Sonntag, 1. April 2012

Zwischen "Hosianna!" und "Kreuziget ihn!"...

Josef Bordat hat unter Berufung auf Bischof Fürst auf die Spannung zwischen Palmsontag ("Hosianna!") und Karfreitag ("Kreuziget ihn!") hingewiesen.

Ganz richtig bemerkt er, daß diese Spannung zugleich eine Anfrage an unseren Glauben ist: "Was sagen wir, wo stehen wir?"

Mich hat dieses Thema während der vergangenen Tage auch beschäftigt. Mir ist dabei aufgefallen, daß die angesprochene Spannung nicht nur eine Frage an uns bzgl unseres Glaubes richtet sondern auch bzgl unseres Umgangs mit anderen Menschen. Denn der kurze Weg vom "Hosianna!" zum "Kreuziget ihn!" scheint mir eine Muster zu sein, welches auch heute noch angewendet wird.

Es geht dabei - wie auch schon im letzten Posting - um eine Bekanntheit, die sich quasi über Nacht einstellt und den damit zusammenhängenden flüchtigen Ruhm.

Beispiel: Als Zlatko Trpkovski im Jahr 2000 in der ersten Staffel von Big Brother durch sein selbstbewußtes Auftreten bei gleichzeitig äußerst geringem Allgemeinwissen auffiel, wurde er schnell zum Publikumsliebling und zur Berühmtheit. Der Hype ging so weit, daß Zlatko nach seinem Ausscheiden sogar Schlagerstar wurde und zwei Platin-Singles veröffentlichte (eine davon mit Big Brother-Kumpel Jürgen). Doch auf die "Hosianna!"-Phase folgte schnell der "Kreuziget ihn!"-Schiffbruch, als Zladdi bereits ein Jahr später bei der deutschen Vorentscheidung für den Eurovision Song Contest vom Publikum von der Bühne gepfiffen wurde.

Nicht, daß irgendwer glaubt, ich wolle hier Christus mit Zlatko vergleichen. Mir fallen nur gewisse Gemeinsamkeiten auf in der Art und Weise, wie mit beiden umgegangen wurde. So wurden z.B. sowohl Jesus als auch Zlatko vom "Publikum" zu dem gemacht, was sie eigentlich nicht sind: Jesus zum Verbrecher, Zlatko zum Star. Zlatko aber war nie ein Star. Er war nur Nutznießer und dann Opfer eines kurzen Hypes, hervorgerufen durch eine sanftere Spielart der Faszination des Grauens, durch vorauseilende Schadenfreude, durch die Lust am Gaffen, durch den Kick am Amusement über den, der nicht weiß, wer Shakespeare ist.

Nun ließe sich sagen, daß das Publikum dann auch das Recht hat, den Star, den es schuf, wieder zu vernichten. Der soll sich mal nicht so anstellen. Schließlich haben wir ihm ja zur Bekanntheit verholfen. Und da wir nicht ewig seine Fans sein können, war das Scheitern doch eh vorprogrammiert.

Das Problem ist, das Zlatko nicht auf die Erde kam, um als König des Himmels am Kreuz zu scheitern und dann doch zu siegen, indem er mit seiner Auferstehung den Tod überwindet und den Menschen das Tor zur ewigen Seligkeit aufstößt. Zlatko ist nichts weiter als ein Mensch, dem es einfach nicht gut tut, wenn man ihne vorne in den Mund der Maschine schmeißt und dann alleine liegen läßt, nachdem die Maschine ihn zuerst sanft massiert und köstlich gefüttert, aber dann bis aufs Blut ausgesaugt und hinten wieder ausgespien hat.

Nicht, daß ich Anhängern der Meute, die Zlakto johlend auf den Thron hob, zutraue, sich vor einer solchen Aktion Gedanken über die im Grunde zwangsläufig auftretenden Folgen zu machen.

Kacke finde ich solche Geschichten trotzdem.

Meine Privat-Moral von der Geschichte: Man hüte sich vor voreiligen, überzogenen Jubelstürmen, deren Empfänger nicht ein irgndwie schwer talentiertes Individuum ist, sondern eine schaulustige Meute, die sich mit dem Gegröle nur selbst bestätigt. Man hüte sich ebenso vor voreiligen, überzogenen Verurteilungen, vor allem, wenn der, über den man das Urteil spricht, eher Spielball als Spieler ist bzw war.

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