Samstag, 12. Mai 2012

Konzils-Karussell

Grade eben erinnerte ich mich an einen Beitrag auf "Weihrausch und Gnadenvergiftung", den ich eigentlich schon längst verlinken wollte. Dieser Beitrag verweist auf einen Artikel auf der Seite pro-konzil.de. In diesem Artikel erklärt und der Autor, warum Papst Benedikt XVI ein Jahr des Glaubens ausgerufen hat:
    Das „Jahr des Glaubens“ zum 50. Jubiläum [des 2. Vatikanischen Konzils, A.] ist kein Zufall, das hieße, den Meisterstrategen auf dem Papststuhl zu unterschätzen. Vielmehr wird damit zum Todesstoß auf das konziliaren Gedächtnisses [sic!] angesetzt, indem man seine schwächste Seite, eben die Glaubensinhalte betreffend, ins allgemeine Bewusstsein hebt und der Welt dadurch klar macht, dass das Konzil zu diesen Grundlagen nichts zu sagen hat und damit als irrelevant ad acta gelegt werden kann.
Hmm... Okay... Schau'n wir mal... Aber wenn's geht nicht hier oder auf anderen katholischen Blogs, denn:
    Wenn man sich im Internet umsieht und z.B. die Blogs katholischer Laien betrachtet, dann marschieren über 90% davon in diesem [römischen, A.] Gleichschritt. Sie tun dies unter anderem, weil sie hier eine andere Vorstellung von Gott finden als die einer allgemeinen Wohlfühlharmonie im Universum, wie sie in jedem esoterischen Buchladen zu kaufen ist.
Es geht also um "Vorstellungen von Gott" und nicht um die geoffenbarte göttliche Wahrheit.

Aber zurück zum "Gebet".

Mir wurde neulich eine nicht sonderlich dicke Zeitschrift in die Hand gedrückt. Sie heißt "Quart - Zeitschrift des Forums Kunst - Wissenschaft - Medien" und das Thema der Ausgabe ist "50 Jarhe Vatikanum II - Protokoll einer Verwässerung". Der ältere Herr, der mir die Zeitschrift überreichte sagte dazu: "Damit sie mal sehen, wie wir Konzils-Leute so denken". Die Geste selbst fand ich freundlich, aber die Lektüre der Zeitschrift war leider gar nicht hilfreich. Übrigens ist Quart auch online zu finden. Die diversen Artikel der Ausgabe sind alle im pdf-Format erhältlich. Zwei Beiträge aus der Feder desselben Autors haben mich besonders aufhorchen lassen. Der Akademiker- und Künstlerseelsorger in Linz, Peter Paul Kaspar, schreibt in "Mein Konzil":
    Irgendwie bin ich das Opfer einer Selbsttäuschung, die allerdings eine ganze damals heranwachsende Priestergeneration betrifft. Wenn ich diese Täuschung, die natürlich auch mit einer nachfolgenden "Enttäuschung" verbunden ist, charakterisieren will, erzähle ich gerne eine Anekdote aus dem Sommer 1965: Ich hatte mein Theologiestudium weitgehend und meine Musikstudien mit dem Diplom abgeschlossen, war vor kurzem zum Diakon geweiht worden und sollte in einem Jahr als Priester in die Seelsorge gehen. Den musikalischen Abschlussprüfungen folgte ein Fest mit Studienfreundinnen und -freunden in einem Gastlokal. Und dort kam die Frage: Du wirst Priester? Du magst doch die Frauen! Meine spontane Antwort: Die paar Jahre, bis der Zölibat abgeschafft wird, werde ich schon noch aushalten. ... Und wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde, dann sage ich nicht Priester, Professor, Musiker oder Schriftsteller, sondern: Seelsorger. ... Ich habe keinerlei Zelebrationsbedürfnis. Da ich als Musiker auch häufig den Dienst am Instrument versehe, und wir zudem in meiner Kirche (der Ursulinenkirche in Linz) zwei Priester sind, die abwechselnd predigen, ergibt sich eine problematische Rangordnung: Am liebsten sitze ich in der Bank und feiere mit. Wenn schon ein Dienst zu verrichten ist, dann ist es bevorzugt der des Musikers, dann der des Predigers – und zuletzt der des Zelebranten. Und da Mitglieder unserer Gemeinde gern anschließend entweder in der Sakristei oder im gegenüberliegenden Gasthaus „weiterfeiern“, verschmilzt die zweite Hälfte des "Dienstes" – also die gesellige Begegnung – mit der Liturgie zu einer Gesamtfeier.
In "Kajütengespräche auf dem sinkenden Schiff" schreibt derselbe Autor:
    Würde nämlich der Priesternachwuchs wieder die Ausmaße wie zur Zeit des Konzils annehmen, könnte es sich die Kirche gar nicht mehr leisten, den Klerus zu bezahlen. Man sollte also schon aus finanziellen Gründen nicht um mehr Priesterberufe beten. Wohl aber darum, dass eine gewisse zeitgebundene Form einer beamtenhaft verwalteten und diktatorisch geleiteten Glaubensgemeinschaft zu Ende geht. Ihr ist schon lange das Feuer, die Begeisterung und die Lebensfreude der christlichen Botschaft abhanden gekommen.
Soviel also zum Thema "Gebet"...

