Donnerstag, 12. April 2012

Schlechtes Timing?!

Im Christlichen Medienmagazin "pro" antworten acht ZEIT-Autoren auf die Frage "Hat das Papstamt noch Zukunft?"

Zwei dieser Autoren (Thomas Assheuer, Stefan Schirmer) scheint der Papst eher egal zu sein.

Irgendwie oder dezidiert mit "Ja" antworten fünf der Gefragten (Josef Joffe, Rüdiger Jungbluth, Christiane Florin, Ijoma Mangold, Patrick Schwarz). Wobei hier die Antwort von Jungbluth echt abgefahren ist:
    Rüdiger Jungbluth, "des Glaubens wegen aus der Kirche ausgetreten", bekennt, dass es ihm nie schwergefallen ist, den Papst anzuerkennen. Ihm reiche es zu hören, was Benedikt XVI. sagt, den Glauben an Kreuz und Auferstehung lehne er aber ab.
Ich kenne sonst nur "Ich glaube an Christus, Kreuz und Auferstehung, lehne aber die Kirche/den Papst ab". Der Papst als jemand, dem man zuhört (vielleicht gar mit Gewinn), während man gleichzeitig nicht an die Auferstehung glaubt. Find' ich jetzt natürlich nicht wirklich tröstlich, aber irgendwie originell.

Finster rumpelt die Protestantin Sabine Rückert. Im pro-Artikel ist sie sowohl die erste Frau als auch die erste Protestantin, die zu Wort kommt, und ich muß mich jetzt bei allen Frauen und allen Protestanten vorab entschuldigen bevor ich sage, daß ich mich (auch wegen dieser beiden Tatsachen) überhaupt nicht wunderte, als sie mit dem guten, alten "Christus hat aber XYZ nicht gesagt/getan" anrollte. Genauer:
    Die Protestantin Sabine Rückert hat mit dem bestehenden Papstbild große Probleme: "Christus hat keinen Menschen für unfehlbar und alle für vergebungsbedürftig gehalten." Das Papstamt sei eine überkomme Einrichtung, die oft völlig inhaltsleer bleibe und durch pompöse Zeremonien geprägt sei. Der aktuelle "Amtsinhaber" ignoriere evangelische Christen, demütige leidenschaftliche Katholiken und missachte alle Frauen, die seit Beginn der Christenheit der wahre Fels der Gemeinde seien: "Niemand braucht diesen alten Papst mit seiner Altmännerkirche", bilanziert Rückert.


Ich bin mir ziemlich sicher, daß auch der Papst keinen Menschen pauschal (sondern nur den Inhaber des Papstamtes unter bestimmten Bedingungen) für unfehlbar und alle Menschen für vergebungsbedürftig hält.

Somit ist der Heilige Vater Christus eigentlich näher als Rückert, welche kundtut "Niemand braucht diesen alten Papst..." und dabei irgendwie nicht so wirkt, als glaube sie an ihre eigene Fehlbarkeit.

Plus: Selbst ein langer Text des Papstes ist interessanter als diese Ansammlung von gähnkrampfinduzierenden Ladenhütern der Marke "überkommene Einrichtung", "pompöse Zeremonien", "ignoriere evangelische Christen", "missachte alle Frauen", "Altmännerkirche"...

Hey! Bei der Dame hätte man ganz gute Chancen, zum schnellsten "Wir si-hind Kirche und Du-hu ni-hicht!"-Gewinner aller Zeiten zu werden!

Sie hat ihn sich verdient:

1 Kommentar:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

Meiner Meinung nach ist die Ablehnung des Kreuzes ein Stadium der Apostasie, die man auch bei kath. Religionslehrern und Priestern beobachten kann.

Die Vorstellung, daß ein allmächtiger Gott seinen Sohn leiden und sterben läßt für das bißchen Schlechtigkeit der Menschen, was man mit ein paar sozialpädagogischen/psychologischen Therapiestunden locker hinbekommen hätte, die ist für so manchen schwer zu schlucken. Gerade bei Priestern kann man diese Haltung bei der Betrachtung ihrer Gestaltung der Karfreitagsliturgie entlarven, wenn die Kreuzverehrung fröhlicher zu sein scheint als manche Hochzeit.