Dienstag, 29. Mai 2012

wahr und schön und gut...

Bereits vor fast zwei Jahren hat der Annuntiator einen Beitrag zum Thema "Schönheit und Gutheit" gepostet.

Über diesen Beitrag bin ich eben gestolpert, weil ich ein wenig über das Dreigestirn Wahrheit, Gutheit, Schönheit gegoogelgrübelt habe.

Der Annuntiator schreibt:
    Aber ich meine mich erinnern zu können, daß Thomas schön und gut mit Wahrheit verbindet: Wo das Schöne und das Gute zusammenfällt, ist Wahrheit.
Wenn ich mich richtig erinnere, dann sind laut Thomas das Gute, das Schöne und das Wahre ontologisch eins und somit austauschbar: Wo immer das Wahre ist, dort ist auch das Gute und das Schöne; wo das Gute ist, dort ist das Schöne und das Wahre und wo das Schöne ist, dort ist das Wahre und das Gute.

Wobei diese Gleichungen aber ganz klar gewissen Beschränkungen unterliegen: Eine oberheiße Braut mag oberflächlich "schön" sein, aber sie kann gleichzeitig ein echter Satansbraten sein (also nicht gut bzw gut nur in dem Sinne, daß der Wille sie als oberheiße Braut (und nicht als gute Samariterin) begehrt und das, was der Wille begehrt immer als "gut" betrachtet wird, eben weil es begehrt wird). Oder, wie gestern gepostet: "Wirkliche Schönheit kann ohne Güte nicht existieren".

Ich denke, da ist tatsächlich etwas dran.

Denn ein schäbiger Charakter kann auch schöne Menschen häßlich machen.

Umgekehrt möchte ich behaupten, daß Güte sogar schön macht. Und zwar "schön" nicht im Sinne von "Boah! Wie oberknackig!", sondern "schön" im Sinne von "Bittebittebitte, lieber Gott, gönne mir noch fünf Minuten mehr in der Gegenwart dieses Menschen!"

Und da kommt dann auch die Wahrheit ins Spiel, weil in solchen Situationen auch immer ein Gefühl so gut wie vollkommener Authentizität, also Echtheit, also Unverstelltheit also Wahrheit mitschwingt.

Für mich stellt sich die Sache demnach so dar: Erst einmal entscheidet, ob ein Mensch gut ist, denn dann ist er auch wahr. Und dann kann man auch mal schauen, wie's mit der Schönheit aussieht (falls die sich nicht aufgrund eben der Güte und Wahrheit bereits von selbst einstellt).

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Darf ich mal? Ich meine ein bisschen mein Thomaslämpchen dreinhalten?

Dieses "bonum et verum convertuntur", gut und schön ist das gleiche und nur in den Vernunftbegriffen unterschieden gilt bei den Thomisten wirlich als Standart der Transzendentalienlehre Eigentlich aber eher nur für die fünf Begriffe ens, unum, aliquid, bonum und res. Thomas behandelt die Schönheit hier und da (in der theol. Summe zum Beispiel) aber genau so, wie ein transzendentale und sieht die Schönheit in der Tat als geradezu identisch mit gut und wahr.
Ich glaube, man kann also sagen, dass bei Thomas schön, gut und wahr geradezu eins sind und vor allem zusammen gehören.
Sofern das alles aber nur auf der Transzendentalienebene gesagt wird, gilt das eigentlich erst einmal nur für das ontologisch Seiende, also eher nur für die Dinge, insofern sie sind.
Wenn wir das ganze eine Etage höher heben, kann es schwierig werden. Alles, was ist, ist gut, sofern es ist. Aber eben nur sofern es ist. Insofern die Braut ist, sie gut, wahr und schön. Wenn man aber manche Braut sich anschaut, hört einem schon mal alles auf wahr und gut zu sein, und vor allem schön :)
Auf dieser, über der ontologischen Ebene hinaus sagt Thomas eher allgemein den wunderschönen Begriff: Schön ist "quae visa placent" das einen erfreut, sobald man es sieht.
Gruß und schönen Abend noch :)
Jo

Alipius hat gesagt…

Danke für den Input! Klar, daß Thomas sich auf der Ebene der Transzendentalien bewegt, aber es ist eben auch verlockend, zu sehen ob und wo sich da auf unserer Ebene Parallelen zeigen, sprich, wo man tatsächlich das Wahre und das Gute und das Schöne zusammen findet und es scheint, als würden diese Dinge sich gar einander bedingen.

Catocon hat gesagt…

Ganz ohne philosophische Reflektionen möchte ich hier das folgende Zitat von Peter Kreeft in die Runde werfen:

"The most beautiful thing on earth is a saint"