Sonntag, 26. Februar 2012

Fernlob...

Ich hatte neulich eine Beerdigung. Als ich danach zu meinem Wagen ging, überholte ich drei ca 50-60-jährige Herrschaften, zwei Damen und einen Herrn. Sie waren bei der Beerdigung Trauergäste gewesen und wohl auf dem Weg zum Leichenschmaus.

Ich muß jetzt vorwegschicken, daß ich ein ziemlich gutes Gehör habe und hin und wieder auch Dinge höre, von denen andere annehmen, ich hörte sie nicht.

Ich schlendere also so an den Leuten vorbei, grüße sie und marschiere weiter.

Einige Sekunden später höre ich eine der Damen leise sagen: "Wenn ich tot bin, möchte ich von dem begraben werden."

Die zweite Dame: "Ja, der war nett."

Der Herr: "Und er hat so schön gesprochen."

Ich hab' gar nicht mehr ins Auto reingepaßt, so breit war die Brust.

Ernst jetzt: Es tut einfach gut, hin und wieder zu erfahren, daß ich meine Arbeit nicht komplett falsch mache. Ich bin zwar noch kein Jahr Priester und schwebe vielleicht noch im Anfangs-Hoch, aber ich stelle mehr und mehr fest, daß diese ganzen pastoralen Aufgaben keine Routine sind, der ich aufgrund einer Berufung nachgehe, sondern daß sie mir gewaltigen Spaß machen, obwohl ich sie immer mit Ernst und der gebotenen Ehrfurcht angehe/anzugehen versuche.

Paßt also noch alles gut zusammen im Moment.

Kommentare:

Severus hat gesagt…

Freut mich echt für Dich, Alipius.
Weiter so!

Gorgasal hat gesagt…

Hm.

Ist dann das Gegenstück dazu folgendes: wenn ich in der Messe bei unserem "liturgischen Innovator" sitze und mir denke "von dem will ich mich nicht einmal begraben lassen"?

Alipius hat gesagt…

@ Severus: Danke!

@ Gorgasal: Klingt zumindest so... ;-)

Sarah hat gesagt…

ich kann mir auch gut vorstellen von dir beerdigt zu werden :-))auch wenn ich bisher nur eine Messe mit dir feiern konnte.

Ich weiss nicht ob du als Düsseldorfer St. Barbara in Neuss kennst. Das Barbara Viertel (liegt hinterm Hafen zwischen Neuss und Ddorf) ist ein nicht gerade schönes Mietshausviertel und da wohnen wohl auch nicht wirklich gut situierte Leute. In die Kirche allerdings kommen ein paar ältere Herrschaften, denen es wohl ganz gut geht aber wirklich nicht viele. Da wir sowieso mit dem Auto fahren müssen und die Messe dort so schön früh liegt sind wir am Sonntagmorgen dorthin gefahren(in der Hoffnung, dass nicht in unser Auto eingebrochen wird). Auf dem Weg in die Kirche verließ unsere Tochter der Mut und sie fragte mich "Muss ich dienen" (dort sind nie Messdiener aufgeschrieben, aber Freiwillige willkommen), ich sagte ihr, du wirst den Leuten da eine Freude machen, wenn du es tust, also hat sich die Frage doch erübrigt, oder. Der Priester begrüßte uns nach der Messe als wir noch auf unsere Tochter warteten und wirklich, ganz ehrlich standen da zwei ältere Herren Spalier und die warteten nicht auf den Priester sondern auf unsere Tochter und dankten ihr ganz herzlich. Obwohl ich als Ex-Messdienerin weiblichen Messdienern gegenüber recht skeptisch eingestellt bin, war ich total gerührt und glaube wirklich, dass wir ein gutes Werk getan haben.

timo hat gesagt…

Das feut mich für Dich. Was für ein Glück, dass du es gehört hast. Leider ist es eine Seltenheit von (fremden) Menschen mal was nettes, lobendes zu Hören. Heutzutage fehlt es Vielen einfach an Mut, auch mal auf jemanden zuzugehen und was Liebes zu sagen. Leider wird diese Form der Nächstenliebe in der heutigen Gesellschaft oft als Schwäche angesehen. Wer sich öffnet und auf andere zugeht, wird angreifbar. Worte haben sehr viel Kraft, besonders von Fremden. Ein Glück konntest Du diese warmen Worte empfangen.

Valentina hat gesagt…

Das freut mich!
und ich wünsche dir noch viele solche Erlebnisse, denn das sind doch immer die Momente, von denen wir zehren können, wenn´s mal net so "geschmeidig" läuft!
pfiati

Valentina

PS: meine Große mag Schwester Robusta ohne Ende "Mama, gibts von ihr auch t-shirts?"
Ich sollte vielleicht noch sagen, dass sie seit zwei Jahren den Berufswunsch Ordensschwester hat.

Alipius hat gesagt…

@ Valentina: Genial!