfältig:
    • Was spielt sich eigentlich ab?

      Auf die Offenheit folgt die Vielfalt. Denn dort, wo die andere Meinung nicht nur toleriert wird, dort, wo man der anderen Meinung nicht nur den Raum gibt, sich ein wenig zu erklären, dort besteht die Chance, daß man Gemeinsamkeiten entdeckt, die ein Nebeneinander ermöglichen und somit tatsächlich Vielfalt erlauben.

      Während eines Marsches für das Leben kann die Gemeinsamkeit nicht aus der Sache selbst erwachsen, wenn die eine Seite strikt gegen Abtreibungen ist, die andere Seite diese aber in hohem Grade befürwortet. Um so größer die Chance, die Vielfalt der Meinungen zu ermöglichen, wenn schon die Sache heiß umkämpft ist.

      Erweckt der panische Aktionismus, mit dem nicht selten versucht wird, Märsche für das Leben zu stören doer gar zu verhindern, den Eindruck, als habe die Gegenseite ein ensthaftes Interesse, die geforderte Vielfalt selbst zu gewähren? Ich denke, dies ist nicht der Fall.

    • Wie sehen die Glaubenszeugnisse aus, die wir liefern können/müssen, um bei der 'Gegenseite' nicht ständig für unbegründete Panik-Atacken zu sorgen?

      Wir sollten hier ganz auf die kirchliche Lehre vertrauen und nicht auf staatliche Hilfe. Der Staat kann heute Abtreibungen mit hoher Gefängnisstrafe belegen. Er kann aber theoretisch morgen schon fordern, daß keine Frau mehr als ein Kind zur Welt bringen darf und daher Abtreibungen zum Gesetz machen. Dann stünden wir doppelt blöd dar, wenn diese vermeintliche "Stütze" wegbricht. Stattdessen sollten wir klar aufzeigen, was unser Glaube uns lehrt und von uns verlangt. Und - noch wichtiger - wir sollten bereit sein, diese Dinge auch mit Argumenten zu untermauern, weil die Leute heutzutage mehr brauchen als die simple Feststellung, daß der Glaube an Chrisuts dies oder jenes verlangt. Sie wollen wissen, warum. Und auch wenn das, was unser Glaube verlangt, gegen staatliche Vorgaben gehen sollte (z.B. im Falle einer Ein-Kind-Politik), wären wir selbst als "Illegale" noch diejenigen, die mit gutem Gewissen demonstrieren, wie wirkliche Vielfalt aussieht, da wir einer höheren Stimme folgen, als der des Staates und somit die graue, staatlich verordnete Einheitssuppe sprengen.

  4. Aufgeklärt:
    • Was spielt sich eigentlich ab?

      Werfen wir einen Blick auf den Himmel: Dunkle Wolken hängen dort. Sie lassen kein Licht durch und verhindern den Blick in die Weite. Plötzlich reißt die Decke auf, es wird hell und man sieht besser und weiter. Es hat sich aufgeklärt.

      Wenn erst einmal Toleranz, Offenheit und Vielfalt herrschen, dann hat auch die Aufklärung eine Chance, denn dann hat man ein Niveau erreicht, auf welchem man die Wolkendecke der Vorurteile getrost zerreißen und sich ein korrektes Bild über die dahinter liegende andere Meinung und deren Vertreter machen kann.

      Ein Marsch für das Leben bietet die großartige Chance, den bereits aufklärungsbereiten Mitgliedern der Gegenseite zu zeigen, daß unser Anliegen (Lebensschutz) keine Marotte ist, mit der wir uns die Langeweile vertreiben wollen, daß es keine Geißel ist, mit der wir eine aufstrebende Femo-Szene in schwere, mittelalterliche Ketten zurückführen wollen, daß es kein Hirngespinst aus einem weihrauchverhangenen La-La-Land ist, sondern die Folge einer genauen und ehrlichen Betrachtung der Natur und der Gebote unseres Glaubens.

