Sonntag, 25. März 2012

Wieso "cleverer"...?

Habe neulich wieder einmal irgendwo in einem Kommentarbereich in der US-Blogoezese einige Beiträge von Atheisten gelesen, die die alte "Wir sind aber vernunftgesteuerter und daher cleverer als Christen"-Trommel gedroschen haben.

Und dann fiel es mir plötzlich ein: Stimmt ja gar nicht!

Ein katholischer Feuerwehrmann und ein atheistischer Feuerwehrmann unterscheiden sich dadurch, daß der Eine an Gottes Existenz glaubt und der Andere nicht.

Ein moslemischer Physiker und ein atheistischer Physiker unterscheiden sich dadurch, daß der Eine an Gottes Existenz glaubt und der Andere nicht.

Ein hinduistischer Spanienurlauber und ein atheistischer Spanienurlauber unterscheiden sich dadurch, daß der Eine an Gottes Existenz glaubt und der Andere nicht.

Ein jüdischer Bettler und ein atheistischer Bettler unterscheiden sich dadurch, daß der eine an Gott glaubt und der andere nicht.

In allen Bereichen des Lebens, an allen Ecken und Enden der Welt findet man Menschen die an Gott glauben, direkt neben Menschen, die dies nicht tun. In ihrem täglichen Geschäft leisten die Gläubigen dabei das Gleiche wie die Atheisten. Sie machen ihre Arbeit, pflegen Umgang mit anderen Menschen, erfreuen sich an Familie und Freundeskreis und haben bestimmte Ziele, Vorstellungen und Träume, die sie mit unterschiedlicher Intensität verfolgen und in unterschiedlicher Geschwindigkeit umsetzen. Der einzige Unterschied ist, daß der Atheist bestimmte Dinge nicht tut, die für den gläubigen Menschen ganz normal sind. Ich will damit jetzt nicht sagen, daß gläubige Menschen deswegen zwangsläufig sogar vernünftiger oder klüger sind als Atheisten (Der Gläubige liest vielleicht in seiner Freizeit Thomas von Aquin, während der Atheist Feuerbach studiert).

Was ich damit sagen will ist, daß ich einfach nicht sehe, wo genau jetzt hier das atheistische "Sooooo viel mehr vernunftgesteuert und soooo viel cleverer" ins Spiel kommt.

Das liest sich für mich jedenfalls immer wie ein Popanz, den man atheistischerseits aufbläht, um sich selbt ein wenig mehr Gewißheit/Sicherheit zu verleihen. Und das fände ich für Leute, die keine "Krücke" (also: keinen Gott/Glauben) brauchen, echt matt. Aber: Ich sage nicht, daß es so ist, ich sage nur, daß es sich für mich so liest.

1 Kommentar:

Phil hat gesagt…

Das Problem ist, daß Atheisten die Vernunft für sich gepachtet haben. Wie konnte das geschehen?

Ich will dazu noch demnächst einen etwas ausführlicheren Beitrag bei mir schreiben, fürs erste jedoch folgendes:

Es wurde von Gottesgläubigen irgendwann der absolute Wahrheitsgehalt des Glaubens aufgegeben. "Man kann Gott nicht beweisen" - wie oft hat man den Satz auch von Christen gehört? An sich drückt der Gedanke etwas korrektes aus; wie Axiome in der Mathematik kann man Gott nicht beweisen.

Jedoch sind dann zwei Fehler passiert:

1.) Aus dem Satz "Man kann Gott nicht beweisen" wurde die Forderung abgeleitet, man solle doch Argumente für Gott finden, die auf einem reinen "vernünftigen", d.h. weltlichen Grund stehen. Nichts für ungut, aber das ist so, als würde man von einem Atheisten verlangen, sich vor Christus über seinen mangelnden Kirchgang zu erklären.

2.) Letztlich wird eine komische Trennlinie gezogen. Was glaubt der Atheist, bzw. was genau glaubt er nicht? Was heißt es, daß er nicht an einen Gott glaubt? Da gibt es ja unterscheidungen:
a.) Er glaubt nicht an einen Urgrund der Dinge, nicht auf eine absolute Wahrheit. Womit er dann eigentlich ein A-gnostiker ist. Doch auch diese sind ein trugschluß in sich: Sie meinen letztlich doch, daß die Absolute Wahrheit ein "Finde Deinen eigenen Weg" wäre. Dagegen steht der christliche Lebensentwurf. Das ist die Trennlinie! Und darüber sollte man debattieren: Ist das Paradigma "Finde Deinen eigenen Weg" wirklich sinnvoll?
b.) Er glaubt nicht, daß man mit dem Urgrund der Dinge in Kontakt kommen könnte, daß diese absolute Wahrheit eine Person wäre. Dann (!) ist er Atheist! Denn dann glaubt er an die Absolute Wahrheit, daß es keinen Gott gibt. Das kann zwar auch zu einem "Finde Deinen Weg" führen, jedoch kann, wie es manche Evolutionisten (oder in perverser Form bestimmte Utilitaristen) tun, sehr wohl ihrerseits von der Beobachtung der Natur etwas über den Weg des Lebens herausgefunden werden.

Bei dem Typ b.) wundert mich ohnehin eine Sache. Nun mag man persönlich nicht an Gott glauben, kein Ding. Man mag also meinen, der Urgrund der Dinge wäre keine Person und schon gar nicht am Menschen interessiert. Damit steht er gegen die Erfahrung von Milliarden Menschen. Durch die Religionen haben Menschen die Erfahrung gemacht, daß mit der absoluten Wahrheit Kontakt gesucht werden kann. Seit dreitausend Jahren behauptet ein Volk, daß es von Gott zu großem ausersehen ist, hat grausam gelitten - wie es eigene Propheten voraussagten - und Vertreter desselben sind nun im Land ihrer Väter. Seit zweitausend Jahren glauben massenhaft Leute, daß dieser Gott Mensch wurde, unter uns wohnte. Daß mit dieser Gott weiterhin in der Geschichte wirkt, durch seine Kirche. Daß er durch die Fürsprache von Heiligen Dinge geschehen läßt, daß er oder andere Heilige Leuten hienieden erscheinen. Daß Er tagtäglich live und in Farbe, äh, Brot und Wein, unter uns sind.

Zugegeben, das ist alles recht abstrus, aber - auf was für einer Basis sagt man eigentlich, daß die alle spinnen? Eben doch primär, weil man sich auf dem "Gott kann man nicht beweisen" ausruht.
Hierzu noch eine Anmerkung: Gerne wird von Atheisten in dem Zusammenhang behauptet, "ich könne ja auch an ein fliegendes Spaghettimonster glauben" - nein, das "könnten" sie nicht. Sie tun es oder nicht.