Dienstag, 15. Mai 2012

"Du goldenes Haus"

Dies ist der zweite Teil meiner Mini-Serie von Betrachtungen einzelner Titel, die Maria in der Lauretanischen Litanei verliehen werden.


"Maria, Du goldenes Haus"

Einer weiterer der Titel, die Maria in der Lauretanischen Litanei gegeben werden, ist "Goldenes Haus". Auch hier stellte ich mir wieder die Fragen: Was erzählt uns dieser Titel über Maria? Und was bedeutet dieser Titel für uns, die wir auf Maria als Beispiel schauen?

Wenn man die Wendung "Goldenes Haus" hört, so denkt man an einen prachtvollen Palast, an das Haus eines Königs. Man denkt auch an ein Gebäude, welches streng bewacht wird, eine Festung, zu der nur eine bestimmte Zahl auserwählter Personen freien Zugang hat. Wie läßt sich vor diesem Hintergrund die Wendung "Goldenes Haus" auf Maria beziehen?

Maria hat eine besondere Beziehung zu allen drei Personen der göttlichen Dreifaltigkeit und alle diese Beziehungen rechtfertigen die Wendung "Goldenes Haus".

Die offensichtlichste Beziehung ist die zwischen Maria und Gott, dem Sohn. Gott machte Maria zu einem lebendigen Heiligtum für sich selbst. Somit war Marias Schoß für neun Monate der Palast nicht irgendeines Königs, sondern des Königs der Könige. Es ist leicht zu erkennen, daß dies durchaus den Gebrauch der Wendung "Goldenes Haus" rechtfertigt.

Doch schon vor der Inkarnation war Maria ein Haus des Herrn, ein goldenes Haus, denn Gott der Vater wirkte am Zeitpunkt ihrer Empfängnis ein Wunder. Unsere menschliche Natur ist von der Sünde verunstaltet, aber Maria wurde unberührt von der Erbsünde empfangen und geboren, so daß sie gänzlich rein blieb, wie ein "goldenes Haus".

Man kann Maria auch als "goldenes Haus" bezeichnen, weil sie voll der Gnade, der Tugenden und der Gaben des Heiligen Geistes war, so daß Gott der Heilige Geist durch seine Gaben Maria stärke und erhielt.

Wenn man Maria als "goldenes Haus" bezeichnet, so läßt sich diese Wendung also auf dreifache Art verstehen: Maria wurde bereits als "goldenes Haus" von Gott dem Vater "gebaut". Gott der Sohn "wohnte" in diesem "goldenen Haus" und Gott der Heilige Geist sorgte für die "Instandhaltung" dieses "goldenen Hauses".

Aber Maria, das "goldene Haus", ist keine königliche Residenz in dem Sinne, daß sie schwer bewacht wird und nur einer auserlesenen Anzahl von Menschen Zutritt zu sich gewährt. Nein, Maria ist ein "goldenes Haus" mit weit geöffneten Türen, durch die unsere Gebete eintreten können und durch die ihre Schätze ausströmen können. Sie ist eine Königin, aber sie sitzt nicht unerreichbar auf einem hohen Thron, sondern sie ist wie eine liebende Mutter stets bereit, ihren bedüftigen Kindern beizustehen.

Wenn ich an Maria als ein "goldenes Haus" denke, dann ruft dies schon irgendwie auch Erinnerungen an all meine geliebten, prachtvollen, barocken Paläste und Kirchen wach und erfüllt mich tatsächlich auch ein wenig mit der gleichen Ehrfurcht, dem gleichen Staunen und der gleichen Leidenschaft, die mich packen, wann immer ich sie besuche. Da Maria aber weder der Laune von Armeen oder Revolutionären ausgesetzt ist und weder der Reparatur nocht der Restauration bedarf, hoffe ich darauf, daß ich eines Tages die vollkommene Schönheit dieses "goldenen Hauses" selbst sehen darf und hingerissen vor ihr in die Knie gehen kann.


Dies war der zweite Teil der Mini-Serie über die Titel aus der Lauretanischen Litanei. Den ersten Teil gibt's hier. Der dritte Teil folgt bald.

1 Kommentar:

Cassandra hat gesagt…

Das hier fällt mir zu "Goldenes Haus" immer ein: http://de.wikipedia.org/wiki/Domus_Aurea

Mal die "Nero verfüttert alle Christen an die Löwen nachdem er Rom angezündet hat, um die domus area zu bauen"-Nummer aussen vor:
die prächtigste Wohnstätte, die man bis dahin gesehen hatte. Daneben erscheint der Barock als Flitterkram. Gleichzeitig das Verwaltungszentrum des römischen Reiches, im dem fast ausschliesslich freigelassene Sklaven oder Staatssklaven, die die realistische Aussicht hatten, ihre Freiheit zu erreichen und ausserdem der Willkür eines einzelnen Herren weitgehend entzogen waren, arbeiten.

ich habe allerdings keine Ahnung, von wann die Marienbezeichnung "Goldenes haus" stammt, also ob das ganze nicht völlig ahistorisch ist.