Mittwoch, 23. Mai 2012

Versteh' ich nicht...

Ganz unabhängig von Debatten wie "Angeboren oder nicht?" und "'Heilbar' oder nicht?" drängt sich beim Betrachten der Geschichte um Bischof Juan Antonio Reig Plá von Alcalá de Henares/Spanien eine andere Frage auf: Wenn ein Bischof in einer Predigt (mit zugegebenermaßen negativ besetzten Ausdrücken) die katholische Lehre bzgl. der Homosexualität verkündet und auf die zu erwartenden Angriffe damit reagiert, daß er auf seiner Webseite Zeugnisse ehemaliger Homosexueller veröffentlicht, leistet der Stadtrat der homosexuellen Sache dann nicht einen Bärendienst, wenn er über den Bischof ein Sprechverbot bei offiziellen Anlässen verhängt und darum ersucht, daß der Bischof in eine andere Diözese versetzt wird?

Was waren das nochmal gleich für Staaten, aus denen wir Maulkörbe, Einschüchterungsversuche und Einschränkug der Redefreiheit kennen?

Ein Ex-Homosexueller schrieb dem Bischof von der "schwulen Lüge", eine Wendung, die ich aus dem Zusammenhang für viel zu polemisch gehalten hätte. Wenn ich aber jetzt sehe, wie hysterisch man darum ringt, den Bischof stillzulegen, dann denke ich halt schon, daß es da Dinge gibt, die keinesfalls ans Tageslicht sollen. Und da saust die Nadel auf der Glaubwürdigkeitsskala fix gegen rot.

Immerhin: Morddrohungen, Aufrufe zum Mord, Androhung von Brandanschlägen oder Sachbeschädigung gab es im Fall des Bischofs bisher offenbar noch nicht...

Die Welt hat doch auch sonst zu keinem Zeitpunkt auch nur das geringste Problem entweder durch Statistiken oder durch persönliche Zeugnisse auf jeden nur denkebaren Mißstand in jeder nur denkbaren "Community" aufmerksam zu machen. Das bedeutet dann ja nicht, daß deswegen automatisch die ganze "Community" verdorben ist (mit der hochwahrscheinlichen Ausnahme der "Kinderficker-Sekte"...), also warum gibt es da bei den Homosexuellen solche massiven Panikschübe?

Kommentare:

Cinderella01 hat gesagt…

Die "ticken" eben so.
Diesen Artikel habe ich heute in der SZ gefunden:
www.sueddeutsche.de/muenchen/abgesagter-christoper-street-day-in-kiew-fuer-die-teilnehmer-waere-es-brenzlig-geworden-1.1363016
Es geht um die Absage eines CSD in Kiew. Besonders bemerkenswert ist dieser Satz:
"... auf der anderen Seite Orthodoxe mit Kreuzen und Gewändern - fast wie bei einer Prozession... "

Man könnte den Eindruck gewinnen, da fürchtet sich jemand vor Kreuzen, Gewändern und Gebeten.

Gerd hat gesagt…

Ich weiß, dass dieser Vergleich eventuell hinkt, aber ich bringe ihn trotzdem. Als Jesus einen Dämon austrieb wurde er mit der Frage konfrontiert, "Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Wir wissen wer Du bist, der Heilige Gottes!" Die Panikschübe der homosexuellen Lobby haben doch einige Gemeinsamkeiten mit dieser Erzählung. Was wollt ihr von uns? Wir wissen, dass homosexuelle Lebensweise ein Widerspruch in sich ist, aber wir wollen mit diesem Widerspruch nicht konfrontiert werden. Kürzer aber prägnanter hat es einmal Wowereit gesagt: Ich bin schwul und das ist auch gut so! Spielt sich da im Hinterzimmer des Gewissens nicht ein Konflikt ab, der dieses lächerliche Comming Out nicht ad absurdum führt! Bei jeder Beichte kann der Christ an sich selber beobachten: Es ist immer schwierig die eigenen Fehler und Schwächen zu erkennen, zu bekennen und sich um eine Änderung des eigenen Verhaltens zu bemühen. Wenn jemand sein eigenes Verhalten als fehlgeleitet erkennt, sich aber hartnäckig weigert eine Änderung herbei zu führen, dann ist Panik eine logische Folge.

