Samstag, 28. April 2012

Thema: Folter!

Josef Bordat stellt das Buch "Wahrheit und Gewalt. Der Diskurs der Folter." von Thomas Weitin (Hg.) vor.

Folter...

Kurze Antwort: Nein!

Begründung: Jenseits der "'harten' juristischen Debattenbeiträge(n)" und der "'weiche(n)' Sicht der Kulturwissenschaft" (Josef Bordat) fiel mir noch etwas ein.

Ich denke, daß so ziemlich jeder der Meinung ist, daß wir als Menschen Würde besitzen. Diese Würde bewirkt, daß es bestimmte Dinge gibt, die man einem anderen Menschen nicht antun darf bzw nicht antun sollte, wenn man keinen gesteigerten Wert auf soziale Ächtung oder Bestrafung legt.

Zu diesen Dingen zählt auch das Zufügen von Schmerzen, wenn diese Schmerzen nicht der Besserung eines Übels dienen (Zahnarzt) sondern eine Aussage evozieren sollen, von der der Empfänger nicht sicher sein kann, ob sie die Wahrheit enthält oder nicht.

Das große "Ja, aber...!", welches hier regelmäßig folgt, bezieht sich auf die mögliche Verhinderung eines großen Übels, auf die man hoffen darf, wenn die gewünschte Aussage durch Folter erpreßt wurde.

Das Problem: Die Verhinderung des Übels ist eben nur möglich. Sie ist keineswegs Gewißheit. Mehr noch: Es besteht immer die Möglichkeit (mag sie auch noch so klein sein), daß das Übel, welches man zu befürchten hat, durch einen Umstand verhindert wird, an den man gar nicht dachte oder auf den man nicht zu hoffen wagte.

Sobald man aber einen Menschen foltert, geht es nicht mehr um Möglichkeiten oder um irgendwelche Umstände oder um des große "Vielleicht...". Denn in dem Moment, in dem man einen Menschen foltert, setzt man selbst das Übel in die Welt, ohne wenn und aber.

Foltert man nun "erfolgreich" und das Übel, welches man verhindern wollte, wird durch die erzwungene Aussage tatsächlich verhindert, so läßt sich das Übel, welches durch die Folter geschah, nicht mehr zurücknehmen.

Foltert man nicht "erfolgreich", so steht man mit seinem Übel, welches durch die Folter geschah, alleine da.

Foltert man gar nicht, so gibt es zwei Möglichkeiten: Das Übel, welches man verhindern wollte, geschieht oder es geschieht - aus welchem Grund auch immer - nicht.

Man hat aber nicht durch die Folter noch ein weiteres Übel in die Welt gebracht.

Kurze Rechnung:

Folter + Verhindern des Übels = 1 Übel
Folter + kein Verhindern des Übels = 2 Übel
Keine Folter + Stattfinden des Übels = 1 Übel
Keine Folter + nicht Stattfinden des Übels = 0 Übel

Die einzige Möglichkeit, ohne irgendein Übel aus der Geschichte rauszukommen, ist demnach der Verzicht auf Folter.

1 Kommentar:

Claudia hat gesagt…

Klare Rechnung!
Abgesehen davon ist die erste Tote unter der Folter immer die Wahrheit. Denn zur Vermeidung grauenvoller Schmerzen und gemeinster Behandlung wird fast jeder etwas gestehen.
Ein eindrucksvolles Dokument über die Sinnlosigkeit von Folter ist der Brief des Johannes Junius.
Abgesehen davon fordert die Einführung von Folter auch immer Leute, die das tun. Mag sich jemand vorstellen, was mit der Seele eines Folterers geschieht? Wie schläft ein Mensch, der einem anderen so lange Schmerzen zugefügt hat, bis der geweint hat "Ja, ich habe das getan"? Und, pardon... wer würde im gleichen Bett schlafen wollen wie ein Folterer?