Donnerstag, 10. Mai 2012

Zum "pro multis"-Thema...

... steuert eine Gemeinde aus Schweinfurt (Bistum Würzburg) dieses Dramolett bei:
    Für Verwunderung bei den Gottesdienstbesuchern sorgt in der Michaelskirche aktuell das Veroneser Kruzifix aus dem Jahre 1780 mit seinem unübersehbaren Hinweisschild „für alle“ [Könnt Ihr Euch anschauen, wenn Ihr auf den Link oben klickt. Ist ziemlich geschmacksfrei... Der Gekreuzigte als Werbefläche für Anti-Rom-Larmoyanz...]. Vorausgegangen war Ende April die Änderung eines zentralen Liturgietextes durch den Papst. Wie vor dem zweiten Vatikanischen Konzil, das in diesem Jahr 50 Jahre alt wird, sollen die Gläubigen bei der Wandlung im Gottesdienst wieder zu hören bekommen: „Mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

    Seit fast zwei Generationen wurde – wenn man so will – das Blut Jesu bei den Liturgien jedoch ausdrücklich „für alle“ vergossen; „die neue Sprachregelung grenzt aus“ [Falsch. Die neue Sprachregelung erinnert - wie der Papst in seinem Brief übrigens auch erklärt [** zaupfahl-wieder-wegleg **] - an die Verantwortung, die wir als zum Tisch des Herrn Gerufene gegenüber der Welt haben die Verantwurtung, welche "die Vielen" für "alle" tragen], sagt Michaels-Seelsorger Roland Breitenbach. Viele fortschrittliche Christen witterten in dieser Änderung einen Kniefall vor den ultrakonservativen Piusbrüdern, die der deutsche Papst fast um jeden Preis wieder in die katholische Kirche heimholen möchte [Und - schwupp! - schon sind die Fronten geklärt. Auf der einen Seite der Fortschritt und auf der anderen Seite die Ultrakonservativen].

    ...

    Breitenbach: „Es droht erneut Ärger quer durch die Gemeinden.“ Der streitbare Priester fragt: „Soll die Rechtgläubigkeit daran entschieden werden, dass in der einen Gemeinde weiterhin die derzeit gültige Form 'für alle' zu vernehmen ist und in der anderen die vorkonziliare Form 'für viele'?“ Er verweist auf den bekannten Münsteraner Theologen Klaus Müller. Dieser habe festgestellt: „Für den normalen Besucher des Gottesdienstes erscheint dies fast unvermeidlich als ein Bruch mitten im Zentrum des Heiligen.“ Unter den Gläubigen würden Nachfragen laut: „Ist nun Christus nicht für alle gestorben? Hat die Kirche ihre Lehre verändert? Kann und darf sie das? Ist hier eine Reaktion am Werk, die das Erbe des Konzils zerstören will?“
Die beiden fett gedruckten Zitate sind direkt dem Schreiben des Papstes an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz zur Frage der Übersetzung des Kelchwortes entnommen:
    "Wenn diese Entscheidung von der grundsätzlichen Zuordnung von Übersetzung und Auslegung her, wie ich hoffe, durchaus verständlich ist, so bin ich mir doch bewusst, dass sie eine ungeheure Herausforderung an alle bedeutet, denen die Auslegung des Gotteswortes in der Kirche aufgetragen ist. Denn für den normalen Besucher des Gottesdienstes erscheint dies fast unvermeidlich als Bruch mitten im Zentrum des Heiligen. Sie werden fragen: Ist nun Christus nicht für alle gestorben? Hat die Kirche ihre Lehre verändert? Kann und darf sie das? Ist hier eine Reaktion am Werk, die das Erbe des Konzils zerstören will?"
Ich kapiere das einfach nicht.

Ganz offensichtlich hat Pfarrer Breitenbach den Brief des Papstes ja gelesen. Es langt dann noch eben dazu, einem Münsteraner Theologen und "den Gläubigen" die Worte des Papstes in den Mund zu legen. Aber dann geht der Seelsorger (und ich verspüre verstärkt die sündhafte Tendenz, zumindest im deutschsprachigen Raum diesen Begriff äußerst lose zu gebrauchen und zu definieren) hin und macht sich nicht die kleine Mühe, seinen Gläubigen die "für viele"-Entscheidung anhand der restlichen Worte des Papstes zu erklären (was bei dem gut und verständlich geschriebenen Brief nicht gar so schwierig wäre), sondern entscheidet sich für die medienwirksame Ungehorsams-Nummer (inkl einer kleinen Protest-Installation mit einem Kruzifix, damit die Photographen auch 'was zu tun haben).

Ach...

Momentchen mal...

"Photographen"...

Wart' 'ne Sekunde...

Wie war gleich der Name?

"Roland Breitenbach"...

