Montag, 4. Juni 2012

Dämmerung...

Mark Steyn über die Dämmerung des Westens:
    The bubble is us, and the assumptions of entitlement. Too many citizens of advanced Western democracies live a life they have not earned, and are not willing to earn. Indeed, much of our present fiscal woe derives from two phases of human existence that are entirely the invention of the modern world. Once upon a time, you were a kid till you were 13 or so; then you worked; then you died. That bit between childhood and death has been chewed away at both ends. We invented something called “adolescence” that now extends not merely through the teenage years but through a desultory half decade of Whatever Studies at Complacency U up till you’re 26 and no longer eligible for coverage on your parents’ health-insurance policy. At the other end of the spectrum, we introduced something called “retirement” that, in the space of two generations, has led to the presumption that able-bodied citizens are entitled to spend the last couple of decades, or one-third of their adult lives, as a long holiday weekend.

    [Die "Blase", das sind wir und unsere Mutmaßungen auf Anspruch. Zu viele Bürger entwickelter westlicher Demokratien leben ein Leben, das sie nicht verdient haben und das zu verdienen sie nicht willens sind. In der Tat stammt ein Großteil unserer gegenwärtigen finanzwirtschaftlichen Wehen von zwei Phasen der menschlichen Existenz ab, die gänzlich eine Erfindng der modernen Welt sind. Einst warst du ein Kind, bis du 13 warst, dann gingst du arbeiten und dann starbst du. Der Teil zwischen Kindheit und Tod wurde an beiden Enden angeknabbert. Wir erfanden etwas, daß sich Adoleszenz/Jugendalter nennt, das sich mittlerweile nicht mehr nur über die Teenager-Jahre erstreckt, sondern auch über eine planlose halbe Dekade Was-auch-immer-für-welcher Studien an der Selbstgefälligkeits-Universität, so lange, bis man 26 Jahre alt ist und keinen Anspruch mehr auf Abdeckung durch die Gesundheitsversicherung der Eltern hat. Am anderen Ende des Spektrums führten wir etwas ein, das sich "Ruhestand" nennt, was uns im Laufe von zwei Generationen zu der Annahme geführt hat, daß körperlich fitte Bürger dazu berechtigt sind, die letzten Jahrzehnte ihres Lebens oder ein Drittel ihres Erwachsenendaseins als ein langes Ferienwochenende zu verbringen]
Hmm...

Also, daß man Kinder nicht nach ihrem 13 Geburtstag zur Arbeit schickt, halte ich schon irgendwie für in Ordnung und für gesunden Menschenverstand. Und daß die Leute nicht arbeiten sollen, bis sie irgendwann entweder tot umfallen oder einfach nicht mehr können, das halte ich ebenfalls nicht für einen beklagenswerten Zustand.

Andererseits ist an Steyns Sätzen natürlich auch etwas dran.

Pat Archbold [HT] hat auf National Catholic Register auf Steyns Text verwiesen und meint einleitend:
    It is all because we are spoiled and selfish. We have lived way beyond our means for generations. We had money for anything and everything that suited our fancy, everything and anything but children. We invented lifestyles we fancied rights and borrowed from the grandchildren we would never make to finance it.

    [Es kommt alles daher, daß wir verwöhnt und selbstsüchtig sind. Wir haben für Generationen weit über unsere Verhältnisse gelebt. Wir hatten Geld für alles Mögliche, für alles, was unseren Launen gelegen kam, für alles, außer für Kinder. Wir erfanden Lebensstile und schwärmten für Rechte und liehen von unseren Enkelkindern, die wir aber nie bekamen, um alles zu finanzieren]
Auf der Ebene des Individuums stellt sich die Situation vielleicht nicht immer so einfach und so schwarz/weiß dar, aber wenn ich auf die westlichen Gesellschaften als Ganze schauen, dann ist da schon etwas dran. Hätten die Tierrechts-Champions, die "Sex egal mit wem und wann und wo, Hauptsache es ist ein Recht und Nachwuchs keine Pflicht"-Truppe und die "Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr und erspart geblieben"-Abtreibungs-Braunhemden nur halb so viel Energie für das Bilden von Familien und das Zeugen von Kindern aufgebracht wie fürs Transparente-Kleben, für Genderstudien und für Reizwäsche-Design, wer weiß, wie's heute um uns bestellt wäre.

Wer weiß... Vielleicht muß der Zölibat eines Tages wirklich fallen. Denn Priester arbeiten immerhin bis ins hohe und höchste Alter, und wenn sie dann noch mit einer gut katholischen Dame verheiratet sind, dann regnet's auch noch Nachwuchs...

Hey! Ist das vielleicht auch ein Grund, warum unsere Gesellschaft sich so am Zölibat reibt?

"Diese Priester sind doch eh Katholiken, die ihren Glauben praktizieren. Dann sollen die doch auch ganz kondomlos für den Nachwuchs in unserer Gesellschaft sorgen, während wir die Ressouren verbraten!"

