Dienstag, 10. April 2012

Oops...

Meint der SPIEGEL (Unterabteilung UniSPIEGEL) in seinem Bericht über und mit junge(n) Philosophen:
    Woody Allen ist einer von ihnen. Bruce Lee, George Soros und Papst Benedikt XVI. auch. Sie studierten in einem früheren Leben einmal Philosophie, und wie so viele Absolventen dieses Fachs landeten sie in ganz anderen Bereichen.
Hmm...

Ganz anders?

Also ohne mein Philosophiestudium hätte ich in meinem Theologiestudium nicht immer so arg viel verstanden. Weiß also nicht, ob und warum man die Beiden hier so auseinanderreißen muß.

Im Artikel werden fünf Jung-Philosophen (zwischen 21 und 36) interviewt. Sie alle bekommen die gleichen Fragen gestellt. Was ich ganz interessant finde (und ich weiß nicht, ob das dem Philosophiestudent-Sein geschuldet ist oder ein Zeichen unserer Zeit ist), daß keiner der Fünf in der Lage ist auf die Frage "Gibt es einen Gott?" mit einem klaren "Ja" oder einen klaren "Nein" zu antworten.

Die Spielarten sind:
  • Ich kann nur schwer an Gott glauben, weil es Übles in der Welt gibt

  • Ich kann nur schwer nicht an Gott glauben, weil ich mir die Wirklichkeit ohne letzte Instanz, die wir von mir aus "Gott" nennen können, nicht vorstellen kann

  • Man sollte klären, ob die Annahme der Existenz eines übernatürlichen Wesens sinnvoll ist und daher lieber fragen, was den Menschen an ihrem Glauben wichtig ist

  • Man könnte Gott doch auch als den Schlußstein eines Gewölbes denken und ihn dann je nach Geschmack "Gott" oder "Topfdeckel" nennen

  • Es spricht nichts für den Gott der abrahamitischen Religionen, zumal sich alle "Gottesbeweise" als argumentative Fehlschlüsse erwiesen haben, und ich weiß nicht, wer den Erschaffer erschaffen haben sollte, wenn es denn einen Erschaffer gibt
Seltsam, seltsam...

Kommentare:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

14. Bei der Neugestaltung der kirchlichen Studien ist vor allem darauf zu achten, daß die philosophischen und die theologischen Disziplinen besser aufeinander abgestimmt werden; sie sollen harmonisch darauf hinstreben, den Alumnen immer tiefer das Mysterium Christi zu erschließen, das die ganze Geschichte der Menschheit durchzieht, sich ständig der Kirche mitteilt und im priesterlichen Dienst in besonderer Weise wirksam wird (28). Damit diese Sicht den Seminaristen schon vom Anfang ihrer Ausbildung an vertraut werde, sollen die kirchlichen Studien mit einem ausreichend langen Einführungskurs beginnen. In dieser Einführung soll das Heilsmysterium so dargelegt werden, daß die Alumnen den Sinn, den Aufbau und das pastorale Ziel der kirchlichen Studien klar sehen; daß ihnen zugleich geholfen werde, ihr ganzes persönliches Leben auf den Glauben zu gründen und mit ihm zu durchdringen; daß sie endlich in der persönlichen und frohen Hingabe an ihren Beruf gefestigt werden.

15. Die philosophischen Disziplinen sollen so dargeboten werden, daß die Alumnen vor allem zu einem gründlichen und zusammenhängenden Wissen über Mensch, Welt und Gott hingeführt werden. Sie sollen sich dabei auf das stets gültige philosophische Erbe stützen (29). Es sollen aber auch die philosophischen Forschungen der neueren Zeit berücksichtigt werden, zumal jene, die beim eigenen Volk bedeutenderen Einfluß ausüben, und der Fortschritt der modernen Naturwissenschaften. So sollen die Alumnen über die charakteristischen Erscheinungen der heutigen Zeit gut Bescheid wissen und auf das Gespräch mit den Menschen ihrer Zeit entsprechend vorbereitet werden (30).

Die Philosophiegeschichte soll so gelehrt werden, daß die Studenten zu den letzten Prinzipien der verschiedenen Systeme vordringen, den Wahrheitsgehalt festhalten, die Irrtümer aber in ihren Wurzeln erkennen und widerlegen können.

Durch die ganze Lehrweise wecke man in den Alumnen den Drang, mit methodischer Strenge nach der Wahrheit zu suchen, in sie einzudringen und sie zu beweisen und gleichzeitig die Grenzen menschlicher Erkenntnis ehrlich anzuerkennen. Ganz besonders achte man auf den engen Zusammenhang der Philosophie mit den wirklichen Lebensproblemen und den Fragen, die die Studenten innerlich bewegen. Man soll ihnen auch dazu helfen, die Verbindung zu sehen, die zwischen den philosophischen Gedankengängen und den Heilsgeheimnissen besteht, die die Theologie im höheren Licht des Glaubens betrachtet.

aus Optatam Totius

Man sieht also als aufgeklärter Gutmensch, Philosophie hat gar nix mit Theologie zu tun, ist eine ganz andere Baustelle!

/sarcasm off

Herzliche Grüße
M, der mit dem C

sophophilo hat gesagt…

Wieso Philo? Die gleichen Antworten (und die gleiche Abwesenheit eines klaren "Ja. Punkt.") erhält man auch leicht an der theologischen Fakultät... Denn wir sind doch alle Suchende! Gott bewahre, dass wir, gerade als Theologen, jemals etwas "finden" (oder gefunden haben) könn(t)en! Siehe dazu: http://invenimus.blogspot.de/2012/02/j-ratzinger-und-die-wahre-religion.html

Phil hat gesagt…

Ganz allerliebst ist ja der letzte Punkt. " und ich weiß nicht, wer den Erschaffer erschaffen haben sollte, wenn es denn einen Erschaffer gibt"

Erstens kann man hier auf den Verbot eines Schluß ins Unendliche abheben und zweitens zugegebenermaßen etwas dreist (weil kategorienwechselnd) auf den Gödelschen Unvollständigkeitssatz. Zumindest in der Mathematik ist die Annahme unbeweisbarer, d.h. auf nichts zurückführbarer Aussagen durchaus stichhaltig.

Und was das erste betrifft: Das ist mMn generell der Fehler beim Theodizee-Problem: Man sieht die Welt schon als die Hauptsache an. Nur ohne ein Leben nach dem Tod, was nicht nur die Sahne auf dem Kuchen Leben, sondern das Leben an sich ist, das, wofür wir letztlich geschaffen sind, nur dann kann man ständig die Frage nach dem Leiden stellen.