Sonntag, 13. Mai 2012

Das Glaubensbekenntis - erklärt!

Ich bin in den letzten Tagen im Internet und in Zeitschriften einige Male über Kritiken am Apostolischen Glaubensbekenntnis gestoßen. Tenor all dieser Kritiken: Der Text wurde aus einem Verständnis geschrieben, welches mit dem moderner Menschen nicht mehr vereinbar ist. Das macht den Text unzugänglich und unverständich.

Sie haben ja Recht, die Kritiker.

Und deswegen habe ich mir die mühsame Arbeit auferlegt, all die kryptischen, altmodischen und nicht mehr zeitgemäßen Formulierungen des Glaubensbekenntnisses der Reihe nach durchzugehen und zu entschlüsseln. Ich hoffe, so dazu beitragen zu können, die Verwirrung zu lindern, welche durch die heute kaum noch zu verstehenden Phrasen und Inhalte des Glaubensbekenntnisses irgendwann im Laufe der letzten 50 Jahre über die Gläubigen hereigebrochen ist.

Es folgt der Text des Glaubensbekenntnisses mit von mir eingeschobenen Erläuterungen in roter Schrift.

Ich glaube an Gott,
  • den Vater, [Gott ist unser Vater]
  • den Allmächtigen, [Gott ist allmächtig]
  • den Schöpfer des Himmels und der Erde. [Gott ist der Schöpfer (Macher) des Himmels und der Erde]

Und an Jesus Christus,
  • seinen eingeborenen Sohn, [Jesus Christus ist Gottes einer und einziggeborener Sohn]
  • unsern Herrn, [ER ist unser Herr]
  • empfangen durch den Heiligen Geist, [ER wurde durch den Heiligen Geist empfangen]
  • geboren von der Jungfrau Maria, [ER wurde von der Jungfrau Maria geboren]
  • gelitten unter Pontius Pilatus, [ER hat unter Pontius Pilatus gelitten]
  • gekreuzigt, [ER wurde gekreuzigt]
  • gestorben [ER ist gestorben]
  • und begraben, [ER wurde begraben]
  • hinabgestiegen in das Reich des Todes, [ER ist hinabgestiegen in das Reich des Toden]
  • am dritten Tage auferstanden von den Toten, [ER ist am dritten Tage von den Toten auferstanden]
  • aufgefahren in den Himmel; [ER ist in den Himmel aufgefahren]
  • er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; [ER sitzt an Gottes (der allmächtig ist und der Vater ist, s.o.) rechter Seite, also von uns aus gesehen links]
  • von dort wird er kommen, [ER wird von dort kommen]
  • zu richten die Lebenden und die Toten. [ER wird die Lebenden und die Toten richten]

Ich glaube an den Heiligen Geist,
  • die heilige katholische Kirche, [Die katholische Kirche ist heilig]
  • Gemeinschaft der Heiligen, [Die Heiligen bilden eine Gemeinschaft]
  • Vergebung der Sünden, [Die Sünden werden vergeben (Nee... Nicht einfach so... Man muß schon vor Gott "Sorry!" sagen und es auch meinen)]
  • Auferstehung der Toten [Die Toten werden auferstehen]
  • und das ewige Leben. [Das Leben wird ewig sein]
Amen.


Boah, das war anstrengend...

Aba is' klah getz oder?

Wenn nicht, dann hätte ich als letztes Angebot noch das gute alte Neualipianische Glaubensbekenntnis, nach welchem nun wirklich keine Fragen mehr offen sein sollten:
    Ich glaube an [... bitte ausfüllen ...], das mich Annehmende, das Gleichmachende,
    das kreative Prinzip unter dem Gras und hinter den Wolken,
    und an Jesus, dessen prophetischen Ableger, unseren Buddy,
    empfangen nach einigen Gramm Tetrahydrocannabinol,
    geboren aus meinem Bedürfnis,
    gelitten unter Petrus,
    gekreuzigt, scheintot zurückgelassen und begraben,
    fast hinabgestiegen in das Reich des Todes,
    grade noch rechtzeitig wieder aus dem Felsenloch geholt,
    verschwunden und nimmer wieder gesehen;
    er sitzet in meiner Phantasie, der allmächtigen Weltengestalterin;
    von dort wird er kommen zu richten die "Christen".
    Ich glaube an das Heilige Gespenst,
    die heilige universale Baumumarmung,
    Gemeinschaft der Anti-Baby-Pillen-Benutzer,
    Nichtexistenz der Sünde,
    Tod des Besonderen und die ewige graue Suppe. Amen.

