Montag, 7. Mai 2012

Ich hätte nicht gedacht,...

... daß das tollwütig antikirchliche Schundblatt derStandard noch tiefer sinken kann.

Aber irgendwie traut man den Menschen einfach immer zu wenig zu.

Der Titel des neuesten Coups lautet:
    Kirche ließ Kastrationen durchführen
Es handelt sich um die alte Geschichte aus den Niederlanden, die schon vor anderthalb Monaten durch die Medien ging und auch bereits vor anderthalb Monaten hinterfragt wurde. 10 Junge Männer sollen in den Niederlanden "von der katholischen Kirche" kastriert worden sein.

In der Einleitung des Berichts "Eugenic and sexual folklores and the castration of sex offenders in the Netherlands (1938–1968)", den man hier als .pdf findet, heißt es:
    In 1938, after nearly a decade of discussions amongst medical doctors, theologians, jurists and politicians, the then Dutch Minister of Justice approved for the first time the castration of a sex offender who was hospitalized in an asylum for the criminally insane. From that time on until 1968, some 400 such male offenders and at least one female convict — ‘psychopaths’ — who were committed by courts, would ‘voluntarily’ submit themselves to ‘therapeutic’ castration, after having obtained permission from the Department of Justice.

    [Im Jahre 1938, nach fast einem Jahrzehnt der Diskussionen zwischen Medizinern, Theologen, Juristen und Politikern, stimmte der damalige Niederländische Justizminister zum ersten Mal der Kastration eines Sexualstraftäters zu, der in einer Anstalt für geisteskranke Straftäter einsaß. Von diesem Zeitpunkt an unterzogen sich bis ins Jahr 1968 etwas 400 solcher männlicher Straftäter und mindestens eine weibliche Straftäterin - 'Psychopathen' - , die von Gerichten zwangseingewiesen wurden, 'freiwillig' einer 'therapeutischen' Kastration, nachdem die Erlaubnis vom Justizministerium eingeholt worden war]
Über die Rolle katholischer Theologen in der Debattier-Phase sagt der Bericht:
    Catholics were the fiercest opponents of eugenic sterilization, especially after the Vatican had issued the encyclical Casti Connubii on New Year‘s Eve 1931, which condemned sterilization on eugenic grounds, be it forced or voluntary... On the other hand, for years Catholic theologians in The Netherlands had from the very beginning of the discussions courted the idea of sterilization as a punishment, and after 1931 they found support for that position in the encyclical. Speaking of eugenic sterilization to prevent degeneration, Casti Connubii said that no one should be punished for crimes they had not committed. The implication was that such punishment could be applied to people who had offended. At meetings and in publications, theologians would go through the theological analysis, especially quoting or interpreting Thomas Aquinas who had said that in case of crime, debt could be recovered on the body of the perpetrator if it could not be properly paid off with his natural goods. But after the theological analysis, the conclusion would be that sterilization as a penalty was not appropriate because corporal punishment (also the death penalty) had already long been abolished in The Netherlands.

    Doctors and psychiatrists representing secular positions tended to approve eugenic sterilization (albeit mostly voluntary), strongly favoured sterilization as society’s safeguard against sex offenders, but fiercely opposed sterilization as a penalty because it was incompatible with a modern state of justice. Catholics, in turn, rejected sterilization as a means of protecting society against offenders, because they were afraid that such policies could result in programmes or laws for eugenic sterilization. Yet, they approved therapeutic sterilization in cases of diseased sexuality if it were meant to set the individual free of his infliction. Thomas Aquinas had written that the removal of body parts was allowed if it were to benefit the whole body. Like any disease, a deranged sexuality was a malum of the natural order that required intervention.

    [Katholiken waren die schärften Gegner eugenischer Sterilisation, besonders nachdem der Vatikan an Silvesterabend 1931 die Enzyklika casti connubii herausgebracht hatte, welche Sterilisation aus eugenischen Gründen verdammte, sei es aus Zwang oder freiwillig... Andererseits hatten katholische Theologen in den Niederlanden jahrelang die Idee der Sterilisation als Bestrafung umworben, und nach 1931 fanden sie dafür Unterstützung in der Enzyklika. Wenn von der Sterilisation als Vorbeugemaßnahme gegen Degeneration die Rede ist, sagt casti connubii, daß niemand für Verbrechen bestraft werden darf, die er nicht begangen hat. Die Schlußfolgerung war, daß eine solche Bestrafung bei den Leuten angewendet werden darf, die eine Straftat begangen haben. Auf Treffen und in Veröffentlichungen gingen Theologen durch die theologische Analyse, wobei Thomas von Aquin besonders zitiert oder interpretiert wurde. Er hatte gesagt, daß im Fall eines Verbrechens die Schuld vom Körper des Täters zurückgewonnen werden dürfe, wenn sie mit seinen Naturgütern nicht abbezahlt werden könne. Aber nach der theologischen Analyse war die Schlußfolgerung, daß Sterilisation als Strafe nicht angebracht sei, weil körperliche Strafen (auch die Todesstrafe) in den Niederlanden seit langem abgeschafft waren.

