Montag, 30. April 2012

Premiere!

Ich habe mir heute das neueste Album von And Also The Trees besorgt. Es ist bereits im März erschienen, aber ein Punkt auf meiner Fasten-Verzicht-Liste lautete: "Das neue Trees-Album erst nach Ostern kaufen!"

Jetzt ist des Fingernägelknabberns genug und das Album liegt auf meinem Tisch!

Es heißt Hunter and the Hunted und ist das 11. Album der Band (ohne Compilations oder Unplugged-Albums oder Live-Kram etc). 5 Jahre sind seit Veröffentlichung von Listen to the Rag and Bone Man vergangen, so daß ich schon ziemlich gespannt bin, wie das neue Material so klingt.

Auf Klosterneuburger Marginalien gibt's jetzt eine Premiere: Ich werde die Scheibe nun einlegen und parellel zum ersten Hören gleich hier kommentieren.

Das erste Stück heißt "Only" und beginnt mit perligen Saitenklängen und einer leicht orientalisch anutenden Gitarren-Melodie. Ahh, der Gesang setzt ein! Wie gewohnt eigenwillig, tief, dunkel, stimmungsvoll. Oh! Justin Jones' typisches, mandolinenartiges Gitarrenspiel taucht auch gleich im ersten Stück auf! Willkommen daheim, Alipius! Und dazwischen versüßt das Geklimper eines Glockenspiels den leicht sehnsüchtigen Song. Schön!

Mit "Hunter not the Hunted" geht es weiter. Ein etwas schräger Beginn, mit dem Gesang setzt Perkussionszeugs ein. Boah, ist der Gesang klasse! Ist gar kein Gesang, sondern nur so zwischen die Noten gepresste, gesprochene Worte, hinter denen sich nun immer breiter die Instrumente entfalten. Der ganze Song hat einen sehr akkustischen, unpluggeden Touch und ist insgesamt eher besinnlich bis geisterhaft.

"Burn down this Town" heißt das dritte Stück. Und es beginnt mega-klassisch mit Justins' Mando-Klampfe, die mal vor und wieder zurückgemischt neben dem Baß herspielt. Hat fast 'was von "This Ship in Trouble" von The Millpond Years, ist nur nicht so finster. Keine Drums, dafür ein cooler Bass.

Weiter geht's mit "Bloodline". Der Anfang klingt beinahe wie Filmmusik. Ein Hauch von Danny Elfman. Zitherklänge, zarte Gitarre, Bass akkustisch, glaub' ich. Sehr zart. Oh! Jetzt plötzlich Schneebesendrums und "lalalalala". Fast wie ein Schänken-Lied zu dem der Wein fließt und die Magd mit dem Knecht schunkelt. Witzig. Und schon wieder vorbei. Es geht so filigran weiter, wie es begann, aber der Chorus kommt bestimmt nochmal. Yup, da isser! "Lalalalalala..." Irgendwie zugleich ermunternd und doch melancholisch. Wie die das immer hinkriegen...

"My Face is here in the Wild Fire" Uhh! Klingt wild. Fängt aber ganz ruhig an mit einem langgezogenen Ton, über den sich nun vorsichtig die Gitarre ausbreitet. Woah! Wieder Sprechgesang, leicht bedrohlich. Dafür kommt die simple Gitarre hier aber extrem gut. Background-Gesang gibt es auch. Wow! Spukiger Instrumental-Ausklang, der gleich in das nächste Stück übergeht.

"Black Handled Knife" heißt es und scheint eines dieser ultra-gespenstischen Teile zu sein, die sich immer wieder mal auf ein Trees-Album schmuggeln. Es loopt und wabert melodielos, der Gesang düster und manchmal mit Reverb und am Ende ganz ohne Instrumentenbegleitung. Nur 2 Minuten lang.