Kommentare:

Freiburgbärin hat gesagt…

Ich glaube an [... bitte ausfüllen ...]
Das hätte ich gerne einfacher gehabt. Als Auswahl- oder Durchstreichbox. So etwa:
Ich glaube an [Buddhus,Buddha,Libuda], unzutreffendes mit rot durchstreichen! ...
Dann muss ich nicht soviel denken.

Cassandra hat gesagt…

"seinen eingeborenen Sohn"

Da kann man tatsächlich was missverstehen. Ich habe das im Kindergartenalter getan und keiner verstand, was ich meinte.

Also...
Eingeborene kannte ich- aus Cowboyfilmen. Waren Indianer, alles klar.
Jetzt war da aber dieser Zeitstrahl im Kindergarten, und der brachte die Verwirrung rein. Da war die Geburt Jesu eingezeichnet. Auch klar. Aber die Indianer... die leben in Amerika. Und Amerika wird duch Columbus entdeckt (auch eingezeichnet). Aber erst nach der Geburt Jesu.
Das war verwirrend.

Ausserdem stand die Stammeszugehörigkeit Jesu noch ungeklärt im Raum. Nachdem meine Eltern und Grosseltern wirklich nicht verstanden, was ich wollte, wandte ich mich an den Pastor. Der war der Fachmann.

Pastor fand die Frage, ob Jesus Sioux oder Apache (die beiden Stämme kannte ich) gewesen sei äusserst niedlich, beglückwünschte meine Eltern zu einem Kind mit dermassen lebhafter Phantasie, half aber auch nicht weiter in der Sachfrage.
Meine Eltern fanden das wesentlich weniger niedlich, ich solle in Zukunft den Pastor nicht mit solchem Unfug kommen.


Aber als erwachsener, mündiger, undsoweiter Gläubiger sollte man das hinbekommen.

L. A. hat gesagt…

@Cassandra
lustig, ich kann mich auch an eine ganze Reihe kindlicher Irritationen in der Messe erinnern, weil Begriffe im Alttag anders zugeordnet waren :-)

@Alipius
Das neualipianische ist immer noch der Brüller!
Aber eine ernsthafte Frage: warum wurde denn im apostlischen Credo aus "carnis resurrectionem" deutsch: "Auferstehung der Toten"?
(in einem Ordo - Büchlein wird von P.Martin Ramm vermerkt, daß in der Instruktion Liturgiam authenticam vom März 2001 die Übers.: "Auferstehung des Fleisches" angewiesen wurde)

Bellfrell hat gesagt…

Ironie ein:
Das ist ja alles gut und schön, aber wer sagt denn daß das ER ist und nicht ES und überhaupt wieso SOHN und JUNGFRAU MARIA?
Und empfangen vom Hl. GEIST? Im Zeitalter von Retorte und gleichgeschlechtlicher Ehe und Gender. So einfach, wie vor 2000 Jahren war, ist das heutzutage wohl nicht mehr!
Ironie aus.

Alipius hat gesagt…

@ L.A.: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum es nicht "des Fleisches" heißt. Ich kann nur raten, daß die Formulierung "des Fleiches" für die viele Menschen vielleicht zu deutlich ist. Es fällt den Leuten wahrscheinlich insgesamt leicher, einfach an eine Aufersthung der Toten zu glauben, als sich das ganze als Auferstehung des Fleisches vorzustellen, also wurden da einfach Abstriche gemacht.

L. A. hat gesagt…

@ALIPIUS
Vielen Dank!

Ich fand es bemerkenswert, daß im lateinischen apostolischen Credo das "Fleisch" (im Sinne einer leiblichen personalen Auferstehung vom Tod) so betont wurde, -im n.k. - Credo heißt es ja seit Nicäa "et expecto resurrectionem mortuorum. Et vitam venturi saeculi" -
und daß dann aber im deutschen Sprachraum wieder postwendend per Übersetzung unterlaufen wurde.

Versuche mal,mich kundiger zu machen.

