Dienstag, 22. Mai 2012

Uh-oh...!

[Zur Erklärung: Mir geht es hier nicht um das Urteil über den Buddhismus, von dem ich wohl weiß, daß er in seinen Spielarten von westlich-hollywood-hip bis eingeboren-hardcore mehr zu bieten hat, als Laun hier preisgibt. Mir geht es um die zweifelsohne zu erwartenden Reaktionen, wenn diese Nachricht in die entsprechenden Kreise durchsickert]


Weihbischof Andreas Laun schreibt auf kath.net:
    Was zieht die Menschen am Buddhismus an? Mein Verdacht: Es ist eine Weltanschauung, die zu nichts verpflichtet, sie kennt keine Gebote Gottes, für die der Mensch einmal Rechenschaft ablegen müsste!
Der "Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Inquisition, Nazi-Papst, Prada-Schuhe"- Chor setzt ein in 5... 4... 3... 2...

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Klar. Und es gibt immer eine zweite Chance. "Nicht gut genug gelebt? Egal, dann nutz ich halt die nächste Chance, Nirvana zu erreichen ..."

Anerkennendes Nicken in Richtung des Bischofs!

Curioustraveller

Cinderella01 hat gesagt…

Da ist Herr Weihbischof Laun aber dem "Modebuddhismus" der sog. Promis aufgesessen und der hat nun mal mit dem richtigen Buddhismus gar nichts zu tun.
Es war das Meditations-Handbuch eines buddhistischen Mönchs, das mich "heim" geführt hat. Dadurch habe ich erkannt, was für ein großes Geschenk es ist, als Christ geboren zu werden.

Wenn man das "Wheel of Life" des tibetischen Buddhismus mal durchgearbeitet hat, erschrickt man nur noch, denn auch der Buddhismus kennt eine Hölle .... und einen Himmel. Und wenn man meditieren will, muss man vorher Buddha seine Sünden bekennen.. ... Auch buddhistische Mönche leben zölibatär und was die über Sex sagen, würde bei unseren Hedonisten tagtäglich Schreikrämpfe hervorrufen. Außerdem sind auch im Buddhismus die Frauen nicht gleichberechtigt usw. Ich denke, die möchtegern-Buddhisten haben sich mit diesen Themen niemals intensiv befasst und beschränken den Buddhismus auf Kerzen und Räucherstäbchen, Ayurveda und was es da sonst noch so alles gibt.

Josef Bordat hat gesagt…

Wobei das mit der fehlenden Verpflichtung ziemlich an der Oberfläche kratzt und/oder polemisch zugespitzt formuliert ist, mit dem Blick auf eine ganz bestimmte Richtung „buddhistischer“ Praxis in Europa. Man sollte aber den Buddhismus grundsätzlich nicht anhand seiner okzidentalen Zerrformen beurteilen. Da muss man differenzieren. So wenig die IRA exemplarisch für die Katholische Soziallehre steht, so wenig stehen Kreuzberger Hinterhofworkshops in der Regel für die buddhistischen Spiritualitäten.

Ich will aber auch das nicht pauschal schlecht gemacht wissen – es mag auch Europäer geben, sogar Berliner, die sich ernsthaft mit dem Buddhismus beschäftigen. Gewisse Praktiken (etwa die gegenstandslose ZEN-Meditation) sind längst auch Bestandteil bestimmter Formen der christlichen Spiritualität. Oft gelingt es gerade so, verlorene Beziehungen zu den christlichen Wurzeln dessen, was man für gewöhnlich dem Buddhismus zuschreibt, vorzudringen (Stichwort: Mystik).

Zurück zur Sache: Es gibt sehr wohl im Buddhismus Pflichten, etwa im Bereich der Moral, die sogar durch entsprechende Verpflichtungsformeln (Gelübde) bekräftigt werden – und das nicht nur für Mönche, sondern auch für „Laien“. Es sind keine „Gebote Gottes“, richtig, sondern ethische Grundsätze, aus denen diese Verpflichtung erwächst. Das mag man suboptimal nennen, aber es derart unreflektiert in die Pfanne zu hauen, ist völlig unnötig, denn bei näherer Betrachtung entsprechen die moralischen Pflichten im Buddhismus etwa dem, wozu sich der Christ durch die Zehn Gebote, die Goldene Regel, die lex nova und sein Gewissen verpflichtet weiß.

Umgekehrt halte ich es für problematisch, den Vorzug der christlichen Ethik ausgerechnet in der „Rechenschaftspflicht“ des Menschen vor Gott zu erkennen – und nicht in der Liebe, die aus der personalen Beziehung Gottes zum Menschen entsteht. Das fehlt in der Tat im Buddhismus: Gnade, Barmherzigkeit, Vergebung. Jesus kam, um die Menschen zu erlösen. Buddha kam, um die Menschen die Selbsterlösung zu lehren. Das ist der fundamentale Unterschied.

