Dienstag, 5. Juni 2012

Gewissen...

Das Konradsblatt berichtet:
    Die Initiatoren des Memorandums Freiburger Priester und Diakone aus dem vergangenen Jahr haben sich erneut zu Wort gemeldet. Sie fordern die Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zu den Sakramenten und bekennen sich dazu, dass sie selbst den kirchlichen Vorgaben zuwiderhandeln.
Eine entsprechende Petition "Wiederverheiratete Geschiedene" auf der Seite "KIRCHE 2012: Den notwendigen Aufbruch wagen" hat zu diesem Zeitpunkt 136 Unterzeichner. Fast 1/3 der Unterzeichner sind Pfarrer "i.R.", was nicht unbedingt alles sagt, aber doch ein deutliches Zeichen ist.

Weiter liest man im Konradsblatt über die Initiatoren der Aktion:
    In dieser Stellungnahme bekennen sie sich offen dazu, dass sie sich im Blick auf diese Personengruppe nicht an die kirchenrechtlichen Vorschriften halten, sondern „von der Barmherzigkeit leiten lassen". Damit werde der Gewissensentscheidung der betroffenen Menschen und ihrer Lebenssituation Rechnung getragen. „In unseren Gemeinden gehen wiederverheiratet Geschiedene mit unserem Einverständnis zur Kommunion und empfangen das Bußsakrament und die Krankensalbung. Sie sind tätig als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im PGR, in der Katechese und in anderen Diensten", so die Initiatoren.
Wenn das Thema "Wiederverheiratete Geschiedene in der Kirche" lautet, dann liest man oft von "Barmherzigkeit" und von "Gewissensentscheidung".

Ich bedaure alle Menschen, die eine gescheiterte Ehe hinter sich haben, und ich bedaure alle Menschen, die aufgund einer zweiten Heirat von den Sakramenten ausgeschlossen sind. Aber erstens bedeutet Ausschluß von den Sakramenten nicht Ausschluß vom kirchlichen Leben und der kirchlichen Gemeinschaft. Zweitens bin ich mir nicht sicher, ob ich mich als Priester auf meine "Barmherzigkeit" berufen könnte, wenn ich Menschen zur Kommunion zulasse, die nach kirchlichem Verständnis in beständiger schwerer Sünde (Ehebruch) leben oder ob ich mich auf eine "Gewissensentscheidung" berufen könnte, wenn ich mich über die kirchliche Lehre hinwegsetze und somit ein Gewissensirrtum voriegt. Und drittens finde ich es ausgesprochen unappetitlich, sich stolz an die Brust zu klopfen und zu sagen "Ja, ganz Recht! Seht her! Wir halten uns nicht an kirchenrechtliche Vorschriften", weil diese Aufmerksamkeitsheischerei den Eindruck erweckt, daß es weniger um die Betroffenen geht, als um Kirchenpolitik.

Kommentare:

Richelieu88 hat gesagt…

Warte mal...
Die PRIESTER-Memorandisten aus Freiburg gibt es noch? Schon lange nichts mehr von denen Typen gehört ...

just wondering hat gesagt…

Was ist denn, mal theologisch gefragt, der konkrete "Nachteil", wenn die Betroffenen zwar am kirchlichen Leben teilnehmen können, aber die Sakramente nicht gespendet bekommen. Und bezieht sich das dann nur auf die Eucharistie oder gibt es andere Sakramente, die davon betroffen sind?

Alipius hat gesagt…

@ just wondering: Es ist zwar ein etwas längerer Text, aber ich zitiere hier mal #84 aus dem Apostolischen Schreiben Familiaris Consortio von JPII, weil es die Situation gut beschreibt (Hervorhebungen meine):

"Die Hirten mögen beherzigen, daß sie um der Liebe willen zur Wahrheit verpflichtet sind, die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden. Es ist ein Unterschied, ob jemand trotz aufrichtigen Bemühens, die frühere Ehe zu retten, völlig zu Unrecht verlassen wurde oder ob jemand eine kirchlich gültige Ehe durch eigene schwere Schuld zerstört hat. Wieder andere sind eine neue Verbindung eingegangen im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und haben manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung, daß die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war.

