Mittwoch, 25. April 2012

"für alle/viele..."

Auf explizit.net gibt es einen lesenswerten Beitrag zum Thema "für viele/für alle". Es ist eine Predigt, die Norbert Lohfink SJ am 28. Januar 2007 - also gleich nach der römischen "für viele"-Entscheidung - gehalten hat, um die ganze Sache ein weig zu erklären:
    Das hat nun noch einmal einen eigenen Effekt. Es ist das, was ich den Stoß ins eigene Herz genannt habe. Jesu Blut wurde vergossen, nicht irgendwie und für irgendwen, sondern für uns, die jetzt beim Abendmahl zusammen sind – damals die Zwölfe, jetzt wir, die hier versammelte Gemeinde. Wir können uns ansehen, wir hier, diese Gesichter. Für uns wurde das Blut Jesu vergossen. Doch zugleich werden unsere Gesichter hochgerissen. Wir sind kein geschlossener Kreis. Der Blick wird hinausgerissen. Das macht das Wort „viele“. Wir sind nur wenige. Aber das Blut ist geflossen für so viele. Sie gehören dazu. Es kommt auf die Vielheit aus all den einzelnen an. Je weiter wir blicken, desto mehr kommen in Sicht. Bis zum Rand des Horizonts. Es sind die vielen Völker und Könige des Jesajabuches. Unser Herz, das in unserem kleinen Kreis vielleicht langsam lernt, die Botschaft von der Liebe zu leben, wird dazu hingerissen, den Kreis zu sprengen. Jesu Blut ist nicht nur für uns, es ist für viele, viele geflossen. So sind auch wir, diese kleine christliche Gemeinde, für viele über uns hinaus da. Es ist geradezu wichtig, daß nicht gesagt wird: „für alle“. Das ist zwar letztlich richtig. Aber es hört auf, uns brennend ins Herz zu gehen. Mit „alle“ bekommt das Herz die vielen einzelnen nicht in den Blick, das ist zu abstrakt. Wir müssen uns über uns hinaus auf viele andere aus-richten, immer auf die, mit denen wir zu tun haben. Es wird mit diesen „vielen“ niemals ein Ende haben, aber zugleich fängt alles immer wieder bei den ersten aus den vielen an, denen wir begegnen. Da muß unser Herz sagen: Auch er, auch sie gehört zu den vielen, für die Christi Blut geflossen ist.

1 Kommentar:

jeannedarc hat gesagt…

Interessante Predigt!! Was mich wundert ist, dass Sie von einem Jesuiten stammt(nach dem Motto- kann denn von dort etwas Gutes kommen?) Ansonsten sind die Wortmeldungen aus der Gesellschaft Jesu meistens verheerend.