Das nächste Stück heißt "The Woman on the Estuary" und fängt sehr schön an. Aha, geht auch um Liebe. Insgesamt scheint das Album eher einen akkustisch/unplugged-Eindruck vermitteln zu wollen. Klappt auch. Hier gibt's auch wieder viel gezupfte Gitarrensaiten, leicht runtergemumpftes Schlagwerk und vornehm operierenden Bass. Aber alles sehr stimmungsvoll.

Mit "What's Lost Finds" geht es weiter. Und wieder ein sehr ruhiger, klimpriger Song, zu dem sich dann plötzlich leicht beschwingte Drums gesellen. Hübsche Überraschung. Gibt der Geschichte eine gute Steigerung. Och, schon wieder weg, die Drums. Vorsichtig tastet der Song sich weiter voran. Okay, wird dramatischer und... Ja, da holpern die Drums wieder los. Gut!

"The Knave" heißt Song Nummer 9. Oh, der klingt fast klassisch mit dem Gezupfe. Das Schlagzeug läßt sich auch wieder Zeit, kommt erst nach ca 1:40 rein. Tut der Sache aber keinen Abbruch. Im Gegenteil. Ich find solche Aufbauten immer angenehm. Ach, prima, es wird wirklich immer breiter und massiger, mit Background "Oh"-s und intensiver werdenden Instrumenten. Schöner Song.

"Whiskey Bride"! Yeah! Klingt interesant genug. Ist das jetzt ein Liebslied für eine Frau, die sich gerne einen Whiskey reindeut oder eine Ballade für seinen Whiskey, der ihm schon zur Braut geworden ist? Schwer zu sagen. Erneut ein ruhiges Lied, ohne Schlagzeug. "I know you'll follow me, I'll follow you. I'll take you to the edge and out the other side, My Whiskey Bride..." Holla! Finger von der Flasche, Junge!

Nächster Song: "Rip Ridge"! Gitarre, Bass, Becken, Gesang, alles irgendwie lauernd, wartend, als ob da gleich 'was losgeht. Kann aber auch nur ein Trick sein. Wir werden sehen bzw hören. Aha, der Bass müpft schon mal auf. Und - ja - da wird's voller, sphärischer. Abflug! Sehr schön!

Weiter geht's mit "Angel, Devil, Man and Beast": Alle da! Okay! Fängt gut an! Oh, jetzt geht's fast schon in Richtung Rock-Ballade. Dengel, Schepper, Schraddel, aber alles auf würdevolle Trees-Art. Ich glaube, die zweite Hälfte das Albums ist die bessere. Auf jeden Fall gefällt mir auch dieser 3/4-Rock ziemlich gut.

Und schon sind wir beim letzten Stück: "The Floating Man". Wieder klassiches Trees-Geklampfe zu Beginn. Bass und Becken sind auch gleich mit dabei. Oh, das ist schön. Die Stimmung und die Melodie gefallen mir. Leicht verträumt, ein wenig schmachtend, aber nicht zu arg. Das könnte gut funktionieren, wenn man bei einsetzender Dämmerung über Land fährt. Gute Wahl für ein letztes Stück.

Hmm... Gesamteindruck...

Wie gesagt: Beim ersten Hören gefiel mir die zweite Hälfte der Lieder besser. Da sind einige wirklich gute Sachen dabei. Insgesamt fehlen mir allerdings die Stücke, bei denen ich schon nach drei Sekunden weiß, daß ich sie erst wieder hergebe, wenn man sie aus meinen steifen, toten Fingern reißt. Davon gab's früher auf jedem Trees-Album mindestens drei bis vier. Aber hier hatte ich dieses Gefühl nur beim letzten Stück. Fazit: Für Trees-Fans gibt's auf dieser Scheibe genug Häppchen zu entdecken. Ich bin jedenfalls ziemlich zufrieden, aber ich denke, daß der letzte wirklich gigantische Wurf der Band das Album Further From The Truth aus dem Jahre 2003 war.

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