Das "schon" im ersten Satz des letzten Abschnitts finde ich verräterisch. Hieße es nur "Man sollte also aus finanziellen Gründen nicht um mehr Priesterberufe beten" fände ich die Einstellung auch gaga. Aber durch dieses "schon" steht in dem Satz ja eigentlich, daß es mehrere Gründe gibt, nicht um Priesterberufungen zu beten (von denen einer wahrscheinnlich das Gebet selbst ist, denn das kommt irgendwie so frömmelnd und vorkonziliar rüber...), von denen einer - nach Meinung des Autors - die finanzielle Lage der Kirche ist.

Und was das Abhandengekommensein des Feuers, der Begeisterung und der Lebensfreude der christlichen Botschaft betrifft: Es gibt - zumindest meiner persönlichen Erfahrung nach - eine obszön gigantische Menge von gegen die diktatorische Hierarchie stänkernden, den "Geist des Konzils" im Wappen führenden Laien-, Berufs- und Möchtegern-Theologen, die so feurig sind wie eine Salatgurke, so begeistert wie ein Hertha-Fan nach dem Abpfiff am Donnerstagabend und so lebensfroh wie ein Goth-Konzert auf dem Zentralfriedhof.

Kommentare:

Ester hat gesagt…

Immerhin ist er ehrlich, das ist schon ein riesiger Fortschritt.
Und zu der Passage wo gegen die Blogger die stramm romtreu sein wollen, gestänkert wird, das versteht auch der offizielle Medienbischof nicht.
http://beiboot-petri.blogspot.de/2012/03/mein-medienbischof-und-ich.html

Tiberius hat gesagt…

Jetzt aber nicht noch auf den armen Hertha-Fans rumhauen.

Anonym hat gesagt…

Mit einem hat er recht, nämlich mit der damals recht weit verbreiteten Mentalität des "Jetzt ist alles möglich". Ich habe einmal in so einem Anekdotenbuch ein paar "Konzilswitze" gelesen. Einer war die Stellenanzeige, mit der ein Pfarrer eine Haushälterin suchte: "Bei günstigem Konzilsausgang Heirat nicht ausgeschlossen!".

Der zweite war die nachkonziliare Beichte eines vorkonziliaren Pfarrers. Der klagte sich folgender Sünden an:
- Er hatte eine stille Messe mit aufrichtiger Freude zelebriert.
- Er hatte einem Laien widersprochen.
- Er hatte seinem Bischof gehorcht.

In diesen Witzen ist eigentlich schon alles komprimiert vorhanden, was den "Ungeist des Konzils" ausmacht.

Pompous Ass

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Also ich habe noch NIE um Priesterberufe gebetet, sondern immer nur um Berufungen.

Alleine schon die Schilderungen über das "nicht vorhandene Zelebrationsbedürfnis" ist ein prima facie Beweis für "Beruf verfehlt!"

Die Feier des Meßopfers ist vornehmste Pflicht des Priesters und soll Quell der Kraft für ihn sein, nebst dem Breviergebet. Priesteramtskandidaten, die damit Probleme haben, sollten vom Spiritual die Hilfe zur Überwindung der Probleme bekommen, oder wenn ihnen nicht geholfen werden kann, die Empfehlung, sich nicht weihen zu lassen.

Leider gibt es so einige Priester, die während des letzten Konzils studierten, die dem Wahn verfallen waren, ihr Zölibatsversprechen würde binnen weniger Jahre dispensiert, wenn der Zölibat eingemottet wird. Ich stelle fest, ich bete zu wenig für die Seelen derer, die ihnen diesen Quatsch eingeredet haben, dabei haben diese das Gebet dringendst nötig!