      Erweckt die bei einem Marsch für das Leben zu beobachtende Nicht-Bereitschaft, den Lebensschützern überhaupt Gehör zu schenken, den Eindruck, als seien auf der Gegenseite bereits die nötigen Schritte erfolgt, um die geforderte Aufklärung Wirklichkeit werden zu lassen? Ich denke, dies ist nicht der Fall.

    • Wie sehen die Glaubenszeugnisse aus, die wir liefern können/müssen, um bei der 'Gegenseite' nicht ständig für unbegründete Panik-Atacken zu sorgen?

      Einem geduldigen Zuhören (Offenheit) muß hier die Bereitschaft folgen, den Anderen in seinen tatsächlichen Problemen zu verstehen und ernst zu nehmen. Tumbe Brüllaffen darf man gerne freundlich darauf hinweisen, daß es vielleicht irgendwo tatsächlich einen Ort gibt, an dem man sich für sie und ihr Geschrei interessiert. Aber Leute, die den Eindruck erwecken, als hätten sie mit echten Problemen zu kämpfen, haben es schon verdient, daß wir wenigstens versuchen, sie zu verstehen und zu erkennen, warum sie so ticken, wie sie es tun.

  5. Gewaltfrei:
    • Was spielt sich eigentlich ab?

      Die Gewaltfreiheit schließlich ist das, was folgt, wenn Menschen wirklich tolerant, offen, vielfältig nud aufgeklärt leben, denn nur dort, wo man gelernt hat, daß die andere Meinung nicht zwangsläufig eine Bedrohung ist, sondern durchaus eine Bereicherung sein kann, die einen selbst zum Nach- und/oder Umdenken anregt, nur dort kann man den Anderen ganz und gar als Mensch mit Rechten und Würde betrachten und nur dort kann man dieser anderen Meinung mit einer Gelassenheit begegnen, welche die Anwendung von Gewalt nicht notwendig erscheinen läßt, sondern sie verbietet, da man ja auf einem rohen und im Grunde vormoralischen Level sich selbst gegenübersteht: Nämlich einem Menschen mit Wünschen, Ideen, Forderungen und Bedürfnissen. Wenn es dennoch bei komplett verschiedenen Meinungen bleiben sollte, hat man sich immerhin vernünftig und respektvoll ausgetauscht. Was in einer solchen Situation dann letztlich "Gesetz" wird, daß muß für den gläubigen Menschen zwar immer auch noch vor dem "Gebot" bestehen können, aber hier greifen dann wiederum die Anforderungen an die anderen Seite, die die entsprechenden Räume schaffen muß, wenn sie es mit der Toleranz, der Offenheit, der Vielfalt und der Aufklärung wirklich ernst meint und wenn die Ausübung der Gebote nicht automatisch die Würde oder die Rechte eines Anderen verletzt.

      Während eines Marsches für das Leben bietet ein gewaltfreier Austausch z.B. die Möglichkeit, zu erörtern, inwieweit es sich bei der Abtreibung tatsächlich um ein "Recht" oder um einen Bestandteil der "Menschenwürde" handelt.

      Erwecken die bei Veranstaltungen für das Leben vorkommenden Schläge, Bibelverbrennungen, Kreuzentwendungen etc, den Eindruck, als habe die Gegenseite ein ensthaftes Interesse, die geforderte Gewaltfreiheit selbst zu praktizieren? Ich denke, dies ist nicht der Fall.

    • Wie sehen die Glaubenszeugnisse aus, die wir liefern können/müssen, um bei der 'Gegenseite' nicht ständig für unbegründete Panik-Atacken zu sorgen?

      Ganz klar: Gewalt nicht mit Gewalt beantworten. Die Faust ist das Hirn desjenigen, dessen Position im Grunde schon verloren ist. Lassen wir uns nicht auf dieses Niveau hinab sondern fragen wir die Gegenseite lieber, warum sie eigentlich zu solch drastischen Maßnahmen greifen muß, wenn sie doch andererseits der Meinung ist, der "gesunde Menschenverstand", das Recht und die Menschenwürde seien auf ihrer Seite.
Unterm Strich also: Viel Wasser-Predigen und Wein-Trinken seitens der Gegner der Märsche für das Leben. Wir sollten nicht in dieselbe Falle tappen. Bleiben wir entspannt und danken wir Gott, daß er uns diesen großen Auftrag anvertraut hat. Steter Tropfen höhlt den Stein, und auch, wenn ich es in diesem Jahr wegen meiner Arbeit als Kaplan mit ziemlicher Sicherheit wieder nicht nach Berlin schaffen werde, so sind meine Gebete auf jeden Fall bei Euch, um so wenigstens einen kleinen Beitrag zu leisten.

