Sonntag, 6. Mai 2012

Rüpel allenthalben

Im September 2010 geschah dies:
    Inmitten der Debatte über muslimische Zuwanderer und die geplante Koran-Verbrennung in den USA würdigt Kanzlerin Merkel den dänischen Mohammed-Karikaturisten Westergaard. Merkel ruft dazu auf, verantwortungsvoll mit der Würde des Menschen und der Religionsfreiheit umzugehen. Deutsche Muslime kritisieren die Auszeichnung. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Mut des Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard gewürdigt. "Die Folgen für den Zeichner sollten uns mahnen", sagte Merkel.
Im Mai 2012 kratzt pro NRW sich am Kopf und fragt: "Was waren denn nochmal gleich die Folgen für den Zeichner?"

Kurz darauf waren die erwarteten Reaktionen da.

Alles, was in Solingen und in Bonn geschehen ist, ist aus tausend Gründen falsch.

Die Aktionen von pro NRW waren ultra-redundant: "Hey! Komm! Wir zeigen in der Öffentlichkeit und in der Nähe von Salafisten ein paar Mohammed-Karikaturen, um zu zeigen, daß die Salafisten daraufhin total durchdrehen und um somit zu beweisen, daß sie dünnhäutig und gewaltbereit sind". So etwas im Jahre 2012 zu sagen ist so, als sagte man "Ich laß jetzt diesen Apfel los, um zu zeigen, daß er zu Boden fällt und um somit zu beweisen, daß es Schwerkraft gibt".

NATÜRLICH flippen die Salafisten aus. NATÜRLICH brennen sie darauf, herauszufinden, inwieweit Gewalt sich bereits als Mittel zum Zweck empfiehlt, sei dieser Zweck nun breitere Rekrutierung weiterer frustrierter junger Kerle mit schlichtem Schlag-drauf-und-Schluß-Gemüt oder sei es der heißgeliebte Opferstatus (Diese Routine wird übrigens langsam erkennbar... Naja, eigentlich schon länger...). Andererseits kennt man diese Opfer-Nummer mittlerweile natürlich auch von allen möglichen Anti-Jihad-Leuten.

Aber, bei allem zu erwartenden Zorn seitens der Salafisten: Man muß das öffentliche Zurschaustellen von Mohammed-Karikaturen ertragen. Denn es sind nicht diese Karikaturen, die den öffentlichen Frieden gefährden, sondern verunsicherte Rüpel, die sich in den Schoß simpelster Weltbilder flüchten und es nicht ertragen, wenn der Rest der Menschheit diese Bilder nicht teilt. Dabei ist es erst einmal unerheblich, ob besagte Rüpel nun zu pro NRW oder zu den Salafisten gehören. Extremismus geht nun mal in keine Richtung so wirklich.

Die Karikaturen-Provokation war somit eigentlich eine Mogelpackung, weil sie nichts Neues brachte sondern nur die Fronten verhärtete. Allerdings mag Frontenverhärtung hier ganz im Sinne beider Seiten sein, welche sich gegenüberstanden. Klar wäre dann, daß vergleichbare Konflikte künftig nicht mehr mit "Moslems gegen Christen" oder "Araber/Türken gegen Deutsche" oder "Islamisten gegen Rechte" betitelt werden müssen, sondern streng genommen mit "Gleich gegen Gleich". Vergessen wir nicht, daß sowohl Salafisten als auch pro NRW als verfassungsfeindlich gelten und somit die eigentliche Trennlinie zwischen potentiell oder aktuell gewaltbereiten Radauniks auf der einen und dem Rest der Gesellschaft auf der anderen Seite bestehen sollte.

Bedenklich finde ich es allerdings schon, daß die körperliche Gewalt in beiden Fällen von den Salafisten ausging.

Sei's drum: Unsere Aufgabe als Christen ist es, diesen Extremisten das Wasser abzugraben, indem wir ihnen eine Welt zeigen, in der nicht derjenige gewinnt, der mehr haßt, nachhaltiger prügelt und melodramatischer gegen andere die Opferrolle einnimmt, sondern derjenige, der mehr liebt, aufrichtiger die Hand reicht und selbstverständlicher für andere ein Opfer bringt.

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich habe hier schon mit dem medial verwendeten Begriff "Provokation" Schwierigkeiten. Natürlich muß man sich nicht mit den Karikaturen dorthin stellen, ich jedenfalls würde nicht. Das hat aber eher etwas mit Anstand zu tun.

