Mittwoch, 9. Mai 2012

Politically Corrupt Correct

Schon am 21. April fand ich in der Printausgabe der PRESSE diese seltsame Nachricht:
    Die Medizin-Universität Wien will Frauen bei Aufnahmetests zum Studium bevorzugen. Genauer gesagt sollen Frauen weniger streng als bisher beurteilt werden, um die "Chancengleichheit" gegenüber den Männern zu wahren. In einem Gutachten im Auftrag der ÖH wird ernsthaft bezweifelt, ob das rechtskonform ist.

    Der Wiener Med-Uni war es ein Dorn ium Auge, dass zwar mehr Frauen beim Aufnahmetest antreten, sie aber weniger Plätze bekommen. Im Vorjahr waren 56 Prozent der Bewerber Frauen, aber nur 43 Prozent der Plätze gingen an sie.

    In dem elfseitigen Gutachten kommt der Jurist Josef Marko von der Universität Graz zu dem Schluss, dass die Bevorzugung von Frauen in der Testauswertung "eine umgekehrte und indirekte Diskriminierung" darstelle.

    An und für sich verfolge das Vorhaben der "genderspezifischen Ermittlung des Testwerts durch geschlechtergetrennte Standardisierung und die darauf abgestellte Rangfolge" das legitime Ziel des Ausgleichs einer objektiven Benachteiligung. Angesichts der Maßstäbe, die der Verfassungsgerichtshof und auch der Europische Gerichtshof anlege, sei die Maßnahme jedoch nicht als angemessen zu beurteilen.
Habe ich das jetzt richtig verstanden?

Die Med-Uni Wien sagt, daß Frauen und Männer in Zukunft bei olympischen Spielen beim 100-Meter-Lauf gegeneinander antreten dürfen sollen, vorausgesetzt, den Frauen werden am Ende 5 Sekunden von ihrer Laufzeit abgezogen?

Sorry...

Aber echt jetzt: Daß bei Aufnahmetests die Plätze zwischen Frauen und Männern einigermaßen gleich verteilt sein sollen, leuchtet ein. Aber daß man dann hingeht und sagt "Och... Lassen wir in Zukunft bei medizinischen Fragen und Einsätzen doch ruhig auch vermehrt Leute ran, die zwar unter dem momentanen Beurteilungsstandard nicht durchkämen, aber dafür das richtige Geschlecht haben", das finde ich schon irgendwie dreist.

Ich dachte bisher immer, "Chancengleichheit" bei Aufnehmetests bedeutet, daß all diejenigen, die sich für das Studium in erforderlicher oder auch besonderer Weise qualifizieren, die gleiche Chance bekommen sollen, dies in eben diesen Tests zu beweisen.

Kommentare:

Cassandra hat gesagt…

Sollte ich krank sein möchte ich kompetent behandelt werden.
Mein Herzinfarkt wird nämlich kaum sagen "ey, das ist 'ne Doktorin, also mach ich mal halb so wild".

Ich bin gegen gesenkte Anfoderungen wegen Geschlecht.
Wer zum Militär will, muss bestimmte körperliche Mindestanforderungen erfüllen. Die runterzusetzen wegen Frau-sein... die Bundeswehr ist in Afghanistan im Kampfeinsatz. Hoffen wir, dass die Taliban erkennen "Moment, das ist eine gegnerische Soldatin, da schiess ich mal daneben wegen Fairness sund so?". Ich fürchte, der wird eher noch genauer zielen.


Nee, lass mal stecken. Das sage ich trotzdem ich Frau bin :-)

Phil hat gesagt…

Der Hintergrund zu solchen Forderungen ist doch ganz klar. Man will "seine" Leute, in dem Fall Frauen, in bestimmten Positionen haben. Deshalb muß man unter dem Banner der "Chancengleichheit" Wege finden, sowohl an einer reinen, an den Fähigkeiten der jeweiligen Person zu messenden Liste von Kriterien als auch am persönlichen Gusto des Vorsitzenden einer Firma die Leute vorbeizumogeln. Deshalb kommt man mit solchen Vorschlägen des Fälschens (jawohl!) von Aufnahmetests oder auf Frauenquoten.
Man muß sich keine Sorgen machen; die EU wird noch auf andere Quoten (Ausländer, Homosexuelle, ja, meinetwegen auch alleinerziehende Väter) kommen, um am Ende ihre Leute in allen Gremien sitzen zu haben. Es geht doch hier schon lange nicht mehr um eine "Befreiung der Frau", es geht um ein Wort, was mit M anfängt und mit 8 aufhört. Macht.