[** am-römsten-Flashback-hab... **]

[** im-Archiv-wühl... **]

[** fündig-werd... **]



Ahh... Okay... Nichts für ungut...

Kommentare:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Spätestens hier, bei der Art, wie Pfarrer Breitenbach den Brief des Papstes rezipiert, zeigt sich, daß bei ihm das Rom-und Papst-Bashing längst zum Selbstzeck geworden ist.

gerd hat gesagt…

>>Für den normalen Besucher des Gottesdienstes erscheint dies fast unvermeidlich als ein Bruch mitten im Zentrum des Heiligen.“<<


Aha, die normalen Besucher des Gottesdienstes. Es gibt also auch unnormale Besucher des Gottesdienstes?


>>Unter den Gläubigen würden Nachfragen laut: „Ist nun Christus nicht für alle gestorben?<<

Dann hat die Katechese ja schon begonnen!

>>Hat die Kirche ihre Lehre verändert? Kann und darf sie das? Ist hier eine Reaktion am Werk, die das Erbe des Konzils zerstören will?“<<

Der Papst ist eine Reaktion. Ich nehme mal an, dass er auch zu den unnormalen Gottesdienstbesuchern gehört. Meine Meinung: Wenn Jesus für viele gesagt hat und nicht für alle, dann hat er sich bestimmt etwas dabei gedacht. Warum dieses für "viele" durch für "alle" ersetzt wurde, konnte mir bisher noch kein Katechet oder Geistlicher klar machen. Wurde da an der Lehre der Kirche eine Aktion vorgenommen?

Sr. Mirjam hat gesagt…

Ich habe es schon einmal an anderer Stelle gepostet, aber ich wiederhole ich ja generell gerne.

Also hier in Albanien hieß es immer: für viele. Da wird kein Bruch kommen, weil die Übersetzung von Anfang an dem Originaltext entsprach.

Hier soll das Wort "geopfert" (das ist mein Leib, der für Euch geopfert wird, heißt es hier nämlich), mit hingegeben übersetzt werden. Das Wort hingeben hat hier aber viele Bedeutungen, man gebraucht es zum Beispiel auch, wenn ich jemandem einige Bücher übergebe. So läuft hier die Diskussion: wie findet man ein passendes Wort, dass den Opfercharakter der hl. Messe weiterhin klar zum Ausdruck bringt...

Wenn die deutsche Katholische Kirche mal wieder meint, sie sei der Nabel der Welt, und die ungenaue Übersetzung von Anno 1965 (or whenever) wäre in anderen Ländern ebenso ungenau verlaufen, so irrt sie auch mal wieder.

Nein, die deutsche Katholische Kirche ist nicht der Nabel der Welt, und er hl. Vater mahnt lediglich eine Revision ungenau übersetzter Stellen an.

So schrecklich einfach ist das. Keine Verschwörung, keine Piüsse, kein Dan Brown und keine vatikanischen Geheimarchive müssen bemüht werden.

Man wunder sich nur über soviel Ignoranz des einstigen Volkes der Dicher und Denker. Scheint ja nicht mehr wirklich viel übrig geblieben zu sein.

Und wenn ich dann noch mitkriege, mit welcher Hochachtung man hier in Albanien von den deutschen Theologen spricht, und was die denken, was hier noch gelehrt und verkündet wird, da schäme mich mich immer heftigst in Grund und Boden. Gut, dass sie es nicht wissen, was in Deutschland wirklich los ist.

Ein Volk der Ignoranten und Mediengläubigen.

Chrysostomos hat gesagt…

Natürlich ist das Selbstzweck. Der schleicht sich mehr oder weniger schnell bei all diesen "Daueraufständlern" ein. Sie werden ja vón ihrer Klientel beklatscht. Und irgendwann können sie ohne diesen Applaus nimmer sein.
Erstaunlich ist nur, daß die Protestantisierung dieser Leute nicht automatisch wenigstens zu einer fraglosen Schrifttreue geführt hat. Dann nämlich dürfte ihnen dieses "für Viele" ja kein Problem sein.

wrtlx hat gesagt…

Oooch der HW Breitenbach ist doch schon seit Jahren offen häretisch und der Würzburger Bischof schaut wie üblich wohlwollend weg.
Dass HW Breitenbach sich jetzt zu diesem Thema antirömisch bewegt ist also der normal erwartete Normalzustand.
Ausserghewöhnlich wäre es gewesen, wenn er mal geschwiegen hätte.

Severus hat gesagt…

@ Sr. Mirjam:
Hervorragender, dringendst notwendiger Beitrag! der Nabel der Welt, von außen betrachtet! Danke!

@ Alipius:
Ich darf mir, wenns recht ist, die beiden Fotos "entleihen"(!?) Kann man immer mal brauchen.

Katharina hat gesagt…

In der Messe auf russisch heiß es ebenfalls "für VIELE"...
In albanisch, wie ich hier lese, auch.
Wie ist es eigentlich in anderen Sprachen?
Heißt es nur in deutsch "für alle"???

