Sonntag, 6. Mai 2012

Nochmals "Glück"

Angeregt durch ein Posting inkl Kommentare bei Ultramontanus (der sich seinerseits auf ein Posting bei Johannes bezieht) möchte ich nochmals dsa Thema "Glück" aufgreifen.

Das Thema bei Johannes und Ultramontanus war das Fühlen, welches in heutiger Zeit vermehrt an die Stelle des Denkens tritt, ein Umstand übrigens, den ich selbst auch schon hin und wieder mal beklagt habe.

Gestern habe ich in einem Posting kurz und knapp festgestellt, daß ich glücklich bin. Und zwar nicht nur als Priester, wie man vielleicht aufgrund des Kontextes denken könnte, sondern als Alipius. Ich war auch früher schon glücklich, als ich nur Computergrafiker und Claus war. Und selbst vor der Zeit als Grafiker, erinnere ich mich an mich selbst als an einen Menschen, der irgendwie immer doch meistens bis immer glücklich war.

Woran das liegt? Ich habe eigentlich keine Ahnung. Vielleicht stelle ich geringere Anforderungen. Vielleicht schaffe ich es, so ziemlich jede Situation so hinzubiegen, daß ich doch noch das Krümelchen Glück finden und schamlos ausschlachten kann. Vielleicht beginnt Glück bei mir schon viel früher, als es das eigentlich normalerweise tut. Ich weiß es wirkich nicht.

Heute hörte ich nach der 9:00-Uhr-Messe folgende Sätze aus dem Mund eines Gemeindemitgliedes. Zuerst: "Ich bin froh, daß sie heute bei der Wandlung 'für alle' gesagt haben". Und dann (mit Bezug auf das "für viele", welches am Horizont irgendwie finsterst zu drohen scheint: "Wir sind so traurig" (Mit "Wir" sind die Leute gemeint, die so fühlen, wie besagtes Gemeindemitglied. Wie viele das sind und ob diese vorher tatsächlich konsultiert wurden, so daß das "Wir" mit Berechtigung verwendet wurde, kann ich nicht sagen).

Und das fiel mir eben ein, als ich den Beitrag bei Ultramontanus las. Hier war eine Situation, in der das "Fühlen statt Denken" sich als denkbar schlechte Strategie erweist. Das Gemeindemitglied hatte den eklärenden Text des Papstes zur Für viele-Entscheidung gelesen, war aber bereits mit einem Gefühl an die Sache herangegangen, welches ungefähr besagte: "Das ist sooooo unfair, daß Christus plötzlich nicht mehr für alle gestorben ist und daher auch nicht mehr alle retten will, und wer ist überhaupt der Papst, daß der darüber entscheiden darf?" Da blieb dann bei der Lektüre des meiner Meinung nach ausgesprochen einfühlsam, verständlich und einfach gut verfaßten Textes des Heiligen Vaters nicht mehr viel Platz für's Denken, so daß am Ende was steht? "Wir sind traurig"! (Den gesamten Dialog mit dem Gemeindemitglied möchte ich hier jetzt nicht weiter ausbreiten. So viel sei gesagt: Ich habe den Papst und seine Entscheidung verteidigt und gleichzeitig das Gemeindemitglied ermuntert, sich das päpstliche Dokument nochmals unter anderem Vorzeichen durchzulesen)

Dem "Wir sind traurig" des Gemeindemitglieds steht nun das "Ich bin glücklich" des Priesters gegenüber, welches sich nicht halten ließe, wenn ich versuchte, es in meiner Arbeit und an meiner Position allen Leuten so recht zu machen, daß nicht vielleicht eines Tages mal einer kommt und das "Wir sind traurig" auf mich bezieht, weil ich vielleicht nicht so will, wie der Schüller oder weil ich Papst und Lehramt verteidige oder weil ich den Antrag der Damen auf sofortige Weihe nicht unerstütze oder weil ich persönlich die Mundkommunion vorziehe (aber selbstverständlich niemanden dazu zwinge sondern nur wünsche, daß - Hand oder Mund - würdig und andächtig kommunizirt wird) oder was weiß ich warum.

Aber wie gesagt: Täte ich diese Dinge (oder auch nur eines dieser Dinge), dann ließe mein Glück sich nicht lange halten. Denn dann wäre ich nicht mehr ich selbst und dieser Zustand würde mich unglücklich machen.

Fazit: Ich bin nicht wirklich bereit, mich in eine Ecke hineinemotionalisieren zu lassen, in der ich das "Wir sind traurig" als den Preis betrachte, den ich für mein "Ich bin glücklich" zahle.

Ich Sau... ;-)

Kommentare:

jeannedarc hat gesagt…

letzthin las ich, dass ,angeblich, Männer glücklicher sein sollen als Frauen. Weil sie, angeblich, geringere Anforderungen stellen. Demzufolge ist der "Durschschnittsmann", der mit einer Flasche Bier Fussball im TV guckt glücklich. Hier braucht's bei Frauen schon etwas mehr. Aber man soll, denke ich, nichts verallgemeinern. Aber, wer weiss, vielleich ist doch ein klein wenig Wahrheit dran.

Stegi hat gesagt…

Ich bin demzufolge glücklich- kein Wunder- ich bin nämlich ein "Pro-multis-Fetischist".

Charlotte hat gesagt…

Nun ja, ich zumindest wäre glücklicher, wenn nicht ein so oft ein künstlicher Widerspruch zwischen Verstand und Gefühl aufgebaut würde. Geist umfasst beides.

Anonym hat gesagt…

Kleine Zwischenfrage: wieso sagen Sie eigentlich „für alle“ bei den Wandlungsworten, wenn Sie doch dem Papst in dieser Sache recht geben? Wieso setzten Sie dann seine Wunsch bei den von Ihnen zelebrierten Messen nicht um? Wiedermal der in der österreichischen katholischen Kirche so beliebte Widerspruch zwischen Theorie und Wirklichkeit, um es auf jeden Fall jedem Recht zu machen?

