Donnerstag, 31. Mai 2012

Ach, was ist das schön...

Der ideale Moment, um mal wieder einen meiner kleinen Befindlichkeits-Chorherren auszupacken: Elsa ist gestern noch spät abends der Kragen geplatzt. Denn der der SPIEGEL hat erneut seine ganze Klasse gezeigt. Die Überschrift "Vatileaks-Skandal: Papst Benedikt kritisiert die Medien" sollte jeden Menschen mit einem Fingerhut voll gutem Willen und dreieinhalb Hirnzellen sofort nach dem Text des Papstes suchen lassen, von dem hier die Rede ist.

Und weil es sich um eine Rede des Papstes handelt bin ich ganz naiv mal auf die Vatikan-Seite gegangen. Und siehe da! Ich wurde fündig:
    Gli avvenimenti successi in questi giorni, circa la Curia e i miei collaboratori, hanno recato tristezza nel mio cuore, ma non si è mai offuscata la ferma certezza che, nonostante la debolezza dell’uomo, le difficoltà e le prove, la Chiesa è guidata dallo Spirito Santo e il Signore mai le farà mancare il suo aiuto per sostenerla nel suo cammino. Si sono moltiplicate, tuttavia, illazioni, amplificate da alcuni mezzi di comunicazione, del tutto gratuite e che sono andate ben oltre i fatti, offrendo un’immagine della Santa Sede che non risponde alla realtà.
Bei Elsa gibt's dann auch gleich eine Übersetzung:
    Die Ereignisse, die in diesen Tagen die Kurie und meine Mitarbeiter betreffend passiert sind, haben mein Herz mit Traurigkeit erfüllt. Aber die feste Überzeugung wurde nie getrübt, dass - trotz der Schwäche des Menschen, der Schwierigkeiten und der Prüfungen - die Kirche vom Heiligen Geist geführt wird und dass der Herr seine Hilfe niemals fehlen lassen wird, um sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Allerdings haben sich Unterstellungen multipliziert - von einigen Medien erweitert - die völlig unbegründet waren und weit über die Fakten hinausgehen. Sie haben ein Bild vom Heiligen Stuhl vermittelt, das nicht der Realität entspricht.
Was macht nun der SPIEGEL aus diesem letzten Satz? Das hier:
    Angefeuert von einigen Medien, hätten sich "unbegründete Vermutungen" vervielfacht.
Jaja...

Der gute, alte SPIEGEL... Dieser deutsche Print-Pontifex schafft es immer wieder, seinen Lesern tatsächlich simple Brücken zu errichten, über die sie von einer bereits fragwürdigen Berichterstattung in Windeseile die Müllhalde des Verstandes erreichen können.

Ich war noch nicht zwei Sätze tief im SpOn-Artikel drin, da dachte ich schon 'Mal sehen, wie lange es dauert, bis in den Kommentaren die Hexen oder die Kreuzzüge oder der Mißbrauchs-Skandal auftauchen...'

Und sage niemand dem SPIEGEL nach, daß er nicht liefere, was man erwartet!

Immerhin dauert es bis zum siebten Kommentar, aber dann läßt ein Leser namens mathematicus (hier wahrscheinlich locker aufgefaßt im Sinne von "1 + 1 = 3") das hier vom Stapel:
    Na wie schön, dass er tief traurig ist. Aber nicht etwa, weil seine Organisation für Jahrzehnte des Kindesmissbrauchs und vor allem der Vertuschung desselben steht (von den Verbrechen der 1900 Jahre davor wollen wir hier mal gar nicht sprechen),..."
Kindesmißbrauch... Kirche... Medien...

Papst soll zu Odenwald Stellung beziehen...

Aber Hauptsache: Mach meine Medien nicht an (hier auch gerne stellvertretend für: 'Bring nur ja nicht mein mühsam konstruiertes "SPIEGEL-Leser wissen mehr"-Weltbild ins Wanken')!

Denkst Du schon, oder liest Du noch?

1 Kommentar:

Josef Bordat hat gesagt…

Da ist es ein schwacher Trost, dass der *Tagesspiegel* keinen Deut besser ist (s. Erdogan-Kommentar). Und der erscheint täglich, nicht nur montags.

LG, JoBo