Donnerstag, 17. Mai 2012

Wie ist das eigentlich?

Ich habe jetzt in deutschen und österreichischen Zeitungen das ganze Elend des zweiten Relegationsspiels von "Todesangst" über "drohendes Blutbad" bis "leichenblaß" geschildert bekommen.

Hertha legt Protest gegen die Spielwertung ein, weil unter den gegebenen Bedingungen die Spieler nicht mehr in der Lage waren, die letzten zwei Minuten angstfrei und mit klarem Kopf zu absolvieren.

Wenn nun die Hertha in diesen letzten zwei Minuten trotz weicher Knie den 2:3 Siegtreffer erzielt hätte, dann wäre dies ja unter genau den Bedingungen geschehen, die Auslöser für den Protest sind. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Hertha auch bei einem Sieg gegen die Wertung des Spieles protestiert hätte, weil ja die Bedingungen so fürcherlich waren? Richtig: Eher gering.

Bei einem Sieg hätte es geheißen: "Unsere Spieler haben sich mit Todesverachtung der Gefahr gestellt, die letzten Kräfte mobilisiert und einen verdienten Sieg eingefahren".

Da das Spiel aber nur unentschieden endete, heißt es nun: "Unsere Spieler wurden von ihrer Todesangst gelähmt und haben keinen Fuß mehr vor den anderen setzen können".

Sind hier wirklich die Begleitumstände der Auslöser für den Protest oder ist es das Ergebnis?

Oder ist der Protest so zu verstehen, daß die Hertha sagt: "Man kann einfach nicht mit Gewißheit sagen, daß wir in den letzten beiden Minuten unter anderen Umständen nicht noch das Tor gemacht hätten. Um das herauszufinden, muß das Spiel wiederholt werden!"

Aber müßten dann nicht streng genommen 10 Herthaner gegen 11 Fortunen beim Stande von 2:1 für Düsseldorf in einer leeren Fußballarena die letzten zwei Minuten noch einmal spielen? Denn daß es den Berlinern bis zu diesem Zeitpunkt nicht gelungen war, das Spiel unter halbwegs normalen Bedingungen zu entscheiden, daß hat zumindest ganz Fußball-Deutschland live miterleben können.

Kommentare:

Bastian (Sierra Victor) hat gesagt…

*zustimm*

ultramontan hat gesagt…

Oh, oh, Padre Lippi macht jetz abba’n janz schlechten Jewinner.

Stellnwa uns die Sache doch ma annersrum vor: Die Fortuna hätte nach nem Chaosspiel mit u. a. 20-minütjer Spielunterbrechung, weil Herthafans den Rasen jestürmt hättn, verloren und anschließend Einspruch jehng die Wertung injelegt. Hätte da der jute Padre denn ooch so’n kritisch-stirnjerunzelten Beitrach jeschriem? Ick jloobe kaum. ;)

gerd hat gesagt…

Die Erklärung der Hertha Führung die Spieler hätten aus Angst keinen Fuß mehr vor den anderen setzen können, íst ziemlich ärmlich, das Gleiche würde dann ja auch auf die Spieler der Fortuna zutreffen um diese hab ich mir jedenfalls mehr Sorgen gemacht. Ich denke die Hertha-Führung greift nach dem Strohhalm und wird ihn vom DFB nicht bekommen. Sollen sie doch nächstes Jahr wieder aufsteigen und fertig ist....

Alipius hat gesagt…

@ ultramontan: Also ganz ehrlich, wenn's genauso abgelaufen wäre, nur mit vertauschten Mannschaften, dann hätte der Düsseldorf-Fan in mir bestimmt irgendwie gehofft, daß Fortuna eine Spielwiederholung erzwingen kann. Aber der nüchterne Betrachter in mir hätte den Verantwortlichen trotzdem insgeheim einen Vogel gezeigt, und der Protest wäre mir (als jemandem, der künftig vielleicht für eine Fortuna jubeln müßte, die sich in die Erste Liga gejammert hat) echt peinlich.

Anonym hat gesagt…

Hat schon jemand den ziemlich daneben liegenden "Vater-unser-Verschnitt" für die Champion-League in der TV-Werbung mitbekommen? Also, wenn ich Fussballfan wäre, würde ich diese Saison streiken, da das für meine Begriffe zu weit geht. ("Unser Fußballgott im Himmel", "vergib uns unsere Fouls, wie auch wir vergeben unserem Schiedsrichter"...) Nach dem 1. ungläubigen Anschauen dieser Werbeeinspielung hab ich weggezappt, als es zum 2.Mal kam.