Anonym hat gesagt…

Ist ja echt toll, dass sich die "moderner Gelagerten" das diesmal fragen. ("Denn für den normalen Besucher des Gottesdienstes erscheint dies fast unvermeidlich als Bruch mitten im Zentrum des Heiligen. Sie werden fragen: Ist nun Christus nicht für alle gestorben? Hat die Kirche ihre Lehre verändert? Kann und darf sie das?") Als plötzlich nach dem Konzil statt "für viele"(immerhin nach über 1950 Jahren) "für alle" gesagt wurde, gab es damals Rückfragen, Bedenken von Theologen wegen Lehrveränderungen, eines Bruches? Außer Piuskreisen o.Ä. oder Priester, die zwangspensioniert, ans Ende der Welt versetzt wurden..., (da wurde nicht lange gefackelt nach den Fällen, die ich inzwischen kenne), wüsste ich nichts. Wenn es jetzt problematisch ist, war es das vor ca 40 Jahren genauso.

Ich bin zu jung, um noch das "pro multis" zu kennen. Aber wie ich als Jugendliche darauf gestoßen bin, dass es diese Änderung im zentralsten unseres Glaubens gibt, habe ich ziemlich lange Bedenken gehabt, darum gerungen, ob mit dieser Änderung noch eine Konsekration stattfindet, weil es eine Sinnveränderung ist (siehe auch Bulle von Pius V.). Ich kannte niemand, um darüber mal zu reden und kam dann zu der Lösung, dass es für mich als Laie nicht so wichtig ist, da ich sowieso nicht "den Wein" (im Falle einer Konsekration das Blut Christi) empfange. Als mir dann mal unterkam, dass zum Zustandekommen der Wandlung beide Gestalten gehören, taugte die Lösung allerdings nichts mehr. Aber ein längeres Gespräch mit einem (sog.) konservativen Priester (er sagte die Wandlungsworte auch im Novus Ordo fast immer in Latein, da gibts nur eine Möglichkeit;-), half mir etwas. Mulmiges Gefühl blieb allerdings bis heute, mit der großen Freude 2006 (war`s doch?), die vielen Fragezeichen gewichen ist, warum nicht längst umgestellt wurde, zu der althergebrachten Übersetzung, die der Papst auch im dt.Sprachraum wieder möchte.

Anonym hat gesagt…

Denen geht es wirklich nur mehr ums Spalten und Unruhestiften und sonst gar nichts.
Ich find „für viele“ vor allem deshalb besser, weil Millionen Menschen auf der Welt, nämlich Atheisten, Moslems, Juden, Buddhisten etc. mit ziemlicher Sicherheit den Gedanken, Christus habe für sie sein Blut vergossen, vehement ablehnen würden. Würde ich nicht an die Auferstehung glauben, würde ich selber auch nicht wollen, dass irgendjemand und schon gar nicht Jesus, für mich gestorben ist.
Warum wollen diese (clownnasigen) Trotteln diesen Gedanken um jeden Preis allen Menschen aufdrängen, egal ob sie nun an den auferstandenen Sohn Gottes glauben oder nicht.

Anonym hat gesagt…

Ich versteh' die Debatte nicht - in meinem Nestle/Aland steht in den betreffenden Stellen pollon und nicht panton.

Wenn mich meine Griechisch-Kenntnisse nicht komplett verlassen haben, ist das mit "viele" zu übersetzen - wie es die meisten Bibelübersetzungen auch machen.

Curioustraveller

VinceAndJustin hat gesagt…

Als Würzburger Katholik tut mir diese erneute Eskapade im Herzen weh. Da hat man gemeint, dass durch die (eigentlich unnötige) Großherzigkeit des Hw.H. Bischofs dieses leidige Thema Breitenbach endlich beendet würde. Aber nein, der Mann legt immer noch einen nach!

Ich halte mich für einen geduldigen Menschen, der polemische Kirchenkritik recht gut ertragen kann. Aber was da in Schweinfurt passiert, fasse ich mittlerweile als persönliche Beleidigung auf.

Im Übrigen ist es natürlich bezeichnend, dass die Main-Post mal wieder voll auf diesen Mann und seine Aktionen anspringt. Und sie wissen ganz genau, dass sich die große Zahl der römischen Katholiken nicht gegen diese Anfeindungen wehren kann!

Anonym hat gesagt…

Der genannte Pfarrer wurde, wenn ich mich nicht sehr täusche, schon vor einer Reihe von Jahren im Fernsehen gezeigt, wie er einen evangelischen Diakon als Kommunionhelfer einsetzt. Die Gemeinde, in der das geschah, war auf jeden Fall in Schweinfurt und schon damals wunderte ich mich, daß der zuständige Bischof das offenbar hinnimmt.