Claudia hat gesagt…

Von allen anderen Blödsinnsanteilen dieser Regelung mal abgesehen, ist sie im Grunde auch subtile Frauenverachtung. Von Frauen für die gleiche Position weniger Können verlangen heißt: Wir wissen ja, daß ihr Weiblein im Grunde Dummerchen seid, da geben wir euch einen Bonus.
Erinnert mich irgendwie an das Vorwort zum Damen-Conversationslexikon von 1834:
"Das weibliche Interesse allseitig in's Auge zu fassen, das Nützliche, Schöne, Wissenswerthe im Geiste der Frauen zu prüfen und anschaulich zu machen, es in einem leichtern, geschmackvollern Gewande einherschreiten zu lassen als bei andern lexikographischen Werken, eine Form zu wählen, welche den Richterinnen des Geschmackes genüge, ohne dabei der enrsten und würdigen Stellung etwas zu vergeben, die das Werk einzunehmen bestimmt ist, dies war die Aufgabe, die wir zu lösen gedachten.
...
Mythologie und Musik vorzugsweise zu begünstigen, schien uns nothwendig. Gern weilt die weibliche Phantasie in dem Lande der Räthsel und des Helldunkels, der Wunder und Sagen, gern überläßt sie sich dem Zauber der Töne und wählt sie oft als treue Begleiterinnen in einem klanglosen Leben. ..."

ultramontan hat gesagt…

> Ich dachte bisher immer,
> "Chancengleichheit" bei
> Aufnehmetests bedeutet ...

Nein. Dann hast du die politische Diskussion bei Themen wie Diskriminierung, Gleichbehandlung usw. schon seit einigen Jahren nicht mehr verfolgt. Als jemand, der sich dienstlich täglich damit auseinandersetzen muss, versuche ich’s mal zu erklären:

In der Gesellschaft gibt es (fiktiv) 50 % Frauen, 48 % Männer und 2 % sonstige. Dann ist Gleichbehandlung erreicht, wenn 50 % Frauen, 48 % Männer und 2 % sonstige bei den Aufnahmetests antreten und sich diese Zahlen unverändert auch bei denen wiederfinden, die den Test bestehen. Solange das nicht der Fall ist, herrscht Diskriminierung. Und nein, das ist nicht zum Lachen, das ist ernst.

Alipius hat gesagt…

@ ultramontan: Der "Ich dachte bisher immer..."-Satz war natürlich rein rhetorisch ;-)

Denn den Verdacht, daß es sich so verhält, wie von Dir beschrieben, hatte ich schon länger. Finster nur, daß Du als Betroffener es direkt bestätigen kannst.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ich sehe das wie Claudia. Ja, spinnen die? Als nächstes folgt wahrscheinlich die Feststellung, daß ein leichteres Gehirn auch weniger leistet.

Ich weiß nicht, wie die Zulassungstests in Wien laufen. Als eine, die einen hierzulande gemacht hat: vielleicht werden da Sachen wie räumliches Vorstellungsvermögen getest (etwa diese Schlauchfiguren in Kunstharz, die dann gedreht werden.) Bei solchen Tests schneiden Frauen tatsächlich zunächst meist schlechter ab, man kann das aber durch Üben kompensieren. BTDT.

ultramontan hat gesagt…

@Padre Lippi: Wieso finster? Das liegt alles offen zutage und ist gesellschaftlich gewollt und akzeptiert. Sogar für die jährlichen Verleihungen des Bundesverdienstkreuzes der BRD ist festgelegt, wie hoch der Frauenanteil zu sein hat.

Thomas Didymos hat gesagt…

Also, bevor hier jetzt die Kommentarwellen noch höher schlagen:
Es hat sich einfach herausgestellt, daß bei dem verwendeten Test die weiblichen Kandidaten signifikant schlechter abgeschnitten haben als die männliche. Unter der Annahme, daß das am Test liegt und nicht an den Kandidaten wurde überlegt die Bewertung des Tests für Frauen und Männer getrennt zu standardisieren.
Die Idee ist insofern nicht ganz unsinnig, weil man dann nicht mühselig einen Test ausarbeiten muss der von selber gleiche Chancen für die Damen und Herren Kandidaten liefert und diesen dann auch ständig an die veränderten soziologischen Gegebenheiten (Erziehungsverhaltne, Lehrverhalten an den Schulen, ...) anpassen muss.
Wenn man allerdings behaupten will, daß der Test so, wie er jetzt ist, tatsächlich ein geschlechtsunabhängiges und objektives Befähigungsprofil zum Arzt erhebt, dann wird man auch plausibel machen müssen warum denn Frauen prinzipiell schlechtere Ärzte sein sollen als Männer. Das sind sie nach meiner bescheidenen Erfahrung nämlich nicht.