Kommentare:

damasus hat gesagt…

Bin ja völlig d´accord- aber es ist doch wirklich besser, wenn solche Leute, die Ich-hab-nicht-mehr-als-3-Gehirnzellenplakate wie " Hätt Maria abgetrieben " hochhalten, sich nicht vermehren und somit die Erkenntnisse, die sie mit diesen 3 überforderten Gehirnzellen erlangt haben, nicht an ihre bedauernswerten potentiellen Kinder weitergeben können.

Cassandra hat gesagt…

"Once upon a time, you were a kid till you were 13 or so; then you worked; then you died. That bit between childhood and death has been chewed away at both ends"


History girl speaking:

Auch "früher", also irgendwann zwischen dem Neolithikum un vorgestern, war das mit dem Arbeiten etwas differenzierter.

Kinder der nicht-so-Besitzenden arbeiteten in der Regel früher, Kinder der mehr-Besitzenden eher später.
Arbeit sah für den Sohn eines antebellum-Südstaaten-Plantagenbesitzers anders aus als für seine Tochter, und für die wiederum anders als für das Kind eines Feldarbeiters derselben Plantage. Für dieses Kind fing die Atbeit schon deutlich vor dem 13. Geburtstag an, während der Sohn des Besitzers sehr modern eine Weile an der Uni rumschlumpfte (und mehr scheint da oft auch nicht rausgekommen zu sein).

Mit 13 mit der Arbeit anfangen und längere, qualifizierte Ausbildungen schliessen sich oft aus- wer will schon, dass ein 14jähriger Gehirnchirurgie durchführt? Und das war auch früher so- wie lange brauchte man um Uhrmachermeister zu werden? Manche Dinge brauchen einfach Zeit.
Die Idee, dass der Bachelor-Absolvent mit 22 Jahren 5 Jahre Berufserfahrung bei Studienabschluss hat, davon 7 im Ausland und 3 in internationalen Grossfirmen, dazu 2 bis 3 gemeinnützigen Praktika, auf den Arbeitsmarkt kommt und dadrauf brennt, für 900 Euro 45 Stunden/Woche zu arbeiten... :-)

Menschen werden heute älter als früher- als Bismarck die Rentenzahlungen einführte lag die durchschnittliche Lebenserwartung unter dem Rentenalter UND es war nie geplant, allein von der Rente zu leben, sondern die Kinder sollten entlastet werden und die nötigsten Bedürfnisse abgedeckt werden.

Während der Philosophie-Prof mit 67 noch problemlos Kant lehren kann und oft seine Emeritierung noch nutzt, um endlich mal all das zu machen, was er nie auf die Reihe bekam im akademischen Hamsterrad, hat der Möbelpacker wahrscheinlich schon seit Jahren Rückenschmerzen.
Da mit gleichen Altersmass zu messen scheint zumindest mit unfair.

Der eine fängt früher an zu arbeiten, verdient zu Anfang besser, hat aber relativ fix das Ende seiner Aufstiegsmöglichkeiten erreicht und eine beruf, der seinen Körper verschliesst.
Der andere fängt später an zu arbeiten, seine Ausbildung kostet ihn Geld, er ist ewig-lange dauerpleite, hat aber dafür später deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten und wirs sich auch weniger berufsbedingt mit Bandscheibenverschleiss rumärgern. Und selbst wenn: beruflich stören muss ihn das nicht, er verdient weiter gut.

Ich will niemandem seine Rente wegnehmen. Argumente wie "das können wir uns nicht mehr leisten, jetzt muss jeder an sich denken" (im "echten Leben" mehrfach gehört) zeigen, dass da nicht mal der Egoismus zu Ende gedacht wird: denn der Sprecher dieser schönen Sätze, ein verwandter KFZ-Mechaniker, der die Rentenbeiträge unbedingt behalten wollte, bedachte nicht, dass er von den schiess-mich-tot-Euro, selbst wenn er sie alle in den Sparsocken steckt, im Alter nicht lange leben können wird.


Ob die Zwangsverheiratung aller Priester an gutkatholische Mädels eine Lösung ist?
Nö, denn dazu seit ihr zu wenige. Dazu gibt es von der anderen Sorte zu viele, das könnt ihr innerhalb von einer Generation nicht auffangen, da muss man längerfristig denken :-)


Lösungen habe ich wie üblich keine, sonst würde ich hier nicht rumtippen, sondern würde in die Politik gehen (aber wahrscheinlich nicht gewählt werden)

Cassandra hat gesagt…

Damasus:

das Problem ist, dass die 5-Gehirnzellen-die-völlig-ausgelastet-damit-sind-sich-gegenseitig-festzuhalten-Fraktion sich nicht auf die Indoktrination ihres eigenen (erratisch vorhandenen) Nachwuchses beschränkt, sondern die Welt vor dem Untergang retten muss (dabei könnte nur der Untergang die Welt vor ihnen retten...) indem sie alle anderen aufklären und ihnen sagen, was sie alles falsch machen.