Johannes hat gesagt…

Zunächst sollte man zwischen den politisch nicht aktiven Homosexuellen und der Homopolitik unterscheiden. Den meisten Homosexuellen geht die Debatte am Bürzel vorbei, die haben genug Probleme damit, ihren nicht einfachen Alltag zu organisieren. Den "gay proud" gibt es im übrigen nur im Märchen. Ich habe einige gute alte schwule Freunde, von denen ist keiner "stolz" und auch keiner "glücklich" mit seiner Veranlagung. Es ist so wie es ist, und man richtet sich damit ein. Der Aufschrei kommt von den Homopolitikern, keineswegs nur den Schwulen selbst, die Jahrzehnte der Propagandaarbeit damit aufgewandt haben, der Öffentlichkeit weiszumachen, daß Homosexualität eine "normale" Variante der menschlichen Sexualität sei. Die sehen ihr Lebenswerk vernichtet, wenn sich die wissenschaftlich gut begründete Auffassung wieder verbreitet (die übrigens nicht nur vom Urvater der Psychologie, sondern auch von dem Urvater der Sexpolbewegung Wilhelm Reich geteilt wurde) daß Homosexualität eine Verirrung ist. Der größte Teil der Homobewegung ist im übrigen heterosexuell. Denen kommt es darauf an, daß ihre Form sexueller Beziehung - die Ex- und Hopp Variante - inclusive der Perversion der Bisexualität eben normal ist. Die Schwulen werden da nur vorgeschickt.

Charlotte hat gesagt…

Homosexualität war lange genug ein Strafbestand im weltlichen Gesetz, und das bis in die junge Neuzeit, um homosexuell lebenden Menschen Angst zu machen, in einem Atemzug mit Kriminellen genannt zu werden (siehe die zitierten Ausschnitte aus der Predigt).
Ich habe Kinder, ich bin vulnerabel. Mir ist die prekäre Situation homosexuell lebender Menschen nur allzu bewusst; Griechenland und seine laute Rechte zeigt, dass es sehr schnell wieder bergab gehen kann.
Ich möchte nicht in einem Atemzug mit Dieben genannt werden. Eine Kriminalisierung, eine Gleichstellung mit Straftätern des weltlichen Gesetzes ist nicht zu tolerieren und macht - in der Tat - vielen Menschen Angst.
Es muss unterschieden werden zwischen Sündern und Straftätern, und zwar peinlich genau, denn das eine ist die Domäne des Bischofs, das andere aber ganz sicher nicht. Das Label einer Verwirrten, Verirrten, einer getriebenen Seele oder heilbar Erkrankten juckt mich nicht, das geht mir am A**** vorbei. Ich bin zufrieden und deshalb nicht auf Krawall gebürstet.
Aber die Gleichsetzung mit Kriminellen (und diese ist bewusst rhetorisch vorgenommen worden) geht nicht. Und das macht Angst. Und nicht jeder Verängstigte setzt sich jammernd in die Ecke.

Alipius hat gesagt…

@ Charly: Klar ist es blöd, daß da in einem Satz die Diebe und die Homosexuellen stehen. Aber der Bischof redete die genannten Gruppen (Diebe, Ehebrecher, Homosexuelle) in ihrer Eigenschaft als Sünder an ("Beispiel einer sündhaften Lebensweise"). Und somit vollzieht der Bischof ja genau die von Dir geforderte Unterscheidung (Sünder/Straftäter). Er war also punktgenau in seiner Domäne unterwegs.

Das Problem ist nur, daß das, was der Bischof aufgezählt hat, in der Kirche tatsächlich als Sünde zählt, in der Gesellschaft aber nur bedingt als Verbrechen: Diebstähle sind verboten, klar. Ehebruch ist zivilrechtlich eine unerlaubte Handlung, wird aber strafrechtlich nicht mehr verfolgt. Und gelebte Homosexualität ist - nicht immer und überall - kein Vergehen mehr. Klar ist, daß es Staaten gibt, die noch eine fette Bringschuld haben, was den Umgang mit Schwulen und Lesben betrifft und daß die Kirche da den schmalen Grad finden muß, einerseits die Homosexualität nicht einfach auszuklammern oder neu zu bewerten aber andererseits immer und immer wieder daran zu erinnern, daß Gewalt gegen Schwule und Lesben niemandes Leben einfacher macht und darüberhinaus grundsätzlich nicht läuft, und zwar nicht nur, weil Schwule und Lesben "auch Menschen" sind (was eine erniedrigende und bekloppte Aussage wäre) sondern weil sie es eben in manchen Bereichen der Gesellschaft immer noch schwer genug haben und somit wissen sollten, daß sie in bestimmten Belangen in der Kirche durchaus gut aufgehoben sind.