Alipius hat gesagt…

@ Charlotte: Wenn eine Sache zwei sich widersprechende Dinge umfaßt, muß der Widerspruch deswegen nicht künstlich sein. Z.B. gehört zum Menschsein "gut" und "böse". Ist der Unterschied ziwschen diesen beiden Eigenschaften künstlich?

@ "anonym": Ich habe nirgendwo von dem Wunsch des Papstes gelesen, daß ab sofort in jeder Messe pro multis mit für viele zu übersetzen ist. Meines Wissens wird die neue Übersetzung mit dem Erscheinen des neuen deutschen Missale bindend. Die bis dahin vergehende Zeit läßt sich gut für Katechesen nutzen, damit der Hintergrund der Aktion geklärt werden kann und Mißverständnisse vermieden werden. Wenn das eine Form des "Es auf jeden Fall allen Recht machen" sein soll, dann gerne.

gerd hat gesagt…

>>Die bis dahin vergehende Zeit läßt sich gut für Katechesen nutzen, damit der Hintergrund der Aktion geklärt werden kann und Mißverständnisse vermieden werden.<<

Schön wär's! Aber: Wer soll die Katechesen halten? Etwa der Pastoralreferent, der davon überzeugt ist, dass OT: Alle gerettet werden, egal ob sie sich an die Gesetze halten oder nicht? Welche Kehrtwendung muss unser Pfarrer hinbekommen, der noch bei seiner Einführung vollmundig verkündet hat, dass die Himmelstür sperrangelweit offen steht für alle Menschen und kein Hindernis für den Eintritt in das himmlische Jerusalem mehr besteht. Wie sieht die gründliche Katechese aus, gegenüber einer Gläubigenkaste die über Jahre in Wolldecken eingehüllt der Allerlösung entgegenträumt? Diese Katechese wird nicht stattfinden. Das endet folgender Massen: Ich werde mich an den Bischof wenden, ihm mitteilen, dass in unserer Gemeinde noch immer nicht die vom Papst geforderte Übersetzung gesprochen wird und das Ordinariat wird mir mit vorgefertigten Briefköpfen antworten: Wir danken für ihr Interesse und werden nach gründlicher Überlegung eine Antwort in Erwägung ziehen.
LOL

Alipius hat gesagt…

@ gerd: Ich kann ja nicht für alle sprechen. Ich wurde persönlich - und nicht ohne einen gewissen Unterton - gefragt, warum ich noch nicht "für viele" sage und ich habe für mich persönlich geantwortet und dargelegt, was meine Strategie ist. Zu erwartende oder zu vermutende Unzulänglichkeiten anderer Priester werden mich da erst einmal nicht irritieren.

Anonym hat gesagt…

Sie können ja gern „für alle“ sagen, wenn Sie es auch so meinen oder „für viele“, wenn Sie auch dahinter stehen.
Auf irgendeine offizielle „Bindung“ von diözesaner Seite wartet man in diesen Zeiten bekanntlich sowieso vergeblich. Und auf die Lernfähigkeit der Laien würde ich auch nicht unbedingt vertrauen.
Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, ohne Sie anzugreifen.
Letztlich ist es ja, so wie die Dinge nun einmal stehen, klug von Ihnen, zu sagen, was die Pfarre hören will, alles andere grenzt ja hierzulande und heutzutage an beruflichen Selbstmord, leider. Aber trotzdem irgendwie schade, dass man nicht so reden und handeln kann, wie man eigentlich denkt und möchte, oder?

gerd hat gesagt…

@Alipius:

Ich wollte Dich unter keinen Umständen in Verbindung mit den Unzulänglichkeiten anderer Priester in Verbindung bringen. Allerdings kann mich das nicht davon abbringen, um eine Versetzung des Alipius in meine Pfarrei, den Herrn zu bestürmen. Das würde mir einigen Schreibkram ersparen. Und wie sagt der Herr so schön: Bittet und ihr werdet empfangen.........

Alipius hat gesagt…

@ anonym: Es gibt nicht wenige Leute in der Pfrre, die auch mit dem "für viele" sehr zufrieden wären. Um nicht vorzeitig schon für Mißverständnisse bzw Mißstimmung oder gar Lagerbildung zu sorgen denke ich, daß es am besten ist, wenn ich das tue, was offizielle Lesart ist: Bis zum neuen Missale "für alle", danach "für viele". Wer meckern will, wird so oder so meckern.

@ Gerd: Ich hatte das auch nicht so aufgefaßt. Ich wollte mit meiner Antwort nur ausdrücken, daß mich solche pessimistischen Aussichten nicht von meinem Vorhaben abbrignen sollen.

ultramontan hat gesagt…

@anonym: Derzeit ist auf Deutsch die Formulierung "für alle" zwingend vorgeschrieben. Wenn Padre Lippi also die Wandlungsworte auf Deutsch spricht, ist er verpflichtet sie so zu sagen, wie es die Kirche vorgibt, nämlich "für alle". Auf Latein schreibt die Kirche die Worte "pro multis" vor. Sollte Padre Lippi also den Kanon mal auf Latein beten, wird er entsprechend "pro multis" sagen.

In beiden Fällen hat er sich an die offiziellen Texte zu halten und darf das Messbuch nicht nach seinem Gusto umschreiben. Isso.
:)

Charlotte hat gesagt…

Habe neulich einen schönen Spruch gelesen, weiß aber leider nicht mehr von wem.
Sinngemäß: "Glaube ohne Verstand macht schwärmerisch, Glaube ohne Gefühl hochmütig." (-;