Alipius hat gesagt…

@ L.A.: Die Betonung des Fleisches geschah gegen eine dualistische Weltsicht, in der der Geist gut und der Leib schlecht war. Warum es nun wieder "Auferstehung der Toten" und nicht "des Fleisches" heißt, weiß ich aber nicht.

Dorothea hat gesagt…

Bei Auferstehung der Toten kämpfe ich immer ein bißchen mit der Idee von Wiedergängern und Zombies. Zu viele entsprechende Filme wahrscheinlich. Ich frage mich ob Auferstehung des Fleisches da helfen würde. Vielleicht eher Auferstehung im Fleische.

Die Fantasie ähnelt wohl schon eher der Frage nach den Apatschen oder Sioux - in erwachsisch ;)

Anonym hat gesagt…

Naja, man kann sich ja billig lustig machen über Menschen, die lieber Bäume umarmen, als daran zu glauben, dass Gott seinen Sohn auf die Erde geschickt hat - was beides für Außenstehende ungefähr ähnlich absurd klingen mag. Und jetzt? Hat jetzt irgendwer irgendeinen Erkenntnisgewinn davon? Ne, aber man hat sich einen billigen Lacher gesichert. Super. Aber man ist ja einer von den Guten, da darf man das offenbar.
*Ironie aus.

That said, das katholische Glaubensbekenntis ist keineswegs unklar, sondern dankenswerterweise so klar formuliert, dass es jedem Christen oder auch Nichtchristen die Entscheidung extrem erleichtert:

Man kann das Glaubensbekenntnis voller Überzeugung/überwiegend überzeugt mitsprechen = man bleibt.

Man kann das Glaubensbekenntnis NICHT mitsprechen, ohne rot zu werden oder sich zu denken "So ein Käse"
= man geht.

Keine Entschuldigung also für die, die das Glaubensbekenntnis wöchentlich mitmurmelnund dabei im Kopf ihre Einkaufsliste für Montag durchgehen! Leute, das Glaubensbekenntnis ist eine Selbstverpflichtung, nehmt es ernst oder lasst es ganz.

chiqitac hat gesagt…

LOL! ...herzlichen Dank für die mühsame Arbeit der Entschlüsselung!...

Ester hat gesagt…

Mit dem Fleisch kann ich helfen.
Also, ich geh einmal im Monat zu dem Pfarrer Pensionär zum "Glaubensgespräch".
Das letzte Mal ging es um Himmel, Hölle, Fegefeuer und das Credo.
Der Pfarrer Pensionär meinte das bis zum Konzil die Stelle mit "Auferstehung des Fleisches " übersetzt wurde und nach dem Konzil geändert wurde, wie auch anderes (aber Kleinigkeiten) "Vater unser, im Himmel", statt "Vater unser, der du bist im Himmel..."geändert wurden.
Im großen Glaubensbekenntnis heißt es allerdings auch auf Latein "ressurectionem mortuorum..."
Ich habe ein Gesangbuch des Bistum Mainz von 1963 im Bücherschrank stehen, da steht auch noch "..ich glaube an die Auferstehung des Fleisches"

Gregorius Braun hat gesagt…

Also Amen(wahrlich) ist ein zu deutlicher Abschluss für dein Glaubensbekenntnis, wie wäre es stattdessen mit "Vielleicht"? ;P

L. A. hat gesagt…

@Ester, danke.

Die Neuübersetzung stammt von 1970. (wie auch die zweite unkorrekte Übertragung von "inferos" in "Reich des Todes" anstatt Unterwelt oder Hölle.)

Ester hat gesagt…

P.S obwohl der Pfarrer Pensionäre ein eingefleischter Momorandisti ist, fand es die Übersetzung mit "Auferstehung des Fleisches" viel besser, weil er meinte das sei ja das absolut außerordentliche und neue am Christentum, das wir nicht als reine Seelen im Elysium umherschwirren, oder irgendwie in eine Allseele (Nirwana) verschmolzen werden, nein das wir mit dem (unserem) Fleisch auferstehen und auch der auferstandene Christus ist kein positiv gedachter Geist, nein er hat Fleisch und Knochen.
Woran man sieht das die innerkatholischen Fronten längst nicht sooo eindeutig verlaufen, wie man so denkt