Kommentare:

Josef Bordat hat gesagt…

Das ist eine sehr gute Basis für weitere Diskussionen, Alipius! Klare Positionen, klare Formulierungen. Wer nicht zustimmen kann, wird sich zumindest mit Erkenntnisgewinn daran reiben können. Mehr geht eigentlich nicht! Zu jedem einzelnen Punkt wird man sicher aus der Theorie heraus noch vieles sagen können, z.B. zu den oft sehr unterschiedlich verwendeten bzw. gefüllten Konzepten.

Wenn’s etwa um Normen geht, die den Duldungsrahmen abstecken (Punkt „Toleranz“) – welche akzeptieren wir auf welcher Legitimationsgrundlage? Du selbst meldest ja im Punkt „Vielfalt“ zu Recht Bedenken gegen einen reinen normativen Formalismus an; Gesetze (etwa eine „Abtreibungspflicht“) können Unrecht sein, was Illegalität zur moralischen Pflicht erhebt (Wieder die Frage: Moral – auf welcher Grundlage?). Aber für die Praxis ist die Analyse sehr hilfreich, weil die fünf genannten Aspekte tatsächlich im Vordergrund stehen und es mit einem Großteil der Menschen ja zumindest einen normativen Minimalkonsens gibt (das Grundgesetz nämlich), so dass man sich auf praktische Vermittlungsfragen konzentrieren kann (schwer genug!).

Auch die Hinweise darauf, wie man sich angesichts von Provokationen und im Umgang mit Gegendemonstranten verhalten sollte, sind sehr wertvoll. Im Grunde sollte man das ausdrucken und an die Marsch-Teilnehmer verteilen (die das sicher ohnehin alle wissen und auch praktizieren). Ob das in der Praxis des Marsches in einer doch eher unübersichtlichen Gesamtsituation immer gleich umzusetzen ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Einerseits weiß man leider nicht, ob die/der, welche/r sich auf einen zu bewegt, nun spucken, schlagen, schimpfen, das Kreuz entwenden oder sachlich diskutieren will, andererseits kommt es durch ein massives Polizeiaufgebot de facto auch nur zu vereinzelten Begegnungen (meist unschöner Art, was dann wiederum das massive Polizeiaufgebot rechtfertigt). Aber das Gesprächsangebot an die „Gegenseite“ muss generell gelten, vor allem im persönlichen Umfeld.

Danke und LG, Josef

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

A1 - Treffer!
A2 - Treffer!
A3 - Treffer!
A4 - Treffer!
A5 - Treffer, versenkt!

Punkt, Satz und Sieg, Alipiator!

ultramontan hat gesagt…

Gut und schön. Wenn ich mal aus der Praxis berichten darf: Ich habe beim vergangenen Zug durch Berlin nur wenige Teilnehmer gesehen, die sich von den Gegendemonstranten zu hitzigen Äußerungen haben hinreißen lassen. Und wenn, wurden sie dann sofort von den umstehenden Teilnehmern beruhigt. Das friedliche und ruhige Zeigen der eigenen Position hat erstaunlich gut funktioniert.

Eine Gegendemonstrantin und ich, wir haben uns im gemeinsamen Gehen längere Zeit unterhalten, sachlich. (Logischerweise ohne in irgendeiner Weise zu einem Ergebnis zu kommen.) Das Gesprächsangebot ging von der Gegendemonstrantin aus, die dennoch eindeutig dem alternativen Block angehörte. Man kann auch da nicht sinnvoll pauschalisieren.