JoBo

Josef Bordat hat gesagt…

Auch die Bemerkung von Curioustraveller finde ich wenig geeignet für eine Kritik der buddhistischen Ethik, weil es eine Gleichgültigkeit unterstellt, die den Grundsätzen der Moral, wie sie der Buddhismus für die Praxis vorschlägt (z.B. „Achtsamkeit“), völlig entgegensteht und damit am Ende ja ausgesagt wird, dass Buddhisten ihre eigene Ethik nicht ernst nehmen. Das halte ich als Pauschalaussage für sehr, sehr weitgehend und schlechterdings nicht durch meine Erfahrungen belegbar. Im Gegenteil. – Man muss diese „Kommste heut nicht, kommste morgen“-Gleichgültigkeit des „Egal“ übrigens unterscheiden von der Interesselosigkeit oder der Willensverneinung, die das eigene Ego zu überlisten versucht. Aber das ist ein anderes Thema.

So etwas lässt sich übrigens spielend leicht auch auf die christliche Ethik anwenden, gerade, wenn wir dort von Gnade sprechen. Ist dann nicht erst recht alles erlaubt, wenn „Jesus alles vergibt“? Wer kennt das nicht: „Ihr Katholiken könnt ja einfach beichten gehen, dann ist wieder alles klar! Kein Wunder also, dass ihr euch so [setze wenig schmeichelhaftes Adverb ein] verhaltet!“ Freilich ist das fundamentalen Missverständnissen gegenüber der christlichen Ethik und gegenüber dem katholischen Sakrament der Versöhnung geschuldet (wenn es nicht ohnehin nur billige Provokation ist), aber ich müsste mich sehr täuschen, wenn der Einlassung von Curioustraveller nicht analoge Missdeutungen, diesmal den Buddhismus betreffend, zugrunde lägen.

JoBo

Anonym hat gesagt…

Ganz interessant fand ich, dass der Dalai Lama im jüngsten Interview mit dem ORF sagte, es wäre für Christen besser, sie würden Christ bleiben, als zum Buddhismus zu konvertieren, das sei für sie sicherer.
Damit hat er schon allein deshalb recht, weil man sich in seiner „Heimatreligion“ einfach viel besser zurecht findet als in einer unbekannten, die man leichter missversteht.
Jedenfalls spricht diese Aussage für ihn.
Die meisten seiner oberflächlichen, europäischen Anhänger haben nicht diese Intelligenz und dieses Format.

Josef Bordat hat gesagt…

Zum Nachtrag: Da bin ich ganz bei Dir, Alipius. Zumal dieser Chor erfahrungsgemäß weder vom Christentum noch vom Buddhismus allzu viel weiß.

JoBo

Anonym hat gesagt…

@Josef Bordat:

Man sollte aber den Buddhismus grundsätzlich nicht anhand seiner okzidentalen Zerrformen beurteilen.

D'accord! Nur ist Differenzierung nicht immer eine Stärke Laun'scher Wortmeldungen ...

Anonym hat gesagt…

Ja, schon recht, genau so wie Menschen am Christentum anzieht, dass sie weitgehend kritiklos einem strengen, genau definierten Regelwerk folgen können, das ihnen die Last des Selber-Entscheiden- und Denken-Müssens abnimmt...

Man kann IMMER billige Pauschalurteile ohne besonders viel Sachverstand fällen, offensichtlich ist das Laun hier bravourös gelungen.

Imrahil hat gesagt…

Es scheint ein Gemeinplatz hervorragender katholischer Christen zu sein, für Glaubensabfall die Immoralität verantwortlich zu machen.

Ofteinmal ist es aber, with all due respect, nicht so einfach... So führt, um nur ein Beispiel zu nennen, viel eher das Problem mit dem Glauben zu vorehelichem Sex, als umgekehrt.

Was die moderne Anziehungskraft des Buddhismus betrifft, so ist diese in ernstzunehmender Form schlicht nicht vorhanden (die einzelfälligen Ausnahmen, von denen @JoBo gesprochen hat, natürlich ausgenommen).

Was es davon früher gab, lag daran, daß der Buddhismus teilweise von Europäern mit dem Hinduismus über einen Kamm geschert wird; für den *Hinduismus* gab es Ende 60er, Anfang 70er vielleicht tatsächlich einen Hype, den ich auch noch von allen derartigen Erscheinungen am ehesten auf Immoralität zurückführen würde, aber auf eine ganz spezifische Sünde: nämlich den Drogenrausch... im übrigen Aberglaube im klassischen Sinn (das Steigerungslaster der Religiosität, gemäß Scholastik), nicht irgendwas anderes.

Ansonsten gibt es keinen Hype um den Buddhismus mehr und auch um den Hinduismus nicht. Metallica betete in "Enter Sandman" (jawohl): "When I lay me down to sleep, pray the Lord my soul to keep. If I die before I wake, pray the Lord my soul to take" und nicht irgendein fernöstliches Zeug.