    Doktoren und Psychiater, die die säkulare Position repräsentierten, tendierten dazu, eugenische Sterilisation gutzuheißen (wenn auch meistens die freiwillige), sprachen sich stark für Sterilisation als Sicherheitsmaßnahme gegen Sexualverbrechen aus, lehnten aber Sterilisation als Strafe heftig ab, weil sie mit einem modernen Rechtsstaat inkompatibel war. Andererseits lehnten Katholiken Sterilisation als eine Maßnahme, um die Gesellschaft vor Straftätern zu schützen, weil sie fürchteten, daß eine solche Politik zu Programmen oder Gesetzen für eugenische Sterilisation führen könnten. Aber sie hießen Sterilisation in Fällen krankhafter Sexualität gut, wenn diese dazu dienen soll, das Individuum von seinem Leid zu befreien. Thomas von Aquin hatte geschrieben, daß die Entfernung von Körperteilen gestattet sei, wenn es dem ganzen Körper zugute käme. Wie jede Krankheit war auch eine verwirrte Sexualität ein Übel natürlicher Ordnung, welches nach einem Eingriff verlangte]
Dies sind nur zwei Auszüge aus einem Dokument, welches zeigt, daß mitnichten "DIE KIRCHE" Kastrationen durchführen ließ (schließlich hat die Kirche überhaupt nicht die Befugnis, dies zu tun), sondern daß es sich um ein Thema handelte, welches - vor dem Hintergrund des damaligen Wissenstandes - zuerst gesellschaftsweit heiß diskutiert wurde und dann in einem Programm mündete, welches vom Staat genehmigt wurde.

400 Männer wurden kastriert nachdem das Justizministerium die Kastrationen genehmigt hatte. 10 dieser Männer saßen offenbar in kirchlichen Einrichtungen ein.

"Kirche ließ Kastrationen durchführen"...

Wie üblich: Keep it classy, Standard!

Kommentare:

Cinderella01 hat gesagt…

Das stand letzte Woche schon im SpOn, ich habe mir aber gedacht: nicht mal ignorieren ... War auch gut so, wie es aussieht. Wieder mal ein netter Versuch der Medien, die Kirche zu diskreditieren ....

L.A. hat gesagt…

Vielen Dank für Auszug und Link zu dem Report "Eugenic and sexual folklores and the castration of sex offenders in the Netherlands (1938–1968)".

Ich darf immerhin vermerken, daß es noch kirchenferne Menschen gibt, bei denen dieser teilweise Schweinekübeljournalismus zwar Wirkung zeigt, die aber doch bereit sind, sich Klarstellungen anzuhören, und der Zugang zu harten geprüften Fakten erleichtern solche Gespräche ungemein, (zumal die abzuarbeitende Verleumdungs - Agenda ja doch recht umfangreich ist).

Dickes Lob! (auch dafür)

Anonym hat gesagt…

Tja, ich erinnere mich da noch an Werbespots für diese großformatige (was das Papier angeht ...) orange Publikation. Da sprach eine sonore Männerstimme vom St., der "Zeitung für Leser". Der Spot wurde damals postwendend und heimtückefrei von der Kabarettgruppe "Die Hektiker" bis zur allgemeinen Kenntlichkeit persifliert.

Inzwischen hat die Zeitung, zumindest nach meiner unmaßgeblichen Meinung, sich neu "gegendert" und den Sprung von "Der Standard" hin zu "Die Standarte" geschafft. Wenn das Niveau der Berichterstattung noch etwas tiefer sinkt, kann man vielleicht bald das Pola-Tief im Mittelmeer (4004 m) ohne Taucherausrüstung kennenlernen ...

Pompous Ass

Stanislaus hat gesagt…

Ach, da ließe sich doch sicherlich noch die Meldung draus drehen: "Katholische Kirche setzt sich für Sexualstraftäter ein"

F. M. hat gesagt…

Stanislaus:
"Katholische Kirche setzt sich für Sexualstraftäter ein" /Zitat

Das wird doch schon andauernd behauptet von Standard, Spiegel, Süddeutsche, Zeit und Co.!

In den Fällen sexueller Gewalt gegen Kinder, in denen römisch-katholische Priester die Täter waren, wird immer noch behauptet, die katholische Kirche hätte diese Täter vor Strafverfolgung geschützt.
Selbst dann wenn diese Täter von den Kirchenoberen an die Staatsanwaltschaft ausgeliefert worden sind, wird das immer noch fälschlicher Weise behauptet. Die römisch katholische Kirche hat NIE Kinderschänder unterstützt!

F. M. hat gesagt…

Habe eben im ZDF Auslandsjournal einen Bericht eines Zeugen zu dieser Sache gesehen. Zum Ende des Beitrags wurde behauptet - unter Einspielung eines Statements eines angeblichen Sprechers der katholischen Kirche- dass die Kirche diese Behauptungen jetzt selbst untersuchen will. Was soll es da zu untersuchen geben?

Bartimäa hat gesagt…

Vielen Dank für die differenzierte Darstellung.

Ein Kollege, der mich kürzlich wegen meiner angeblichen "Homophobie" aus seiner FB-Freundesliste entfernt hatte, hatte mir auch den Spiegel-Artikel zugemailt.

Und er nannten diesen "ein angesehenes nachrichtenmagazin mit gutem ruf"...

Was soll man dazu noch sagen?!