Sarah hat gesagt…

Irgendwie wird hier auch vergessen, dass aufgrund der Berliner Fans (wie ich ja von dir während des Spiels erfahren habe) das Spiel schon vorher unterbrochen worden ist und zu diesem Zeitpunkt war Düsseldorf mehr als deutlich in der ersten Liga....Man kann nur hoffen, dass das DFB Gericht jetzt keinen Präzedenzfall in Richtung Fanverhalten hervorbringen will....

L. A. hat gesagt…

Nein, strenggenommen, müßten nur jene Zuschauer, die das Spielfeld vor Schlußpfiff stürmten, in einem Remake der letzetn zwei Minuten eben dieses unterlassen.

Um aber die die Dynamik der Situation der Spiel - Situation vor dem Stürmen des Platzes wenigstens einigermaßen zu reproduzieren, sollten wenigstens die letzten 10 Minuten vor dem Zwischenfall so exakt wie möglich simuliert werden. Alle Aktionen im Stadion in dieser Zeit, müssen exakt rekonstruiert werden, jeder Zweikampf auf dem Platz, jedes Handygespräch des Fans Jimmy mit Oma Berta, jedes Detail.

Na, was ist das für ein sensationelles Massenunterhaltungsformat: "Erst alles inszeniert, aber dann: in den letzten zwei Minuten weißt du nicht, was alles hätte passieren können. Damals. In Düsseldorf. Das ist der Wahnsinn!

PS: dieser Beitrag steht Verwertungsinteressen von "Gesellschaftskünstlern" NICHT unentgeltlich zur Verfügung!

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Die Berliner Haltung kann ich irgendwo nachvollziehen, aber das ganze Spiel braucht deshalb nicht wiederholt werden. Einfach die sieben Minuten Nachspielzeit in einem leeren Stadion nochmals spielen lassen, und gut ist.

Josef Bordat hat gesagt…

Naja, es war schon Chaos am Niederrhein... Kenne ich sonst nicht so, obwohl es auch schon mal in Straelen Ausschreitungen gab, als die in der Oberliga spielten.

Problematisch finde ich es aber, die Ereignisse unter "Fan-Gewalt" zu subsumieren. Das war Begeisterung (verständlich), die sich nicht mehr an die Regeln halten wollte (unverständlich).

Als Hertha-Spieler würde ich mich aber für den Protest schämen. Nachdem man 34 mal 90 Minuten schwach gespielt hat und auch gegen die Fortuna 2 mal 90 Minuten - dann wegen 90 Sekunden so tun als ob es daran lag, ist peinlich.

So unsportlich das Verhalten der Fans, so unsportlich ist jetzt der Protest.

Hertha gehört in die Zweite Liga, muss neu aufbauen und endlich mal langfristig planen.

Das gilt auch für den FC.

LG, Josef

maternus hat gesagt…

70 Verletzte sollten allein schon Grund genug für eine Nullwertung des Spiels und eine Wiederholung sein.

Und Pyrotechnik, deren Flamme bis zu 2000°C heiß wird, ist in der Hand von besoffen Idioten in der Nähe auch von Kindern völlig inakzeptabel.

So hart das jetzt klingt, aber wer das nicht sieht, dem sind die Maßstäbe wohl leicht verrutscht.

Alipius hat gesagt…

@ maternus: "Wer das nicht sieht, dem sind die Maßstäbe wohl leicht verrutscht." Ich weiß, deshalb habe ich auch jetzt schnell den Satz aus meiner Artikel gelöscht, welcher da lautete "Ich sehe einfach nicht, daß eine Flamme mit 2000°C in der Hand von Besoffenen in der Nähe von Kindern inakzeptabel ist".

Ernsthaft: Ich habe jetzt auf Google nach "Verletzte", "Hertha" und "Fortuna" gesucht, und alle Online-Berichte, die ich finden konnte, sprachen nur bzgl des KSC-Spiels (bzw der darauffolgenden Randale) von "70 Verletzten". Sicher, daß da nicht ein Artikel simultan von beiden Ereignissen berichtete und irgendwas durcheinandergeraten ist?

maternus hat gesagt…

Hochwürden, du hast recht und ich war im Irrtum. Die 70 Verletzten gab's beim KSC-Abstieg. Ich entschuldige mich.

Alipius hat gesagt…

@ maternus: Kein Problem, kann passieren ;-)