Noch ein Wort zu den "Verängstigten": Ich habe nun innerhalb von zwei Jahren dreimal direkt auf den Kopf zugesagt bekommen, daß ich ein Kinderficker bin und darf - zumindest nach Meinung des Amtsgerichtes Berlin-Tiergarten - auch als Mitglied einer Kinderfickersekte bezeichnet werden. Da werden nicht zwei Begriffe in einem Atemzug genannt, da wird mir meine Kriminalität direkt ins Gesicht gesagt. Und da bekomme ich es hin und wieder auch mit der Angst zu tun, weniger, wenn ich diesen Individuen gegenüberstehe (diese Situationen habe ich im Griff) sondern eher, wenn ich an den Bodensatz denke, der momentan (im Internet und auch außerhalb) gegen Christus und Kirche nicht uneffektiv mobilisiert wird. Okay, ich sitze nun deswegen auch nicht grade jammernd in der Ecke. Aber andererseits ziehe ich auch nicht los und werfe Scheiben ein oder drohe mit Mord.

Charlotte hat gesagt…

Ich respektiere die Bezeichnung "Sünde" und "Sünder". Und ich respektiere Menschen, die ihre Homosexualität überkommen möchten. Respekt:
Wo wir beim nächsten Punkt wären: Dich als "ichwiederholdaswortjetztnicht" zu bezeichnen, ist für mich eine Sache, die allerdings vor jedes weltliche Gericht gezerrt werden sollte und hoffentlich auch könnte. Ich bewundere Deine Haltung. Die in Deutschland gerichtlich erlaubte Bezeichnung der Katholischen Kirche als "ichwiederholdaswortjetztnicht"-Sekte lässt mich sprachlos zurück. In einem Land, wo PC inzwischen lächerliche Blüten treibt und Maulkörbe zuhauf verteilt, ist das ein Skandal.
Dennoch muss ich darauf bestehen, dass die in vielen Kreisen gern gehabte Tendenz, Homosexuelle ins Kriminelle zu biegen, gefährlich und nicht tolerierbar ist (auch die gern gehabte Tendenz, Homosexuelle in Verbindung mit sexueller Gewalt gegen Kinder zu erwähnen).
Zur Gewalt: Alle Steineschmeißer haben Unrecht. Jetzt mal pauschal in den Ländern, wo man seine Meinung auch durchaus mit schriftkulturellen Behelfen kundtun kann. Aber Gewalt erzeugt Gewalt, und IMMER beginnt diese Gewalt im Sprechakt. Bei youtube kursiert gerade ein Film, in dem ein amerikanischer Prediger fordert, Homosexuelle hinter elektrische Zäune zu sperren und mit dem Heli so lange Nahrung abzuwerfen, bis sie aufgrund des Reproduktionsproblems ausgestorben seinen (begeisterte Zurufe aus der Gemeinde. Effektiv mobilisierter Bodensatz). Sprache, die macht, dass demnächst vielleicht mehr fliegt als nur ein Stein.
Gedanken, Worte, Taten.
Damit kann man nicht vorsichtig genug sein, finde ich.

Alipius hat gesagt…

@ Charly: Ja, ich finde auch, daß man Schwule und Lesben nicht einfach unbedacht und leichtfertig (manchmal vielleicht auch bewußt und scharf kalkulierend?) mit Kriminellen in Verbindung bringen darf. Das ist Blödsinn. Ich halte daher auch all diese Untersuchungen, ob Homosexuelle nun eher psychisch labil sind, zu mehr Drogenkonsum neigen und eine niedrigere Lebenserwartung haben für wenig hilfreich, so lange die Ergebnisse nicht dazu dienen, den Leuten eben aus diesen Sackgassen rauszuhelfen. Und das tut man als Christ nur, wenn man den Menschen bedingungslos erst einmal als Mit-Geschöpf und somit als Bruder/Schwester in Christus sieht, wenn man die Vorurteile stecken läßt und sich die Mühe macht, die Person und das Individuum aus der Klischee-Schublade herauszulassen. So zumindest ist es mir möglich, den "Kinderficker"-Rufern nicht mit gezücktem Messer zu begegnen, sondern sie aufprallen zu lassen, sie abzufedern, sie locker zu machen und sie etwas entspannter in die Welt zurückzuschicken. Ich denke, daß es da draußen auch viele Schwule und Lesben gibt, die dem spanischen Bischof exakt das gleiche Wohlwollen entgegenbringen würden. Dies nicht nur, weil er in seiner Wortwahl dezenter war als die "KiFi"-Schreier, sondern weil ich im Moment so ein wenig die Hoffnung habe, daß sich abseits des medial gesteuerten Boxringes, in dem sich Kirche und Homosexuelle zur Freude des Publikums auffe Fresse geben, ein Spielfeld auftuen kann, in dem man ohne Mikrophone und Kameras (und vor allem ohne ein Auge auf Auflagenstärke oder Einschaltquoten zu werfen) von beiden Seiten aus das Thema entspannt angehen kann.