Zusammen mit der Synode möchte ich die Hirten und die ganze Gemeinschaft der Gläubigen herzlich ermahnen, den Geschiedenen in fürsorgender Liebe beizustehen, damit sie sich nicht als von der Kirche getrennt betrachten, da sie als Getaufte an ihrem Leben teilnehmen können, ja dazu verpflichtet sind. Sie sollen ermahnt werden, das Wort Gottes zu hören, am heiligen Meßopfer teilzunehmen, regelmäßig zu beten, die Gemeinde in ihren Werken der Nächstenliebe und Initiativen zur Förderung der Gerechtigkeit zu unterstützen, die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen und den Geist und die Werke der Buße zu pflegen, um so von Tag zu Tag die Gnade Gottes auf sich herabzurufen. Die Kirche soll für sie beten, ihnen Mut machen, sich ihnen als barmherzige Mutter erweisen und sie so im Glauben und in der Hoffnung stärken.

Die Kirche bekräftigt jedoch ihre auf die Heilige Schrift gestützte Praxis, wiederverheiratete Geschiedene nicht zum eucharistischen Mahl zuzulassen. Sie können nicht zugelassen werden; denn ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht. Darüber hinaus gibt es noch einen besonderen Grund pastoraler Natur: Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung.

Die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße, das den Weg zum Sakrament der Eucharistie öffnet, kann nur denen gewährt werden, welche die Verletzung des Zeichens des Bundes mit Christus und der Treue zu ihm bereut und die aufrichtige Bereitschaft zu einem Leben haben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht. Das heißt konkret, daß, wenn die beiden Partner aus ernsthaften Gründen - zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder - der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können, "sie sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind" (Johannes Paul II., Homilie zum Abschluß der VI. Bischofssynode (25.10.1980), 7: AAS 72 (1980) 1082)."

Sprich: Man kann unter bestimmten Bedingungen die Wiederversöhnung im Sakrament der Buße erlangen, wodurch auch die Türe zum Empfang der Eucharistie wieder geöffnet wird. Ein konkreter Nachteil ist die Verweigerung der "physischen" Kommunion. Wiederverheiratete Geschiedene wären somit zur geistlichen Kommunion ermutigt. Dies wäre nicht nur für die Betroffenen sondern für die ganze Kirche ein Vorteil, weil so die Tatsache in Erinnerung gerufen wird, daß die Eucharistie eben nicht nur ein gemeinschaftliches Mahl ist, sondern auch ein Opfer (welches für jeden in der Messe Anwesenden gegenwärtig wird) und ein Sakrament.

Anonym hat gesagt…

Wiederverheiratete Geschiedene befinden sich gewissermaßen in einer Situation, die vergleichbar ist mit den Zöllnern zur Zeit Jesu.

Jesus hat ihr Tun nicht gutgeheißen, sich aber dennoch voll Liebe und Barmherzigkeit ihnen zugewandt.

Im Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllener finden wir eine gute Handlungsanweisung für derartige Situationen:

Der Zöllner bleibt in der Synagoge hinten stehen, klopft sich an die Brust und sagt: "Herr, sei mir Sünder gnädig!". Obwohl der Zöllner zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht bereit war, sein Zöllnerdasein aufzugeben, spricht Christus davon, dass er gerechtfertigt nach Hause ging.

Was wäre passiert, wenn der Zöllner nach vor gegangen wäre, sich neben den Pharisäer gestellt hätte und gesagt hätte: "Herr, dieser Pharisäer, dieser Heuchler ist um keinen Deut besser als ich, dashalb habe ich genauso das Recht, beim Beten ganz vorne zu stehen."? - Wäre er dann auch gerechtfertigt nach Hause gegangen?

Wenn ein wiederverheirateter Geschiedener bei der Kommunion bewusst hinten stehen bleibt, und zu Gott sricht: "Herr, ich möchte Dich empfangen, ich möchte dich lieben, aber momentan schaffe ich es nicht, mein Leben konsequent nach deinen Geboten auszurichten. Sei mir Gnädig und hilf mir!", dann hat er gute Chancen, gerechtfertigt nach Hause zu gehen.

Wenn man diesem Menschen aber einredet: "Geh doch nach vor! Du bist ein toller Kerl, Hab keine Skrupel! Nimm Dir, was Dir zusteht!", nimmt man diesem Menschen damit nicht jede Chance auf Rechtfertigung?

Das soll dann "barmherzig" sein? Gottes Barmherzigkeit sieht anders aus.

Wolfgang e.

gerd hat gesagt…

>>„In unseren Gemeinden gehen wiederverheiratet Geschiedene mit unserem Einverständnis zur Kommunion und empfangen das Bußsakrament und die Krankensalbung.<<

Wenn alle wiederverheirateten Geschiedene zum Bußsaskrament gehen, kann es um die Beichte dort ja so schlecht nicht gestellt sein. Aber was rät der Beichtvater dem Beichtenden? "Geh und sünidge nicht mehr?????