Montag, 9. April 2012

Ich bin ein Gegensatz!

Am Mittwoch erschien auf derStandard.at ein Artikel, den aufzudröseln sich ausnahmsweise einmal lohnt. Denn es ist einer dieser Vorurteils-Stealth-Flieger, der - wenn er unwidersprochen bleibt - das schlichte Gemüt des schlichten Lesers spielend erreicht, dort landet und seine wenig heilsame Fracht ablädt.

Unter der nicht unerheiternden Überschrift "Der Homosexuellen-Spagat Schönborns" findet sich z.B. diese Passage:
    Auch aus Salzburg, wo Erzbischof Alois Kothgasser und Weihbischof Andreas Laun mit der Chrisam-Messe beschäftigt waren, war keine Stellungnahme zu erhalten. Pressesprecher Wolfgang Kumpfmüller: "Wir respektieren die Entscheidung Schönborns, anderen Diözesen steht jedoch eine Bewertung nicht zu." Laun hatte mit seinen Aussagen über Homosexualität, die für ihn der göttlichen Ordnung widerspricht, in der Vergangenheit immer wieder für Aufregung gesorgt. Im Gegensatz dazu hat sich Kothgasser immer wieder gegen Diskriminierung ausgesprochen.
Hier finden wir die erste Mogelpackung, welche zwischen den Zeilen zu verstehen gibt, daß die Achtung der göttlichen Ordnung durch einen Katholiken mit Diskriminierung gleichzusetzen ist bzw daß derjenige, der sich gegen Diskriminierung ausspricht, es mit der göttlichen Ordnung nicht ganz so genau nimmt. Da reicht eigentlich ein Blick in den Katechismus, aber wir wollen ja nicht zuviel verlangen...

Festzuhalten bleibt, daß hier mitnichten ein Gegensatz zu finden ist, sondern daß es nicht nur möglich sondern geboten ist, als Katholik gelebte Homosexualität als nicht der göttlichen Ordnung entsprechend zu sehen und gleichtzeitig von jeglicher Diskriminierung Abstand zu nehmen (Es sei denn man versteht unter "Diskriminierung" das Unterscheiden von Dingen, welches dazu führt, daß man die Dinge entsprechend ihrer Unterschiede verschieden behandelt - Stichpunkt "Ehe").

Der Artikel auf derStandard.at beginnt mit einem gar reizenden Zitat aus der katholischen Hafenschänke (kr**z.net):
    Das Homo-Büblein hat dem Homoporn-Kardinal den Kopf verdreht.
Weiter heißt es:
    Auf tiefstem Niveau wird auf der fundamentalistischen Website kreuz.net anonym gegen den Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn gewettert, seit dieser die Wahl eines homosexuellen Gemeinderats in Niederösterreich bestätigt hat. Während diese Hetze weiter öffentlich ist, hält man sich von offizieller bischöflicher Seite mit Stellungnahmen zu Schönborns Homosexuellen-Entscheidung zurück.
Hier finden wir selbstverständlich keinen Gegensatz, wenn der Autor einerseits beklagt, daß eine Hetze noch öffentlich ist, aber andererseits so etwas existiert wie der Kommentarbereicht auf derStandard.at.

Abgeschossen wird der Vogel von Christian Högl, dem Obmann der Homosexuellen Initiative Wien:
    "So homo hat man keinen österreichischen Bischof je erlebt", kommentiert Christian Högl, Obmann der Homosexuellen Initiative Wien (HOSI), Schönborns "mutigen Schritt". Wenn er sich streng an die Regeln Roms gehalten hätte, wäre dies schließlich nicht erlaubt gewesen, so Högl. Grundsätzlich verbitte man sich aber, dass sich die Kirche in Privatangelegenheiten einmische, weshalb man sich auch nicht in die Angelegenheiten der Kirche einmischen wolle. Aufgrund der sehr hierarchischen Struktur mit dem Papst an der Spitze, der mit dem Thema Homosexualität "vielleicht mehr Erfahrung hat, als man nach außen hin vermuten würde",...
Soviel zum Thema "Nicht einmischen"... Gegensatz? Hier? Wo denkste hin!

Der Gegensatz findet ausschließlich in meinem Kopf (und in vergleichbaren handelsüblichen Köpfen) statt, weil einerseits mein Glaube und mein Verständnis von der menschlichen Natur mir persönlich zeigt, daß gelebte Homosexualität nicht der göttlichen Ordnung entspricht, ich aber andererseits überhaupt keinen Bock darauf habe, Homosexuelle herabzusetzen (was wohl dem aktuellen Verständnis von "diskriminieren" am besten entspricht). Klar, ich werde in den Ring steigen, wenn aus der LGBT-Ecke irrational oder überzogen gegen die Kirche oder gegen meinen Glauben gestänkert wird, aber ich werde nie von mir aus losziehen und irgendeinen blöden Anti-Homosexuellen-Kreuzzug vom Zaun brechen. Ich verhalte mich also ziemlich genau so, wie es mein Glaube verlangt.

Weh mir! Denn dies führt offenbar dazu, daß ich seit Jahren mit einem gewaltigen Gegensatz im Schädel herumlaufe.

Vielleicht sollte ich mich auch lieber darauf verlegen, Dinge zu tun, von denen ich behaupte, ich täte sie nicht. Damit scheint sich in der heutigen Zeit viel besser leben zu lassen.

Keine Kommentare: