Donnerstag, 17. Mai 2012

Himmelfahrt...

Ich hatte als kleiner Knirps eine ziemlich lebhafte Phantasie. Der Himmel war für mich nicht ein Wolkenfeld, über das ein bärtiger alter Mann im weißen Gewand herrscht, sondern er war wie die Welt, nur besser und schöner (vielleicht ein wenig unmoderner, also ohne Flugzeuge und Kraftwerke und Fernsehen und Mikrowellen und so). Das Hochfest Christi Himmelfahrt hat sich bei mir im Kopf - wohl aufgrund der häufig gehörten Erklärung "Christus ist nach Hause gegangen" - ungefähr so abgespielt: Christus betritt sein Haus, wirft die Schlüssel in eine Schale, holt sich ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank, setzt sich neben seinen Vater auf die Couch, legt die Füße hoch und sagt: "Okay! Das war's! Endlich Ruhe!"

Und das fand ich - wie gesagt als kleiner Krümel - total unfair! Wieso - so dachte ich mir - wieso ist Jesus nicht hier bei uns? Er ist doch auch ein Mensch und er ist in seinem Leben niemals Ärger aus dem Weg gegangen. Wir haben hier so viel Ärger, bei dem er uns prima helfen könnte. Also warum ist er jetzt nicht hier, sondern sitz im Himmel und trinkt Bier?

Erst viel später verstand ich, daß Christus zwar Gott ist, aber daß Gott nicht nur Christus ist, sondern daß da eben noch zwei weitere Personen der göttlichen Dreifaltigkeit dazugehören: Der Vater und der Heilige Geist.

Ich lernte auch, daß Christus immer noch bei uns ist, wenn schon nicht mehr historisch, so doch immer noch leiblich und sakramental.

Ich lernte vor allem, daß es einen zufriedenstellenden Tausch gegeben hat: Christus mag in den Himmel aufgefahren sein, aber dafür wurde uns der versprochene Beistand geschickt: Der Heilige Geist.

Und dieser Heilige Geist ist es, der nun sozusagen die Lebensader zwischen uns und Gott bildet, die Lebensader, durch welche uns die Kraft gegeben wird, die wir benötigen, wenn wir Christi Auftrag aus dem heutigen Evangelium ernst nehmen und auch annehmen wollen: "Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!"

Wir sind also nicht nur nicht von Gott verlassen worden, sondern wir sind gleich auf zweifache Art nicht alleine: Erst einmal geht der Auftrag an eine Vielzahl von Menchen: "Geht!" Wir befinden uns also schon mal nicht alleine auf dem Weg, sondern können uns immer der Gesellschaft von Brüdern und Schwestern im Herrn erfreuen. Und - noch wichtiger - Gott ist auch bei uns. Der Heilige Geist ist da. Er wirkt. Er stärkt. Er gibt uns Vertrauen und Kraft.

Und so sollte es uns allen eigentlich möglich sein, nicht erst "in alle Welt" reisen zu müssen, um dort das Evangelium zu verkünden, sondern gleich hier, vor unserer Haustüre, unseren Glauben ansteckend, frohen Mutes und glaubwürdig zu leben, so daß die Welt eines ekennen mag: Es hat auch heute noch etwas zu bedeuten, wenn ein Mensch von sich sagt: "Ich bin Christ!"

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