Matthias

Alipius hat gesagt…

@ Thomas Didymos: Ich glaube auch nicht (noch habe ich es behauptet), daß Frauen prinzipiell schlechtere Ärzte sind als Männer. Der beste Zahnarzt, den ich bisher in meinem Leben hatte, war z.B. eine Zahnärztin.

Im Artikel war allerdings explizit davon die Rede, daß "Frauen weniger streng als bisher beurteilt werden [sollen], um die "Chancengleichheit" gegenüber den Männern zu wahren". Also nicht einfach "anders" bewertet, sondern "weniger streng". Und das erweckt schon den Eindruck, als wolle man hier einfach eine Latte niedriger hängen, damit "auch" die Frauen drüber kommen.

Ester hat gesagt…

Ich habe ja selber einen Männerberuf "gelernt" und kann nur sagen es ist was dran, dass Gott der Herr, Männer und Frauen schuf.
Es ist nun einmal so, das es Dinge gibt, die Frauen besser können und Dinge die Männer besser können.
Klar kann man mit üben was machen, aber irgendwo gibt es auch Grenzen und es ist nicht einzusehen warum man sich beständig selber vergewaltigen soll, nur wegen dappischer Quoten.
Und ich halte es noch immer mit Jill Johnston der amerikanischen Hardcore Feministin die feststellt "Du musst dir doch nicht einbilden das der Platz im Führungskollektiv dir was anders einbringt ,als Gnorrhoe"
(Es gibt diverse amerikanische Feministinnen, die eingesehen haben, das sie eigentlich Frauen in Männer verwandeln wollten und eigentlich männliche Kategorien auf Frauen angewendet haben und damit das getan haben, was sie den Männern vorgeworfen haben. Z.T. haben die dann geheiratet und viele Kinder gekriegt, was ihnen von den ehemaligen Schwestern den Vorwurf der Verräterin eingebracht hat)
Ich halte es mit Phil und denke es geht hier und Posten und Pöstchen für die eigenen Leute.
Weiter ist zu sagen, die ganze Quotiererei ist gegen die Chancengleichheit.
Ich meine, wenn sich wer bei der Polizei bewirbt, dann wird er nicht genommen wenn er schlecht sieht und wenn eine Konfektionsgröße 38 hat und zu klein bzw zu groß ist, dann kann sie nicht Modell für Neckermann oder so werden.
Wer der nicht gut Geige spielt kann nicht ins Orchester und wer nicht sportlich ist nicht in den Olympiakader.
Hier ein Link zu einem ältere Statement von Achse des Guten:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/in_vier_schritten_zur_absoluten_gleichberechtigung/

Thomas Didymos hat gesagt…

@Alipius
Im Artikel war allerdings explizit davon die Rede, daß ...
Ein Zeitungsartikel ist das eine, die Realität das andere (und meistens ganz etwas anderes). Das solltest Du doch am besten wissen.
Ich habe jedenfalls keinen Hinweis darauf, daß, sollten in Zukunft einmal die männlichen Kandidaten im Schnitt weniger Punkte machen als die weiblichen, die Bewertung nicht genauso gemacht werden würde (und in diesem Fall die Herren eben "milder" beurteilt).
Es gibt eben Unterschiede zwischen Mann und Frau, auch kognitive und zwar nicht in der Qualität des Denkens sondern in der Art. Ich halte das für eine Bereicherung, aber das mag Geschmackssache sein.
Ob die Quelle dieses Unterschiedes biologisch oder soziologisch ist spielt dabei für einen solchen Test keine Rolle, er hat, so es keinen wichtigen Grund dagegen gibt, im Ergebnis das Profil der Antretenden wiederzuspiegeln und nicht zu verzerren. Es geht ja nur darum die Gesamtzahl zu beschränken.

Gruß

Matthias