Samstag, 18. Februar 2012

Pfarrer-Initiativchen

Die Passauer Neue Presse berichtet:
    Mit einem "Aufruf zum Ungehorsam" sorgt eine Pfarrerinitiative aus Österreich seit einigen Monaten für viel Aufregung in der katholischen Kirche. Im Bistum Passau hat die gegen bestehende Strukturen und Grundsätze aufbegehrende Gruppe Gleichgesinnte gefunden. Hier gibt es die Bewegung "Passauer Priester im Dialog", die sich weitgehend denselben Zielen verschrieben hat wie ihre Kollegen aus dem Nachbarland: Beide sagen Nein zu immer größeren Pfarrverbänden, zur daraus resultierenden Überforderung der Pfarrer und zu einem "unbarmherzigen Kirchenrecht". Darunter verstehen die Reform-Initiativen vor allem das Pflichtzölibat sowie das Kommunion-Verbot für wiederverheiratete Geschiedene. Beides solle aufgehoben werden, fordern die Pfarrer.
"Dialog" = Nein-Sagen und Fordern...

Der innere Antrieb der 20-25 Mitglieder zählenden Gruppe:
    "Wir sind gehorsam gegenüber Gott, gegenüber dem eigenen Gewissen und dann erst gegenüber der Kirche − in dieser Reihenfolge."
Die Bisse, welche ihnen ihr Gewissen bereitet, sind keinesfalls neu:
    Beispiel Frauenpriestertum: "Rom hat entschieden: Das gibt es nicht, Aus, Äpfel, Amen", sagt Artinger [Einer der "Priester im Dialog", A.], der sich damit nicht abfinden mag. "Warum sollen nicht auch Frauen Ämter in der katholischen Kirche übernehmen...?"
Ähh... Wie wär's mit darum!?

Jetzt wird jedenfalls über eine engere Zusammenarbeit mit der österreichischen Pfarrer-Initiative nachgedach, auf deren angeblich 400 Mitglieder man wohl nicht ohne Ehrfurcht schielt.

Naja... Wenn sie schon hier stehen, nicht anders können und Gott ihnen helfe, dann darf man wohl auf die nächsten Entscheidungen ihres kollektiven Gewissens gespannt sein, unabhängig davon, ob das Luther-Wort nun überliefert ist, oder nicht.

Ich für meinen Teil gelobe weiterhin Gehorsam gegenüber Gott und der Kirche und auch gegenüber meinem Gewissen, nachdem es von den beiden Erstgenannten informiert und gebildet wurde.

Kommentare:

gerd hat gesagt…

http://kath.net/detail.php?id=35252

Wenn das stimmt, dann wundert mich in der Kirche nix mehr. Dann bekommen die Initativchen wohl von allerhöchster Stelle ihre Legitimation oder können sich irgendwann auch auf das Gewissen von Kardinälen und Scheinausstellern berufen.

Cassandra hat gesagt…

"Beide sagen Nein zu immer größeren Pfarrverbänden, zur daraus resultierenden Überforderung der Pfarrer und zu einem "unbarmherzigen Kirchenrecht""

Also: das mit den immer grösseren Pfarrverbänden und der Überforderung der Pfarrer sehe ich auch als Problem.
Wennn Messen und Beichtzeiten eingespart werden, Beichte (eh nicht das allerbeliebste Sakrament) auf "bei Nachfrage, machen Sie einen Termin" reduziert wird, man als Pfarrer mehr mit Verwaltung als mit Seelsorge beschäftigt ist... das ist schon ein Problem.
Auch für Gemeindemitglieder ist das nicht unbedingt die optimale Lösung: Gottesdienst in wechselnden Kirchen oder zu Zeiten, der Pfarrer wird als fremd wahrgenommen, man kennt sich nicht und erkennt sich nicht... das muss man in aller Offenheit ansprechen können und darf dann nicht nur "aber die Zusammenlegung ist dich eine grosse Chance" hören- wir sind hier in der Kirche, nicht auf dem Aktienmarkt, wo halt fusioniert wird.

Aber muss das Ansprechen der eigenen Überforderungssituation denn imemr gleich mit dem üblichen abgelutschten Forderungskatalog enden?

Die evangelische Kirche hat Pastorinnen und trotzdem sind ihre Kirchen leer.
Evangelische Pastoren dürfen heiraten, trotzden sind sie oft genauso überfordert und leergearbeitet.
Frauenordination und Priesterehe scheinen also keine Wunderallheilmittel zu sein.

Lösungen habe ich auch nicht. Leider. Sonst würde ich so lange auf den Schweizer Gardisten an der Haustür vom Papst einreden bis er mich durchlässt und ich diese brilliante Lösung dem Papst vorschlagen kann.

Alipius hat gesagt…

@ cassandra: Die Probleme sind bekannt und stehen natürlich unangenehm im Raum. Aber es gibt andere Lösungen als dieses ewige Protestgemurmel, als da wären:

- Wiedereinführung des Gebets für Priesterberufungen

- Glaubwürdiges Vorleben einer katholischen Identität von Laien und Priestern

- Gründliche und magisteriumsnahe Unterweisung im Glauben

um mal drei zu nennen.

Cassandra hat gesagt…

"Glaubwürdiges Vorleben einer katholischen Identität von Laien und Priestern"

Wenn im Pfarrheim die Stillgruppe zu einem Vortrag "Homöopathische Impfkritik" einlädt und dann Geschichten von Wiedergeburt (nein, nicht durch Geist und Taufe), der Wahl seiner "Themen" vor der Geburt etc geredet wird... dann sitzt man als Mama da und fragt sich, wann der Blitz bitte einschlägt.
Der Vortrag hat gewirkt: bin seitdem vehemente Impfbefürworterin und Kügelchen-Ablehnerin :-)


Daraufhin bin ich bei der Gemeindeleitung gewesen und das bringt mich zu
"Gründliche und magisteriumsnahe Unterweisung im Glauben"

Antwort: man wll das niemandem aufdrücken, grundsätzlich sei die Tür immer und für alle offen. das ist ja erst mal begrüssenswert, niemand soll das Credo aufsagen müssen bevor er reindarf. Aber ursprünglich war das niedrigschwellige Angebot "Stillgruppe", eingebunden in eine sehr ausgeprägte Kinder- und Jugendarbeit, mal dazu gedacht gewesen, dass die Familien in Kontakt mit Kirche kommen. Der Ansatz hatte sich verabschiedet zugunsten von "wir wollen niemanden verschrecken".

Ja, sind wir denn so erschreckend, dass wir lieber ganz leise sein sollten?
Weshalb wollen wir die Familien eigentlich da haben?

Wir brauchen Priester, die Zeit haben. Eben um erlebbar katholisch zu sein und nicht nur eine Art Sozialzentrum ohne Profil.

Alipius hat gesagt…

@ cassandra: Ja, da gibt's viel zu tun. Aber ich habe ja auch nicht behauptet, daß es leicht sein wird ;-)