Dienstag, 24. April 2012

Die gottlosen Kinderschänder kommen!

Ich gestehe ganz offen, daß ich nur ein extrem gemäßigter Freund der Piratenpartei bin.

Dennoch machen mir Berichterstattungen wie diese in der Frankfurter Allgemeinen überhaupt keinen Spaß. Wenn es bereits in der Überschrift heißt...
    Jung, männlich, gottlos
... dann ahnt man zwar schon, daß es sich dabei wohl weniger um das Parteiprogramm als um eine Beschreibung des "typischen" Piraten-Wählers handelt (im Artikel selbst heißt es dann plötzlich auch nicht mehr "gottlos" sondern "konfessionslos"; ein kleiner Unterschied...).

Aber es folgt noch eine echte Keule, nämlich hier:
    ... erste Analysen deuteten darauf hin, dass die Piratenpartei ein ureigenes Berliner Gewächs sei: Nach der Bundestagswahl 2005 in Berlin gegründet, im Protest gegen Personen („Zensursula“) und Programme der Bundespolitik (Sperren beziehungsweise Löschen von Kinderpornographie) gewachsen,...
Das finde ich jetzt schon ein wenig untergürtellinig. Wenn man schon auf den Protest gegen die Sperrung von Internetseiten mit kinderpornografischem Inhalt hinweist, dann sollte man auch erwähnen, daß die Sorge, welche diesen Protest hervorbrachte, nicht der Tatsache galt, künftig nicht mehr seine Lieblings-Kinderporno-Seiten im Internet aufrufen zu können, sondern sich auf mögliche Folgen der Sperrung (weitere Zensur-Maßnahmen, Echtzeitüberwachung etc) bezog (zumindest kam das damals für mich so rüber). Denn sonst wird der 08/15-Panik-/Betroffenheits-/Mahn-Bürger nichts weiter als "Kinderschänder!" mit nach Hause nehmen. Okay, die Medien wissen natürlich, daß diese Nummer bestens funktioniert, ist die katholische Kirche für viele doch nur noch eine "Kinderschänder-Sekte". Aber grade wir als gebrannte Kinder sollten da vorsichtig sein und berechtigte Kritik an der Piratenpartei mit einer gewissen Nüchternheit servieren.

Wie gesagt: Piraten - nicht mein Ding. Aber die Debatte sollte dennoch auf einem ebenerdigen Spielfeld stattfinden.

Kommentare:

nk hat gesagt…

Man sollte aber nicht vergessen, daß die Piratenpartei Geist vom geist der Grünen sind und das diese Grünen in den 80ern Sex mit Kindern legalisieren wollten.

Damals gab es die Indianerkommune in Nürnberg und natürlich Daniel Cohn-Bendit, der sich in seinen Memoiren entsprechend ausließ.

Man hat dann später diesen Programmpunkt etwas weniger propagiert;)

Es gibt durchaus eine linke Tradition in dieser Richtung

Alipius hat gesagt…

@ nk: Mir geht's auch weniger darum, irgendetwas schönzureden oder zu vertuschen. Ich wünsche mir nur, daß hier keine Sippenhaft stattfindet und keine blind machende Panik ausbricht.

Martin J Grannenfeld hat gesagt…

ja, diese Passage war mir beim Lesen auch aufgestoßen. Das scheint wirklich besondere Blödheit zu sein. Gerade weil die Position der Piraten zu Internetsperren ja eigentlich breit bekannt ist...

@nk ich finde nicht, dass die Piraten direkte Nachfahren der Grünen sind. Atmosphärisch und kulturell ist da vieles anders (z.B. das Verhältnis zur Technik). Nachdem ich auch gerade mit dem Morgenländer darüber diskutiere, werd ich vielleicht in den nächsten Tagen selber was drüber schreiben.