Friedrich Kuhlau hat gesagt…

@Cassandra:

Zunächst einmal: früher studierte man auch durchaus früher (im 18. Jh. zB war Student ab 16 od. 17 keine Seltenheit!) und kürzer! Kaum ein Studium dauerte länger als 4 Jahre. Daran sind die künstlich aufgebauten akademischen Hamsterräder schuld, die Studenten zu letzlich völlig sinnlosen 450-Seiten-Dissertationen mit 800 Fußnoten zwingen - den Mist liest zwar keiner, es bringt die Wissenschaft nicht wirklich voran, ab er es kostet Zeit sowas zu schreiben, und verführt dazu es abzuschreiben, und selbst das kostet sinnlose Zeit!

Weiterer Faktor: unsere für/gegen alles "gesichert-sein-wollende" Zeit investiert unendlich viel in formale Nachweise. Der erste Bankfilialdirektor, den ich als Kunde kennenlernte, war ein Handelsschüler. Sein Nachfolger bereits Maturant, und jetzt werde ich von einem "Kreditreferenten" betreut (also einem besseren "Kanonier Ar..." des Bankwesen, der ein Herr Magister ist). Den meisten Sachverstand hatte aber der erste (längst im wohlverdienten Ruhestand) ...

Wenn ich für alles und jedes fünf Zeugnisse und für jedes Zeugnis 5 Prüfungen verlange, dann habe ich Berufseinsteiger Mitte zwanzig.

Umgekehrt: wenn ich mir durchaus rüstige 55-jährige ansehe, die ihre Pension genießen (und das wollen sie noch auf Jahrzehnte hinaus), dann stimmt doch was nicht! Natürlich: wer mir verspricht, dass ich mit 55 eine nette Pension bekomme und die nächsten 20-25 Jahre statistisch gesehen ein auskömmliches Leben ohne jede Arbeit führen kann, ist das ja was Feines - nur nicht finanzierbar. Und es sind ja nicht die Möbelpacker mit kaputten Bandscheiben, sondern v.a. beamtete und halbbeamtete Schreibtischhengste (und -stuten! Die dürfen's sogar noch früher!), die sich im eher mäßig "verdienten" Ruhestand räkeln.

Andererseits kenne ich einen 85-jährigen Geschäftsmann, der noch immer fast jeden Tag in seinem Geschäft ist, das zwar mittlerweile die Enkel führen, in dem er aber gemeinsam mit seinem Sohn Personalkosten sparen hilft, indem er er paar Stunden arbeitet. Mit unschlagbarer Beratungskompetenz. Und den hält mann bestenfalls für 70, wenn man ihn sieht. Jedenfalls für jünger als irgendwelche vergreiste Kreuzfahrtpensionisten, denn die durch Untätigkeit gefördertte Senilität schon ins Gesicht geschrieben steht!

Cassandra hat gesagt…

Ja, Studenten waren im 18 JH deutlich jünger, machten aber auch nicht immer einen Abschluss. Ein paar Jahre Gelehrsamkeit geschnuppert zu haben reichte den meisten. Das nennt man heute Studienabbrecher, was miese Berufsaussichten heisst.

Ausserdem muss man durchaus bedenken, dass jemand, der im 18. JH an die Uni ging, ehe "studium generale" betrieb als ein durchstrukturiertes Bachelor-Programm durchzuziehen inkl. Auslandssemster mit Credits.

Das ist heute einfach anders, und die Wissensgebiete waren auch vergleichsweise übersichtlich. Heute begreift der Botaniker nicht mehr unbedingt, was der Bio-Kollege von den Genetikern meint. Niemand wüsste heute mehr, wo er den Lehrstuhl der Gebrüder Grimm unterbringen würde.

In Deutschland wird man mit 55 nicht mehr so einfach verrentet. Mein Onkel ist kürzlich frühverrentet worden wg Herzkrankheit mit 62 (geht echt nicht mehr, schon Treppensteigen ist ein Problem) und hat massive Renteneinbussen. Sie kommen durch weil meine Tante noch arbeitet, aber Kreuzfahrten sind definitiv nicht drin wenn man die gelegentliche Ausflugsdampferfahrt auf Neckar und Mosel mal nicht mitzählt.
Das sollte man auch differenziert betrachten.

Mir wird jedenfalls imemr etwas unsicher, wenn der uns bekannte Apotheker mit Mitte 80 und bekannten Augenproblemen noch irgendwas anmischt.

Niemand will Menschen, die ihren Beruf gerne ausgeübt hat, mit Mitte 60 niederknüppeln und aus dem Büro/Laden/wasauchimmer tragen. Aber Kollegin Christina Mirabilis schrieb letztens was über Glück, Berufstätigkeit und Kinderbetreuung: das nicht alle Frauen das Wahnsinnsglück haben, einen erfüllenden Beruf zu haben, viele sitzen an der Kasse, oder stehen irgendwo am Band. Zu behaupten, dass diese Frauen wenn sie als Mütter bei ihren Kindern bleiben, automatisch ihren beruf vermissen müssten, ist an der Realität vieler Putzfrauen vorbei.

Sollte so eine Frau mit 65 nicht seufzen "ich will meinen Lappen zurück" und aus irgendeinem Grund genug Geld angespart haben, um zu reisen: gönnen wir es ihr. Und ihrem Ehemann gleich mit.