Dienstag, 29. Mai 2012

Religion des Friedens

Daß beim Pfingstereignis "Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber" (Apg 2,9-11) die Apostel in ihrer jeweiligen Muttersprache reden hörten, zeigt, daß die Botschaft Christi für jedes Ohr bestimmt ist. Die Vielfalt der Sprachen soll zur Einheit im Glauben führen, denn es gibt nur einen Geist, nur einen Herrn und nur einen Gott, wie Paulus im Brief an die Korinther schreibt.

Wer aber ist der eine Gott, an den die Welt glauben soll?

Dieser Gott ist ER:
    Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! (Johannes 20,19)
Es ist derjenige, der selbst dort, wo die Türen verschlossen sind, mitten unter den Menschen auftaucht und ihnen Frieden wünscht. Und gleich im Anschluß an den (zweiten) Friedensgruß folgt der Auftrag:
    Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Ist es Zufall, daß auf die verschlossenen Türen der Friedensgruß und auf den Friedensgruß die Sendung folgt?

Ich denke nein.

Denn wenn wir als Christen die Reihenfolge ebenso einhalten, dann können wir unseren Auftrag bestens erfüllen: Auch wir finden uns manchmal in der Situation, daß etwas verschlossen ist, sei es aus Sicherheitsgründen oder aus Angst. Das muß nicht zwangsläufig eine Türe sein. Es kann sich zum Beispiel auch um ein Herz oder einen Verstand handeln. Wenn wir nun dort kühn eindringen, dann ist es sicherlich besser, wenn wir eine offene, leere Hand reichen und einen Friedensgruß auf den Lippen führen, als wenn wir mit einem Krummdolch wedeln und wild herumbrüllen.

Ein Friedensgruß ist immer attraktiver als Kampfgeschrei, und wer den Frieden wünscht, der hat bedeutend bessere Chancen, daß das Gehör des Anderen sich ihm öffnet und somit vielleicht auch das Herz und der Verstand. Wer den Frieden wünscht, der signalisiert ein gewisses Vertrauen und darf darauf hoffen, daß dieses Vertrauen erwidert wird. Wer den Frieden wünscht, der entschärft und ermöglicht.

Und wenn der Friedensgruß dazu führen sollte, daß beim Anderen nicht nur Interesse geweckt wird, sondern vielleicht gar die Lust auf Nachfolge entsteht, dann kann die Sendung folgen: "Mach's wie ich! Wünsche den Leuten den Frieden Christi!"

Ehrlich: Was kann in einer Welt wie der unsren attraktiver sein, als das Signal, daß man nicht den Konflikt und die Gewalt sucht, sondern daß man den Frieden weitergeben möchte?

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