Mittwoch, 11. April 2012

Möge die Macht mit uns sein!

Inspiriert von einem Erfahrungsbereicht seiner Lieblings-Atheistin Leah Libresco schreibt Mark Shea:
    Those who are used to Christian things can forget how strange and powerful they are.

    [Diejenigen, die christliche Dinge gewohnt sind, können vergessen, wie seltsam und machtvoll sie sind]
Da hat er nicht unrecht.

Interesasnterweise machte Leah ihre Erfahrung während der Fußwaschung am Gründonnerstag (Leah besucht Messen, weil sie neugierig und offen ist). Im entsprechenden Evangelium heißt bei bei Johannes 13:
    Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?

    Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.

    Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen!

    Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.

    Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.

    Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen.
Was dieses Evangelium uns meiner Meinng nach außer der "Reinheit" auch noch mitgeben will, ist die "Nacktheit/Leere".

Wenn man sich mit Freunden zum Essen niederläßt und der Rahmen nicht irgendein ausgeflipptes 120-Tage-von-Sodom-Horrorszenario ist, dann ist man üblicherweise bekleidet. So, wie man aber äußerlich bekleidet ist, so sollte man innerlich nackt oder leer sein, wenn man zum Tisch des Herrn geht. Sprich: Man sollte so wenig wie möglich von dem mitbringen, was einem sonst so wichtig erscheint und sich stattdessen nur auf das einlassen, was in diesem Augenblick wirklich wichtig ist. Denn hier werden alle Erfahrungen auf den Kopf gestellt, alle Erwartungen gesprengt, alle Gewohnheiten in den Wind geschlagen.

Auch Petrus bringt seine Erfahrung, seine Gewohnheit mit, so daß er protestiert, als der Herr dem Knecht die Füße waschen will. Jesus weist ihn zurecht und klärt ihn auf. Wenig später wird es dann offiziell:
    Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Und auch:
    Dies trage ich euch auf: Liebt einander!
Wo Brot und Wein zu Leib und Blut werden, wo eine zeitliche Speise zur Arznei der Unsterblichkeit wird, wo wir uns über alle Gegensätze hinweg als Freunde lieben sollen, dort können uns unsere üblichen Vorstellungen und Konzepte nur wenig helfen und dort wird der weiseste Mann scheitern, wenn er in seinem Innersten zwischen Bücherkisten, Formelsammlungen und wissenschaftlichem Gerät nicht Platz schaft für einen Glauben, der mehr ist als zaghaftes Mitläufertum oder neugieriges Dabeisein.

Wenn man das "Liebet einander!" nur als eine irgendwie nette Idee betrachtet, wenn man die Freundschaft zwischen Gott und Mensch nicht an sich heranläßt, weil Christus kein facebook-Account hat, wenn man Leib und Blut unseres Herrn konsumiert und 'Brot und Wein' denkt, dann kann man sich niemals von dieser Macht berühren lassen, welche die ganze Welt umgestalten will und kann.

Dann wird man ewig auf dem Niveau bleiben, auf dem die Liebe Bedingungen unterworfen ist, auf dem Nehmen mindestens so selig ist wie Geben und auf dem das Rechthaben wichtiger als das Zuhören.

Ich bekomme das selbst hin und wieder zu spüren, wenn mir die Pferde durchgehen und ich wenig auf Gott vertraue dafür aber viel über andere schimpfe. Ich rede mir dann immer ein, daß hin und wieder auch mal ein Kragen platzen muß, aber ich weiß nicht, ob ich mich da nicht nur selbst beschwindele.

Andererseits kann ich mich in den besten Momenten immer noch so leer machen, daß ein einziger Weihwassertropfen auf der Spitze meines Fingers zum Zauberkorn wird, aus welchem die Macht Christi strömt, um mir die Kraft zu geben, die ich benötige. Die Kraft, den Anderen immer als den Bruder und die Schwester zu sehen, denen ich alleine schon deswegen Liebe schulde, weil Gott sie geschaffen hat.

Leah konnte die Fußwaschung nur erschreckend finden, weil sie - wie sie selbst schreibt - es nicht mag, von anderen Hilfe zu empfangen und nun mit dieser Tatsache konfrontiert wurde. Leah ist im Inneren noch ziemlich vollgestellt mit all ihren Erfahrungen, Erwartungen, Gewohnheiten, also mit all dem Gerümpel, welches einem Menschen den Zugang zu so unerhörten Dingen wie der Fußwaschung erschwert. Aber andererseits ist sie auch nicht komplett vollgestellt, so daß der gewaltige Eindruck der Zeremonie ihr den Hauch einer Ahnung gab. Sie mag nicht glauben, daß Gott existiert, aber sie war dennoch ergriffen von der Seltsamkeit und der Macht des Augenblicks.

Ach, wenn wir alle (ich nicht nur eingeschlossen sondern gerne auch vor allen anderen) doch nur häufiger in der Lage wären, diese positive Seltsamkeit und Macht zu spüren, zu sammeln und zu verbreiten, besonders die Macht des "Liebet einander!". In was für einer Welt könnten wir leben...

Möge die Macht mit uns sein!

1 Kommentar:

Severus hat gesagt…

"Those who are used ... can forget ..." - da hat er weiß Gott recht!
Danke fürs Erinnern!