Wiederum muß man aber, sieht man eine solche Darstellung, nicht völlig austicken, sondern kann durchaus Contenance bewahren. Wenn ich denke, was den Christen beim 1000-Kreuze-Marsch – ohne diese beiden Anlässe irgendwie vergleichen zu wollen - alles an Schmähungen entgegengebracht wird und wir gehen einfach weiter. Eine Option, die meines Erachtens auch für Salafisten in Frage käme.

Cassandra hat gesagt…

Das sehe ich leicht anders.

Paragraph 166StGB verbietet die Beschimpfung von Religionen, Bekenntnissen oder Weltanschauungen in einer Art, die geeignet ist, den öfentlichen Frieden zu stören.

Bewusst an einer Moschee vorbeizuziehen und dabei diese Karikaturen hochzuhalten... das erfüllt für mich als Nicht-Juristin diesen tatbesatnd.

Mit der Existenz dieser Karikaturen muss jeder Leben.
Auch damiot, dass sie irgendwo in einer zeitung abgedruckt werden.
Sie direkt vor der Moschee auszupacken ist was anderes.

Das hat nicht nur mit der den öfentlichen Frieden störenden Reaktion der Salafisten zu tun (die in der Tat zu erwarten war), sondern mit dem Willen zur bewussten Beleidigung, der dem friedlichen Zusammenleben niemals zuträglich ist.

Gesetze gelten für alle- das ist einer dieser Rechtsgrundsätze, von denen man sich nicht verabschieden darf. Sogar wenn sie Salafisten schützen.

Alipius hat gesagt…

Natürlich hast Du Recht, wenn Du Dich um den öffentlichen Frieden sorgst.

Aber wenn man einzelne Vorkommnisse betrachtest, dann sieht man doch, daß es hier Unterschiede gibt. Z.B. hängt der öffentliche Friede manchmal von den "Tätern" ab und manchmal von den "Opfern" (siehe Kommentar von Braut des Lammes). Zudem ist bei der Instabilität des durchschnittlichen islamischen Extremisten der Abdruck einer solchen Karikatur in einer Zeitung ebenso dazu geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören und müßte demnach dann auch verboten werden.

Cassandra hat gesagt…

Icjh sehe einen Unterschied, ob man sich angepisst (Entschuldigung für die deutliche Sprache, aber das scheint mir das treffenste zu sein) fühlt weil irgendwo auf der Welt jemand was malt, was mir nicht passt oder ob diese Zeichnung mit der Intention, mich zu ärgern, direkt unter meine Nase gehalten wird.

Wenn ich mich für die Giordano-Bruno-Stiftung stelle und die ganze Zeit "Darwin sagt ihr seit alle Affen" brülle, kann man das auch kaum als Meinungsäusserung deklarieren, sondern irgenwann käme Team Grün-Weiss und würde mir die Grenzen meiner Meinungsfreiheit darlegen oder mich gleich zur psychiatrischen Begutachtung mitnehmen.

Das diese Karikaturen ein ziemlich heisses Eisen sind... wem das bisher entgangen ist der hat wohl auf dem Mond gelebt.
Das die Religionsfreiheit auch für den Islam, und im Zweifelsfall auch für dessen etwas seltsame Azswüchse gelten ist die Kröte, die man schlucken muss wenn man grundsätzlich an der Religionsfreiheit festhalten will.

Eine dezidiert anti-islamische (mehr schreibt der Spiegel erst mal nicht) Kundgebung vor einer Moschee... nee, das geht nicht. Wir erlauben der NPD schliesslich auch nicht, direkt vor dem Asylantenwohnheim eine Kundgebung gegen Ausländer im Allgemeinen abzuhalten.

Meinungsfreiheit- ja. Aber sobald das in gezielte Provokationen ausartet- nein. Und vor einer Moschee diese Dinger rauszuholen ist schon ziemlich klar "ich zeig dir den Stinkefinger weil es geht".

Mein Vorschlag wäre ja, dass Problem mit der gefährlichsten Waffe der Neuzeit zu lösen: einem Anwalt. Dann könnte man entsprechenden Kundgebungen mit Einschränkungen versehen, wie dies bei Neo-Nazis völlig üblich ist.

