Freitag, 25. Mai 2012

Deppen für Jesus

"Pastor" Charles L. Worley von der Providence Road Baptist Church hat eine Spitzenidee, was den Umgang mit Schwulen und Lesben betrifft: Sperrt sie einfach in ein großes Areal ein, das mit einem elektrischen Zaun gesichert wird, fliegt hin und wieder drüber und werft Nahrung ab und wartet, bis sie ausgestorben sind (weil sie sich ja nicht fortpflanzen)...

Oooooooooookay...

Konzentrationslager für Schwule und Lesben...

US-Nachrichten schreiben, daß die Gemeinde hinter den Aussagen ihres Pastors steht und zitieren eine Dame mit den Worten "“The Bible says they [Homosexuelle] are worthy of death."

Mir gefällt die Logik: Schwule und Lesben zeugen keinen Nachwuchs, also sperren wir sie ein, bis sie eines natürlichen Todes sterben und wir sind sie los. Ja, klar... Wenn Schwule und Lesben keinen Nachwuchs zeugen, dann kommen sie folglich aus heterosexuellen Beziehungen. Somit müßte der gute Pastor überall auf der Welt Männer und Frauen getrennt voneinander in solche Lager sperren, um die Zeugung weiterer Homosexueller zu verhindern. Oder gleich ganz gründlich: Die Providence Road Baptist Church muß lediglich die Weltherrschaft an sich reißen und alle Menschen töten, damit dieser schwulen- und lesben-gebärende Schmutz-Zirkus endlich ein Ende hat.

Das ist echt super: Weil Einzeller wie Worley von der Christlichen Botschaft nur "Hasse Deinen Nächsten und vergiß bloß nicht, dich heilig und vollkommen zu fühlen" mitnehmen, wird nun in der heißen Phase der Berichterstattung über die Providence Road Baptist Church in den einschlägigen Foren und Kommentarseiten erst einmal wieder jeder Christ (auch der, der sich die Mühe machen möchte, Menschen nicht einfach aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu verdammen und für sie eine schnelle "Endlösung" zu finden) unter dem Sammelbegriff "intolerante, bigottische, haßerfüllte Hackfressen" einsortiert und kann wieder bei Null anfangen.

Zugleich werden all jene Schwulen und Lesben, die an Christus glauben und auf dem Weg sind, das irgendwie unter einen Hut zu kriegen (idealerweise nicht alleine, sondern in der Gemeinschaft anderer Christen), abgeschreckt und können so zur leichten Beute für die Haßprediger der eigenen Seite werden.

Wer als "Christ" beim Begriff "Homosexuelle" zuerst an Gewalt denkt, Haß empfindet, und irgendwas von Konzentrationslagern lallt, der muß sich genau so untersuchen lassen, wie ein Schwuler oder eine Lesbe, die beim Begriff "Kirche" gleich die Mollies in die Hand nehmen wollen. Eigentlich braucht der Christ sogar noch eine gründlichere Untersuchung, denn bei Schwulen und Lesben, die sich vom Haß blenden lassen, kann man nicht automatisch davon ausgehen, daß sie eine Botschaft verkünden, die sie nicht leben.

Wenn nun Worley eines Morgens aufwacht und feststellt, daß die Reifen seines Wagens aufgeschlitzt wurden oder irgendjemand über Nacht seine Kirche rosa angestrichen hat, dann wird er wahrscheinlich vor die Mikros treten und sagen: "Seht Ihr!? Alles Kriminelle, die Schwulen und die Lesben!" In diesem speziellen Fall werde ich mir dann denken: "Du hast aber auch echt darum gebettelt, Freundchen..."

Kommentare:

Charlotte hat gesagt…

Wie sagte Einstein so schön?
"Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." Schnauf.

L. A. hat gesagt…

Manchmal möchte man gar nicht so genau wissen, was für haßerfüllte Vollidioten sich Christen nennen.

Deinen Betrachtungen dazu schließe ich mich an.

Morgenländer hat gesagt…

Autsch!

"Das Menschenpack fürchtet sich vor nichts mehr als vor dem Verstande; vor der Dummheit sollten sie sich fürchten, wenn sie begriffen, was fürchterlich ist." (Goethe)

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ich denke gerade intensiv an ein Tänzerpaar, Mann und Frau, fromme (nicht frömmlerische) Baptisten und ganz entzückende Leute. Wir waren vorzeiten mal Nachbarn. Die beiden arbeiteten im Ballett der Deutschen Oper und hatten, wie dieser Beruf es eben mit sich bringt, zahlreiche schwule Kollegen - mit einigen waren sie sehr herzlich befreundet. Wie die beiden sich wohl fühlen, wenn ihre fröhliche, offene, tolerante Art mit diesem Kerl in Verbindung gebracht wird?

Herminator hat gesagt…

Tja, es gibt schon ziemliche Arschlöcher unter uns Christen!

Leider muß ich mich da oft genung einschließen ...

Ansonstn gebe ich dir auch recht, ausbaden müssen wir es alle und man darf gar nicht an die Lweute denken, die dadurch noch weiter von Christus abrücken und verloren gehe. Wie war das mit dem Mühlstein?

Traurig
Hermann

Anonym hat gesagt…

Naja, die Gemeinde gehört zu den so genannten "Independent Fundamental Baptist" Gemeinden. Die sind nicht organisiert, sondern, wie schon gesagt, independet. Und dort finden sich vor allem Leute, die mit ihrem Leben nicht zurecht kommen, wenn ihnen nicht jemand genau sagt, was sie zu tun und zu lassen hätten, wen sie wählen sollen, was sie essen sollen u.ä. Traurig. Es gibt davon mehrere in den USA, aber es ist keine große Bewegung - das ist selbst für die meisten Amerikaner zu krass.

Curioustraveller

Catocon hat gesagt…

Alipius,
mir ist gerade ein tolles Zitat von Erzbischof Fulton J. Sheen über den Weg gelaufen, das genau auf diese Situation passt:

"Tolerance applies only to persons, but never to principles. Intolerance applies only to principles, but never to persons."

Homosexualität (ein Konzept oder Prinzip) hat keine Toleranz verdient. Es ist eine schwere Sünde, homosexuelle Akte durchzuführen.
Homosexuelle (also Personen, die eine homosexuelle Neigung haben und/oder ausleben) haben hingegen jede Toleranz verdient.
Wenn sie nicht erkannt haben, dass Homosexualität moralisch falsch ist, dann müssen wir den Irrenden tolerieren - nicht das dahinterstehende Prinzip, den Irrtum selbst - sondern die irrende Person.
Wenn sie es erkannt haben, aber es nicht schaffen, danach zu leben, dann müssen wir ihre individuellen Schwächen tolerieren - nicht das Prinzip der Schwachheit selbst, sondern die individuelle Schwäche der einzelnen Person.

In jedem Fall ist diese Unterscheidung - Toleranz für Personen, nicht für falsche Prinzipien, genau der Leitfaden, den man braucht, um klar und deutlich gegen die Sünde zu sein, ohne gegen den Sünder zu sein.