Samstag, 4. Februar 2012

Pfarrerinitiativen-Logik

Dem "Ungehorsam" kann natürlich nur ein "NEIN!" folgen...

Kommentare:

UralteSage hat gesagt…

Neulich habe ich mir mal in voller Länge eine ORF-Plauderrunde angeschaut, in der ein Abt Henckel von Donnersmarck, auf sich allein gestellt, die Positionen der Kirche vertreten mußte. Als ums Aas kreisende Geier waren diverse moderne Christen geladen, darunter der hier öfter schon erwähnte Schüller, und, meist schweigend, der ungläubige Thomas Glavinic, sicher kein schlechter Autor. Zu meiner Überraschung fand ich den Schüller keineswegs verblendet oder besessen, sondern nur pessimistisch und ängstlich. Er scheint nicht nur mit bestem Gewissen ungehorsam zu sein, sondern hat auch die Gründe der Gegenseite, die ihn zur Einheit des Kirchenvolkes zurückführen wollen, sorgsam erwogen und verstanden. Er weiß, daß seine Art von Aggiornamento die völlige Unterwerfung unter die Gesetze der Medien und Meinung bedeutet und hält das für ein Opfer, das man der "Zeit" bringen muß, um das Evangelium in unsere scheinbar eigengesetzliche "Zeit" hinein zu retten. Früher einmal war der Eindruck einer "Zeit", in der man lebte, geprägt vom Gestaltungswillen der Kirche. Die Zeit wurde von der Kirche "gemacht" und nicht nach Wegen gesucht, sich ihr anzupassen.

Wie könnte eine Strategie für einen katholischen Priester in so einer Fernsehshow aussehen, um der Position Schüller wirksam entgegenzutreten? Denn die evangelische Theologin und die bekloppte "Priesterin" kann man noch lustig finden, während dieser Schüller kein Schismatiker ist sondern ein Gegenpapst, kein Luther, eher ein Lenin. Wie ein Politiker gelernt hat, zustimmungsfähige Sätze zu produzieren, so hat auch Schüller vieles im Programm, das einem Fernsehzuschauer ein Genau und Da-hat-er-Recht entlockt. Alipius, dich würde ich gerne mal in einer Fernsehshow gegen Schüller antreten sehen, und zwar nicht als Gladiatorenspiel aus voyeuristischem Interesse, sondern um den Gegenbeweis zu erleben: ein Priester kann auch einer-gegen-fünf oder einer-gegen-sieben in so einer Quasselrunde die "Oberhand" behalten, entwaffnend wirken, sympathischer sein als die anderen und einfach wahrer.

Alipius hat gesagt…

@ Uralte Sage: Das ist sehr freundich, aber ich weiß nicht, ob ich mich in einer solchen Runde besonders wohl fühlte und ob ich dort die an mich gestellten Erwartungen auch erfüllen könnte.

Schüller ist kein Keifer, das ist klar. Und es gibt sicherlich zwischen dem, was er verkündet und seinem Gewissen eine Schnittstelle der Kompatibilität, die enorm groß ist. Ich finde aber erstens sein Timing nicht geschmackvoll (Ankündigug einer "internationalen" Pfarrer-Initiative in der Gebetswoche zur Einheit der Christen), seine Methoden fragwürdig (300 Unterschriften unter dem Aufruf zum Ungehorsam: Weil die Namen von Mitgliedern der Pfarrer-Initiative einfach auf diese Liste gesetzt wurden, ohne daß man sie vorher fragte) und sein Auftreten in den Medien nicht immer schleimfrei und uneitel.