Alipius hat gesagt…

"Meinungsfreiheit- ja. Aber sobald das in gezielte Provokationen ausartet- nein. Und vor einer Moschee diese Dinger rauszuholen ist schon ziemlich klar "ich zeig dir den Stinkefinger weil es geht""

Das ist ja genau der Punkt: Zertreten von Kreuzen, Verbrennen von Bibeln, Sprüche wie "Christen fisten!" oder "Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben", Faustschläge gegen Christen, Verhöhnung von Behinderten, all dies während dezidiert christlicher Demonstration (einmal in Berlin, einmal in Salzburg): Das ist Meinungsfreihet UND gezielte Provokation. Warum werden diese Stinkefinger gezeigt? "Weil es geht". Es artet aber nicht aus, weil die Christen sich da nicht nervös machen lassen.

Aber: Ich kann mir nicht vorstellen, daß die pro-NRW-Aktion nicht angemeldet und genehmigt war. Also "ging" das auch. Es wurde nur brutal, weil die Salafisten da total humorlos und in ihrem Selbstbild offenbar auch ungefestigt sind.

So lange also die Anwälte nicht im Spiel sind bzw keine Einschränkungen gelten, muß man eben lernen, sich zu benehmen.

Daß die Salafisten nicht unbedingt demokratiekompatibel sind, ergibt sich aus ihren Aussagen hier und dort ohnehin. Daß sie es mit solchen Aktionen wie in Solingen oder Bonn unterstreichen, macht mir pro-NRW nicht sympatischer, aber die Salafisten eben auch nicht.

nk hat gesagt…

Daß ProNRW als Verfassungsfeindlich gilt - wie Du scheibst - besagt durchaus noch nicht, daß ProNRW auch verfassungsfeindlich ist.

Der Verfassungsschutz ist durchaus politisches Kampfinstrument derer, die an der Macht sind, das liegt einfach in der Natur der Sache. Und die haben allen Grund, jeden, der die Einwanderungspolitik der letzten Jahrzehnte kritisiert, mit allen Mitteln mundtot zu machen.

Cassandra hat gesagt…

"Das ist ja genau der Punkt: Zertreten von Kreuzen, Verbrennen von Bibeln, Sprüche wie "Christen fisten!" oder "Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben", Faustschläge gegen Christen, Verhöhnung von Behinderten, all dies während dezidiert christlicher Demonstration (einmal in Berlin, einmal in Salzburg): Das ist Meinungsfreihet UND gezielte Provokation. Warum werden diese Stinkefinger gezeigt? "Weil es geht". Es artet aber nicht aus, weil die Christen sich da nicht nervös machen lassen."

Ich fand das schon ziemlich ausgeartet. Es war keine Massenschlägerei, hatte den Boden von "wir kommen da auf keinen grünen Zweig miteinander" aber schon lange verlassen.

Und gerade eben weil solche Szenen nicht in Ordnung sind: gleiches Recht für alle, Team Grün-Weiss möge bitte übernehmen.

Pro-NRW legt dermassen viel Wert auf sein "wir sind doch nur besorgte, gesetzestreue Bürger"-Image, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass die Kundgebung nicht angemeldet war.

Aber das ganze ist ja keine Frage unserer Vorstellungskraft, sondern für Polizei&Staatsanwaltschaft: Teilnahme an einer nicht angemeldeten Kundgebung und so.

Ich wohne z Zt in Bremen. Wir haben hier die Hells Angels und eine Konkurrenzorganisation, deren 5 Mitglieder genau einen Motorradführerschein haben, Ethno-Clan M., sind ein Zentrum der Salafisten, eine Hochburg des Drogenhandels und so weiter. Gelegentlich fragt man sich, warum die Behörden das alles nicht in den Griff kriegen.

Was hat das mit den prügelnden Salafisten aus Bonn zu tun?
Es kann doch nicht zu viel sein, die eigenen Gesetze einfach mal zu befolgen und ggf durchzusetzen. Egal gegen wen.

