Mittwoch, 16. Mai 2012

Also der Reihe nach...

Auf der Seite Wir sind die Urheber haben unzählige Künstler, Kreative und Autoren mit ihrer Unterschrift zu erkennen gegeben, daß sie die Urheberrechte bewahrt bzw gestärkt wissen wollen.

Die Hackergruppe Anonymous hat nun persönliche Daten (Name, Adresse, Telefon, Fax und E-Mail) der Unterstützer online gestellt, um weitere Unterzeichner abzuschrecken.

Josef Bordat hat daraufhin in einem Artikel die Situation geschildert und bewertet. Ihm geht es weniger um die Urheberrechtsfrage sondern um den Umgang miteinander und um einen leicht fauligen Duft, der aus einer totalitären Ecke rüberweht. Und da schließe ich mich Josefs Urteil an:
    Hört auf, sonst machen wir weiter! Diese anonyme Drohung sollte ein Grund sein, anzufangen. Auch dann, wenn einem das Thema selbst gar nicht so wichtig ist. Es geht nicht nur um das Urheberrecht, das gefährdet ist, sondern um die Demokratie. Diese ist gefährdet, wenn man es zulässt, dass Menschen durch Belästigung und Bedrohung zum Schweigen gebracht werden, aus dem Schutz der Anonymität heraus. Entschuldigung, aber ich kann es mir bei der Kombination von Feigheit und Totalitarismus einfach nicht verkneifen: Pfui!
Danke, Anonymous! Ich hatte von der Wir sind die Urheber-Aktion gar nicht gewußt. Und wenn ich von ihr gewußt hätte, dann bin ich mir nicht sicher, ob mich die Sache genug interessiert hätte, um zu unterschreiben (obwohl ich mit dem Anliegen der Künstler sehr einverstanden bin).

Jetzt aber werde ich unterzeichnen. Und zwar hier (falls noch jemand möchte...).

"Unterzeichnet nicht, sonst veröffentlichen wir Eure Daten!"

Das erinnert mich an den Pausenhof in der Schule: "Gib mir dein Snickers, oder es gibt auf die Fresse!" Die Jungs, die das sagten, waren in der Regel die, die geistig ein wenig unterbemittelt waren und nur sehr wenige Freunde hatten. Aber sie trugen wenigstens keine Masken.

Kommentare:

Martin J Grannenfeld hat gesagt…

bei allem & völligem Einverständnis sowohl mit Dir als auch mit Jobo, was diese ekelhafte Anonymous-Aktion angeht (auch wenn ich bzgl. Urheberrecht anderer Meinung bin):

warum muss immer gleich "die Demokratie" gefährdet sein? Reicht es nicht zu sagen, dass die Freiheit gefährdet ist? Oder das Recht? Oder die guten Sitten? Müssen wir diesen Götzen wirklich anbeten, indem wir ihn zum universellen Stellvertreter-Wort für alles Gute und Hehre in unserer Zivilisation erkiesen?

...richtet sich zwar eher an Jobo, aber bei dem kann man ja nix schreiben...

Alipius hat gesagt…

Ich finde schon, wie Du ganz richtig sagst, daß hier erst einmal die guten Sitten, der gesunde Menschenverstand und die Freiheit gefährdet sind und nicht direkt die Demokratie. Ich finde auch nicht, daß die Demokratie alles Gute und Hehre in unserer Zivilisation repräsentiert. Aber wenn man den Bogen weiterspinnt, dann sehe ich auch, wie die Demokratie tatsächlich Schaden nehmen kann. Diese Feststellung alleine sollte aber eigentlich nicht den Vorwurf der Götzenanbetung rechtfertigen. Find' ich'n bißchen heftig.

MJG hat gesagt…

Nein, diese Feststellung allein rechtfertigt selbstverständlich nicht den Vorwurf der Götzenanbetung, sie ist ja außerdem sogar wahrscheinlich korrekt.

Ich finde es allerdings gefährlich, dass ganz oft "Demokratie" gesagt wird, wenn man eigentlich etwas anderes meint: Meinungsfreiheit, Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit, offene Gesellschaft usw. - Denn das alles hat es in anderen Staatsformen (z.B. in vielen traditionellen Monarchien oder Aristokratien) auch gegeben. Wenn es immer gleich um "die Demokratie" geht, impliziert das, dass Leute, die (wie ich) die Demokratie kritisieren oder gar ablehnen, damit der Unrechtsherrschaft, Gesetzlosigkeit und Zensur das Wort reden. In diesem Moment nimmt das Verhältnis zur Demokratie, wie ich finde, götzendienerische Züge an: Die Demokratie wird Quell und Ursprung alles Guten, wer die Demokratie ablehnt, bekennt sich damit zwangsläufig zum Bösen. Die Demokratie liefert den letzten Erklärungs- und Begründungsrahmen für das politische und gesellschaftliche Sein, und das kann ich als religiöser Mensch nicht akzeptieren.

Darum ruft es mich immer auf den Plan, wenn ich von religiöser Seite aus Nachlässigkeit eine Übernahme dieser Begriffsvertauschung sehe...

Alipius hat gesagt…

Klar. Man sollte sich darüber im Klaren sein, was man meint, wenn man Demokratie sagt. Und ich meine tatsächlich auch das, was Du anführst (Meinungsfreiheit etc...).

Bundesbedenkenträger hat gesagt…

Falls es wen interessiert: Die haben jetzt wohl ne Stellungnahme dazu veröffentlicht:

http://humanicum.wordpress.com/2012/05/19/stellungnahme-von-anonymous-wir-sind-die-urheber-und-anonymous/

Josef Bordat hat gesagt…

Warum die Demokratie gefährdet ist, wenn Menschen den Weg der demokratischen Entscheidungsfindung durch Druck und Gewalt in ihrem Sinne begradigen wollen, wird vielleicht deutlich(er), wenn ich (demnächst) Stefan Eisels Analyse "Internet und Demokratie" besprechen werde. Nächste Woche.

JoBo