Grundsätzlich: Deine Überlegungen finde ich sehr gut, sie scheinen mir die Haltung der Gegendemonstranten jedoch noch nicht ganz zu treffen.

Deutlich ist: Die Gegendemonstranten (ich kannte eine ziemliche Anzahl von ihnen persönlich von früher) kommen aus einer ganz bestimmten Szene.

Dort ist das »Recht auf Abtreibung« nicht mehr diskutabel. Es gilt als Errungenschaft im Kampf für die Freiheit und Selbstbestimmtheit des Individuums, dem großen Wert. (Das ist gesetzt.)

Jeder, der dieses Recht infrage stellt (besonders, wenn er nicht nur Zweifel daran äußert, sondern tatsächlich eine Dagegen-Position bezieht), ist Feind der Freiheit und Selbstbestimmtheit des Individuums, mithin der Aufklärung und Toleranz usw.

Feinden der Toleranz und der Aufklärung (»des Guten«) kann keine Toleranz gewährt werden. (Das ist gesetzt.)

Es ist schon das Grundanliegen selber, das »Panikattacken« hervorruft, es ist nicht nur die Art und Weise, wie dieses Anliegen vertreten wird. Das heißt, es ist ziemlich egal, wie wir es präsentieren, es ist einfach in sich inakzeptabel.

Die Art und Weise, wie es vertreten wird, macht alles aber natürlich noch schlimmer: Religiöse Symbole (Kreuze)! Beteiligung der Kirchen! Positive Darstellung des traditionellen Familienbildes (Fotos von »glücklichen Babys«)! – All das löst sofort Abwehrreflexe aus.

Ester hat gesagt…

Also ich komme (schäm. rot werd, schon bitter bereut hab) aus einer Welt in der jemand der einer Frau zu einer Abtreibung verholfen hat, sich vorkam wie der barmherzige Samariter persönlich.
Beeindruckt haben mich Leute, die ohne wenn und aber, und auch unter in Kauf nehmen persönlicher Nachteile zu Kindern stehen, auch dann wenn sie geboren sind.
es gibt genug gute Katholiken die intellektuell und spendentechnisch pro life sind, aber, wenn es dann in der engeren Verwandtschaft so weit ist, dann kommt schon der Satz "naja eigentlich, aber die XY kann isch mit dem Kind doch nicht das Leben versauen und ich kann auch nicht, habe ich doch schon das und das gebucht bzw geplant...."
oder die immer wieder zu machende Erfahrung, das man, wenn man mit den nichtabgetriebenen Kindern (plural!) in der Messe erscheint, dann merkt man, das die Krankheit auch die Kirche infiziert hat. Nur mit dem Unterschied, das es kirchenintern noch als Krankheit diagnostiziert wird.
Sorry, aber ist leider so.

Anonym hat gesagt…

meine meinung ist folgende:
Kinder brauchen Liebe. Wenn die Mehrheit einer Gesellschaft nicht dazu fähig ist, wirklich zu lieben, dann ist es nur logisch, dass die Zahl der Kinder wodurch auch immer schrumpft. Kein Gesetz der Welt kann jemanden dazu bringen, diese Liebe aufzubringen, deshalb halte ich es für nicht sinnvoll, die Gesetzgebungsschiene für etwas zu bemühen, was eben nicht zu verordnen ist.
Wollen wir Liebe zum noch ungeborenen Leben wecken, und wollen wir die Anliegen derer, die einen Marsch für das Leben bekämpfen wirklich ernst nehmen, dann brauchen erst einmal alle diese Menschen, die keine Kinder wollen, selbst genug erlebtes Angenommensein und Geliebtsein um das dann weitergeben zu können und zu wollen.
Wenn ich bei diesem Marsch teilnehme, dann um Bewußtsein zu wecken, dass Elternschaft in erster Linie eine enorme Bereicherung ist und nicht eine Belastung. Ich lehne es jedoch ab,
anderen meine Ansichten aufzudrängen oder jemanden zur Akzeptanz einer Schwangerschaft zu zwingen, der/die einfach nicht will!