L. A. hat gesagt…

Stimme Braut des Lammes zu. Das Verhalten der ProNRWler ist unter Kategorien des Anstandes, des Stils, des Niveaus erbärmlich.
Aber Charakterfragen sind eines,rechtliche ein anderes.
Die Polizei wollte das Karikaturenzeigen verbieten, ein Gericht hat aber die Rechtmäßigkeit bestätigt. Das´haben dann auch Salafisten hinzunehmen. (denen i. Ü.der Weg zu Anzeigen wg. "Beleidigung" offenstünde).
Das ist das eine.
Hier aber tobte ein eigens angereister Mob, der Polizisten einem Steinhagel aussetzte, es folgten noch die Messerattacken auf Beamte.
Wir sprechen hier in erster Linie von schwerer Körperverletzung, evtl.Mordversuch, schwerem Landfriedensbruch und massiver Einschüchterung gegen das Recht auf Meinungsfreiheit.
Gegen diese Leute soll und muß jede rechtsstaatliche und polizeiliche Konsequenz zur Anwendung kommen.
Es ist wie Alipius sagt, die unterkomplexe Aktion von Pro NRW war ein gezielter Test, das Ergenbis sollte in aller Eindeutigkeit ausfallen.

L.A. hat gesagt…

Soll natürlich am Schluß heißen:

... die Randale der Salafisten als Reaktion auf
die unterkomplexe Aktion von Pro NRW war ein gezielter Test, das Ergenbis sollte in aller Eindeutigkeit ausfallen.

Dr. Christoph Heger hat gesagt…

Als Mitglied von PRO NRW muß ich mich doch sehr wundern, hier mit den salafistischen Gewalttätern als "Rüpel" auf die gleiche Stufe gestellt zu werden. Ich flüchte mich auch mitnichten "in den Schoß simpelster Weltbilder", sondern verstehe etwas vom Islam (www.christoph-heger.de)und weiß die von ihm ausgehende Gefahr einzuschätzen (was anscheinend für große Teile der Geistlichkeit nicht gilt).
Die Aktion von PRO NRW hat verdienstvollerweise zwei Dinge sichtbar gemacht: 1. das vorhandende Bürgerkriegspotential der muslimischen Radikalen, 2. die Neigung der SPD-Landesregierung, zur Schonung der dauerbeleidigten Empfindlichkeit der Muslime die Freiheitsrechte einzuschränken.

Anonym hat gesagt…

Wir sind bei ProNRW zahlreiche Katholiken,die sich aus drängender Sorge um unser Land und unseren Glauben der Partei angeschlossen haben, nachdem die "C"DU vollständig zur "M" (muslimisch)DU mutiert ist. Die Partei wird vom Verfassungsschutz beobachtet,weil in NRW alles rechtsradikal ist,was nicht freiwillig die Internationale singt. Es geht hier nicht um Kategorien von Anstand und Stil, auch nicht um Religion, sondern um Macht und Gewalt. Sollten wir den noch 10Jahre warten bis die Salafisten/Moslems noch zahlreicher geworden sind? Sollten wir warten bis die Polzeiketten nicht mehr standhalten? Sollten wir warten bis die Polizei islamisch unterwandert ist?(offizielle Politik in NRW:die Anforderungen für den Eintritt in den Polizeidienst werden heruntergefahren "um Migranten eine Chance zu geben"). Ich weiß, wovon ich rede:ich habe in ihre haßverzerrten Augen gesehen, sie haben mir das "Graue-Wölfe-Zeichen" entgegen gestreckt, sie haben Eier nach mir geworfen,sie haben auf den Bus getrommelt, in dem ich saß.Ich habe ihr "Allahu akbar"-Gebrüll gehört. Gestern habe ich mir die aktuellen Haß-Videos angeschaut.Zitat: "der Islam wird das Land regieren", "Töten kommt im Koran 128mal vor und wir sind stolz darauf." Je mehr Moslems in Deutschland leben, desto massiver wird die Einschüchterung sein. Vielleicht sollten Sie gelegentlich fürs geschundene Vaterland beten.

Alipius hat gesagt…

@ Dr. Christoph Heger + "anonym": Pflichtbewußt zur Kenntnis genommen

Braut des Lammes hat gesagt…

Also, ob das jetzt so „verdienstvoll“ war, eine Aktion durchzuführen, bei der Menschen – durch die Salafisten, keine Frage – derart zu Schaden gekommen sind, darüber ließe sich nun trefflich disputieren. Rechtmäßig war es, keine Frage, Anstand sieht anders aus (siehe oben).

Es ist zu bemerken, daß die Koranverteilungsaktion hierzustadt kaum jemanden interessiert hat, trotz der teils betulichen „Ich will mich informieren“-Berichterstattung